Rigi Anzeiger
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Diskussion um Sicherheitsräumung in Weggis

Gemeinderat will die Bewohner bergsturzgefährdeter Häuser aussiedeln

In Weggis ist eine Auseinandersetzung im Gang, die landesweit erstmalig ist. Der Gemeinderat beabsichtigt, die Bewohner von fünf Häusern in der Gefahrenzone unter einem Felsband auszusiedeln und die Häuser abzubauen. Gegen Entschädigung. Die Bewohner wehren sich. Gestern Donnerstagabend fand zu diesem brisanten Vorgang erstmals eine öffentliche Infoveranstaltung statt.

Es ist kein entspannender Ort für Ängstliche: An einem Steilhang direkt über dem See und unterhalb eines senkrechten Felsbandes haben Romantiker vor vielen Jahrzehnten ihre Häuschen hingetrutzt. Denn die Aussicht ist einzigartig. Und vor die Nase bauen können hier einem höchstens die Vögel. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die restriktiven Bau- und Zonenplanungen haben die fünf Wohnbauten zwischen dem Ortskern Weggis und der Lützelau bis heute zwar überstanden. Sie waren einfach schon immer da. Doch jetzt droht ihnen das moderne Naturgefahrenbewusstsein den Garaus zu machen.

Wie vergleichbar gelegene andere Gemeinden auch, hat Weggis in den letzten Jahren unliebsame Erfahrungen mit seiner Lage am Fusse eines Berges gemacht. Eines Berges mit einer sehr eigenwilligen Struktur: Felswände und -bänder mit Nagelfluh, Sandstein und Mergelschichten durchziehen die Westflanke der Rigi und dokumentieren die Unberechenbarkeit des Berges.

Gelder sind bereits gesprochen

Auf der in den letzten Jahren erstellten Naturgefahrenkarte figuriert das Horlaui-Gebiet mit den fünf Wohnhäusern im Steilhang unter dem Felsband im tiefroten Bereich. Auch die Gebiete «Linden», «Laugneri» und «Tannenberg» sind naturgefährdet. Kanton und Bund haben von der Gemeinde einen Masterplan verlangt, der aufzeigt, welche Schutzmassnahmen für die Sanierungen nötig werden. In Vorstudien müssen die Massnahmen, die Kosten und die zeitliche Abfolge aufgezeigt werden. Bund und Kanton schätzen diese Sanierungsmassnahmen als dringlich ein: Deshalb wurden bereits im Jahre 2011 Gelder für die Sanierungsprojekte reserviert. Die Kosten werden zu je einem Drittel vom Bund, dem Kanton und der Gemeinde getragen. Gemeindeammann Baptist Lottenbach: «Die notwendigen Schutzmassnahmen für diese Gebiete werden rund 21 Millionen Franken betragen, und die Realisierung der Massnahmen wird rund acht bis zehn Jahre in Anspruch nehmen.»


Ein Felsband, dass die Gemeinde Weggis spaltet: Oberhalb des Bandes die schönen und teuren Villen an schönster und sicherer Lage im östlichsten Ortsteil. Unter dem Band die fünf gefährdeten Häuser der Exoten, die geräumt und abgebaut werden sollen.

Abbau ist am zweckmässigsten

Die bisherigen Vorabklärungen haben gezeigt, dass die fünf Wohnbauten im Gebiet Horlaui aufgrund ihrer sehr exponierten Lage nur mit unverhältnismässig hohem Aufwand effektiv geschützt werden könnten. Während in den anderen Gebieten mit Dämmen, Schutznetzen und punktuellen Felssicherungen die Naturgefahren nach menschlichem Ermessen gebannt werden können. Der Gemeinderat bevorzugt aus praktischen und finanziellen Überlegungen die für die Hausbesitzer unerfreulichste der fünf Massnahmenvarianten: Abbruch der Wohnbauten und Entschädigung der Hausbesitzer. Sie sollen insgesamt 3,2 Millionen Franken für ihre Altbauten erhalten. Die wollen sie aber nicht, sondern lieber weiterhin am heute schon elektronisch überwachten Steilhang wohnen. Oder wohnen lassen. Eines der Häuser wird als Ferienhäuschen vermietet, ein anderer Hausbesitzer wohnt jetzt mit seiner Familie im Dorf und hat sein Haus in der roten Zone vermietet. Das und der Umstand, dass die Hausbesitzer in der Horlaui ungeachtet der Diskussionen weiterhin ihre Bauten sanieren, sorgt für eine angespannte Stimmung zwischen Gemeinderat und Hausbesitzer, die mit Gegengutachten die Gefahrlosigkeit der Gefahrenzone zu beweisen suchen. Mit einer öffentlichen Informationsveranstaltung wird nun auch die Bevölkerung in die Auseinandersetzung um die fünf Wohnbauten miteinbezogen. «Denn die Steuerzahler müssen die Entschädigung an die Hausbesitzer oder die Schutzmassnahmen schliesslich bezahlen», betont Gemeindeammann Baptist Lottenbach. Der Rigianzeiger wird in der nächsten Ausgabe über den Verlauf des Abends berichten.