Rigi Anzeiger
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Drei Vereine im «Rennfieber»

Inwil: Die Musikgesellschaft Inwil (MGI), der Kirchenchor Inwil und die Eibeler Volksbühne (EVB) bringen im April und Mai als Uraufführung das Theaterstück «Rennfieber» mit Livemusik und Gesang auf die Bühne. Die Proben laufen auf Hochtouren. Walter Troxler, Präsident der Musikgesellschaft Inwil über das einzigartige Engagement mit über 100 Mitwirkenden.

Walter Troxler, Präsident der Musikgesellschaft Inwil und Erfinder des Kulturprojektes «Rennfieber». Bild Linda Schumacher

Walter Troxler, Präsident der Musikgesellschaft Inwil und Erfinder des Kulturprojektes «Rennfieber».
Bild Linda Schumacher

Walter Troxler, Sie sind quasi der Erfinder dieses Kulturprojektes. Wie ist es dazu gekommen?
Angeregt wurde ich 2010 in Betzenweiler, wo ein Seelendorf aus einem alten Theater ein Musical fabriziert und erfolgreich auf die Bühne gebracht hat. Daraus entstand unter anderem diese Idee mit Theater und wurde sporadisch von mir weiterentwickelt. Nach einem Gespräch zu später Stunde mit dem Präsidenten der EVB spürte ich dessen Begeisterung und so griff ich die Idee wieder auf.

Wann und zu welchem Anlass fallen Ihnen diese aussergewöhnlichen Ideen mit dem Verein jeweils ein?
Wenn man Ideen hat, deren Umsetzung möglich erscheint, so ist es eigentlich einfach. Schon Goethe schrieb: «Erfolg hat drei Buchstaben: TUN». Das Schwierige ist, aus vielen Ansätzen eine Idee zu entwickeln, die umsetzbar ist. Diese Ansätze oder Ideen können bei einem Anlass kommen, sofern er mich selber berührt; oder auch aus Gesprächen über Erlebtes oder Gelesenes. Bei solchen Gelegenheiten mache ich mir Notizen, die ich später weiter entwickle. Zudem schaue ich bei meinen längeren Bahnfahrten jeweils aus dem Fenster, hänge den Gedanken nach, beobachte Leute und so kann dann etwas entstehen.

Dies ist eine Uraufführung und das Stück wurde extra für dieses Kulturprojekt geschrieben. Wie ist die Geschichte entstanden und wer war der Autor/-in?
Der Autor ist «Geri», offenbar ein Deckname, aber viel mehr weiss ich auch nicht über ihn. Wir hoffen natürlich sehr, dass wir an der Première dieses Geheimnis lüften können!
Da ich eine gewisse Vorstellung hatte, was an Liedern und Musikstücken vorkommen sollte, habe ich auch eine Skizze einer möglichen Geschichte angefertigt. Diese Geschichte verknüpft drei Elemente, die alle gewissen Tatsachen entsprechen:
1) Ich kenne eine Person der «Nieuport Memorial Flyers» persönlich; das sind jene Leute, die mehrere Nieuport von 1917 nachbauen wollen.
2) In den 1930 Jahren wollte Luzern einen Flughafen bauen, wobei auch Inwil als Favorit der Regierung im Gespräch war.
3) 1930 fand bei Willisau ein Flugmeeting statt, an welchem der britische Vize Luftmarschall und Chef der englischen Luftfahrt, Sir Sefton Brancker, teilnahm.

Wie sind Sie auf die Autor/-in gekommen?
Kompliziert gesagt: bei einer Internetrecherche nach Theaterautoren auf Seite 337 oder einfach gesagt durch Zufall!

Der Theaterverein und der Kirchenchor proben bereits seit Herbst 2016 am Stück, die Musikgesellschaft seit März 2017. Weshalb bestehen diese Zeitdifferenzen?
Diese Unterschiede sind primär bedingt durch Umstände und Aufgaben der Vereine. So kann die Volksbühne ihre Proben im ganz normalen Probebetrieb durchführen. Der Chor ist verstärkt durch Gastsänger und muss daneben noch einige Auftritte in der Kirche wahrnehmen, was dazu führte, dass man früh begann, aber nur in grossen Abständen am Projekt geprobt hat. Die Musikgesellschaft hatte im Dezember noch das eigene Jahreskonzert. Um die Fasnacht frei zu halten entschied sie sich, erst im März mit zwei Proben pro Woche zu starten.

Das Probewochenende mit allen drei beteiligten Vereinen fand am 25. und 26. März statt. Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit?
Ich bin sehr positiv gestimmt. Offenbar haben beide Dirigenten die Stücke mit der gleichen Idee angepackt. Entscheidend ist nun die Lautstärke zwischen Chor und Blasmusik in eine gute Balance zu bringen. Die ganze Zusammenarbeit kann eigentlich als Puzzle gesehen werden: Jeder Verein hat eine bestimmte Anzahl von Teilen, die er nach dem vorgegebenen Muster zusammenbauen muss. Als erstes wurden nun die Teile von Chor und MGI zusammengefügt. Dieses grössere Stück wird nun zu jenem der Volksbühne hinzugefügt. Da werden vielleicht einige Stücke mehr zu ergänzen sein. Wichtig ist, dass am Schluss ein in sich stimmiges Gesamtbild entsteht.

Müssen die verschiedenen Vereine beim Zusammenspiel auf etwas Bestimmtes achten?
Ganz wichtig ist das gute und abgestimmte Zusammenspiel zwischen Chor und Musik. Jeder muss aufmerksam sein und genau das befolgen, was der Dirigent bezüglich Tempo, Lautstärke, usw. anzeigt. Diese beiden Teile müssen sich dann nahtlos in das Geschehen auf der Bühne einfügen.

Bestimmt ist es schwierig, aus drei eines zu machen. Wer hat da alle Fäden in der Hand? Viele Köche verderben ja bekanntlicherweise den Brei …
Vorige Antwort zeigte, dass drei Teile zu einem Ganzen zusammengefügt werden, insofern lag und liegt eine grosse Verantwortung bei den Vereinen. Ich konnte als Doppelmitglied gewisse Sachen beeinflussen und koordinieren. Im Gespräch mit der Regie konnten Voraussetzungen geschaffen werden, um den Erfolg dieser ersten Probe sicherzustellen. Es gibt nur eine Art organisatorische Oberleitung, was die «künstlerische Umsetzung» betrifft waren Dirigenten respektive Regisseur frei. Wenn drei ausgewiesene Köche ein Menu kochen und jeder weiss, wofür er zuständig ist, kann es ja nur gut kommen!

Gibt es auch Schattenseiten oder Dinge/Themen, bei denen es Ihnen noch etwas mulmig zumute ist?
Nur schon die Tatsache, dass das Projekt zustande gekommen ist, freut mich. Nun hoffen wir alle, dass es beim Publikum auch gut ankommen wird, was die Freude vergrössern wird. Schattenseiten gab es auch, aber jetzt stehen wir im Licht und das zählt. Alle Mitwirkenden müssen mit höchster Intensität mitleben, als Schauspieler, Sänger oder Musiker, denn nur so können wir das Publikum fesseln und emotional berühren. Das sagte schon der römische Theologe und Philosoph Augustinus: «Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.»

In der nächsten Ausgabe des Rigi Anzeiger ist mehr über den Inhalt von «Rennfieber» zu erfahren.  Interview Linda Schumacher