Rigi Anzeiger
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Dienst für die Gemeinschaft als roter Faden

Gespräch mit Pia Maria Brugger, Gemeindeschreiberin in Ebikon

Als erstes führt Pia Maria Brugger den Besucher durch ihr «Reich». Im Erdgeschoss des Ebikoner Gemeindehauses ist die Präsidialabteilung zu Hause. Neben ihrem Amt als Gemeindeschreiberin ist die 51jährige Betriebswirtschafterin auch Abteilungsleiterin.

Zu ihrer Abteilung gehören das regionale Zivilstandsamt, die Einwohnerdienste, das Arbeitsamt, das Teilungsamt, der Personal- und Informationsdienst, die Einbürgerungskommission und – natürlich – die Gemeinderatskanzlei. «Das ist eine sehr vielseitige Abeilung mit sehr spannenden und kundennahen Dienstleistungen», erklärt Pia Maria Brugger. 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fast die Hälfte davon Lernende, stehen hier im Einsatz – «ein junges, sehr motiviertes Team», lobt die Chefin. Dem Besucher stellt sie die Leute, wenn’s grad geht, einzeln vor, und man spürt: das ist ein gutes, kommunikatives, professionelles Klima. Für Brugger ist es «ein Aufsteller: die Gemeinde Ebikon hat eigenständiges, selbstverantwortliches Personal.»

Pia Maria Brugger

Pia Maria Brugger ist keine «Ur-Ebikonerin». Aufgewachsen im Seetal, die Eltern führten einen Gasthof in Baldegg, kam die junge Pia Maria schon früh nach Luzern. Sie besuchte die Handels- und Verwaltungsschule, schloss eine kaufmännische Berufsausbildung ab, bildete sich an der damaligen HWV zur eidg. Dipl. Betriebsökonomin aus und wurde zur «Städterin». Dem widerspricht sie nicht und die berufliche und politische Biographie bestätigt es: Mitarbeiterin bei der Bürgergemeinde Luzern, journalistische Mitarbeit bei den Luzerner Neuesten Nachrichten LNN, Koordinatorin der Volksschulen, Sekretärin der Schulpflege und Stabsmitarbeiterin bei der Schuldirektion Luzern. Aus dieser Funktion wagte sie auch den Sprung in die Politik: 1997 wurde sie Präsidentin der CVP der Stadt Luzern. Es war eine flotte, junge Frauenriege, die damals in der von herben Wahlniederlagen gebeutelten Stadt-CVP den Ton angab. «Ja,» erinnert sich Pia Maria Brugger, «wir wahren ehrgeizig, wollten etwas bewirken und sind ambitiös vorgegangen.» Zwei Jahre später, 1999, wurde Brugger in den Kantonsrat (damals Grossrat) gewählt.

Wenn das Gespräch auf die Politik kommt, führt der Faden unweigerlich zurück zu den Wurzeln im Seetal. In einem Landgasthof der 1960er Jahre in Baldegg, unweit des Klosters, war Politik allgegenwärtig. Vater Brugger war zwar nicht politisch aktiv, aber die Familie war «stark konservativ geprägt». Der Vater sei eher introvertiert gewesen, die Mutter sehr kommunikativ – «und ich habe wohl von beiden etwas mitbekommen», meint Pia Maria Brugger. Vor allem aber geprägt habe sie die Familien-Überzeugung, dass wohl jeder für sich selbst verantwortlich sei, man sich aber ganz selbstverständlich «stark für die Gemeinschaft engagiert». So war ihr Schritt in die Politik wohl nur eine folgerichtige Konsequenz der familiären Prägung. Sie wirkte auch in der beruflichen Laufbahn weiter. Es zieht sich wie ein roter Faden durch Pia Maria Bruggers öffentliches Leben: «Ich war immer im Umfeld von Politik und Verwaltung tätig, dort, wo ich mithelfen kann, gesellschaftlichen Nutzen zu stiften und Organisationsstrukturen zugunsten der öffentlichen Dienstleistung zu verbessern.»

Logisch, dass man im Gespräch mit Pia Maria Brugger bei diesem Punkt auf Griechenland zu sprechen kommt. Sie ist verheiratet mit Georgios Kalfidis und kennt die Heimat ihres Mannes in allen Facetten. «Die Situation in Griechenland macht mich nur noch ohnmächtig,» erklärt sie nachdenklich. Sie ortet tiefliegende, staatsphilosophische Gründe für den Niedergang und die tiefe wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise des Landes. «Griechenland hat eine grosse Geschichte und die Griechen sind stolz und selbstbewusst,» erklärt sie. «Aber sie waren und sind seit langer Zeit fremdbestimmt.» Das habe zu einem völlig andern Staatsaufbau und Staatsverständnis als zum Beispiel in der Schweiz geführt. «In der Schweiz wurde der Staat schrittweise von unten aufgebaut, dadurch fühlte und fühlt sich der Einzelne auch viel stärker für die Gesellschaft als Ganzes verantwortlich,» ist sie überzeugt.

So sind wir über Griechenland wieder bei Pia Maria Bruggers jetziger Aufgabe in Ebikon angekommen. «Wichtig ist, dass der Staat gut funktioniert, denn von staatlichem Handeln ist jeder einzelne Mensch direkt betroffen,» ist sie überzeugt. Und da ist sie, seit einem Jahr in leitender Verwaltungsfunktion in der Gemeinde tätig, geradezu begeistert von Ebikon: «Die Gemeinde hat eine spannende Grösse, sie ist im Agglomerationsgürtel gut positioniert und hat einen engagierten, kompetenten Gemeinderat und eine hoch motivierte Verwaltung,» lobt sie schon fast überschwenglich. Allerdings: Pia Maria Brugger kann sich ein Urteil erlauben. In ihrer zehnjährigen Tätigkeit als Geschäftsführerin des Zweckverbandes öffentlicher Agglomerationsverkehr Luzern und in ihrer politischen Tätigkeit hat sie die Gemeinden der Region Luzern gründlich kennen gelernt. Jetzt ist sie daran, sich «in Ebikon noch besser einzuleben.» Sie ist fasziniert vom vielseitigen, aktiven Vereins- und Dorfleben. Ein Umzug in die Gemeinde allerdings steht zur Zeit nicht zur Diskussion: Die Familie mit Tochter Giorgina ist im Luzerner Wesemlin verwurzelt. Und immerhin ist das Quartier der südliche Nachbar von Ebikon und gehört schon fast zum Rontal.