Rigi Anzeiger
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«Du kleiner Schleimer…»

Schule Root befasst sich mit Chatten und Mobben

Für die Jugendlichen ist klar: Ich habe ein Handy und einen Computer. Nebst vielen Chancen lauern im Umgang mit digitalen Medien auch Gefahren, wie zwielichtige Inhalte, Sucht oder Mobbing. Die Schule Root hat sich der Thematik angenommen.

Im Klassenzimmer der Rooter Sekundarlehrerin Fiona Troxler liegen die Notebooks in Schutzhüllen auf den Pulten bereit. Rasch schliessen die Schülerinnen und Schüler die Laptops an Steckdosen an und starten die Geräte. Heute ist im Unterricht ein Spezialist zu Gast, Beat Küng, Dozent Medienbildung und ICT an der Pädagogischen Hochschule Luzern. «Mobben? – Ich doch nicht!» steht als Unterrichtsthema auf dem Programm. Nach der Angabe der Ziele und der Struktur für die drei Unterrichtslektionen durch den Gastlehrer gehts für die Schülerinnen und Schüler direkt ins Internet. «Mobbing – Cybermobbing – Was ist das?» steht als erste Frage im Mittelpunkt des Unterrichts. Eine kurze Filmsequenz mit dem Titel «Let’s Fight It Together» zeigt Joe als Mobbingopfer, das Mädchen Kim als Täterin, Rob als Freund Joes, Joes Mutter und die Klassenlehrerin. In diesen Bildern kommt bereits die ganze Dramatik eines Mobbings unter Jugendlichen zum Ausdruck. «Ich habe niemanden, mit dem ich reden kann…», äussert sich Joe mit bedrückter Stimme – «Du kleiner Schleimer! Du Lehrerliebling – morgen bist du dran!» erhält Joe als Nachricht auf dem Handy. Im Schulbus lachen ihn die Klassenkameradinnen und -kameraden aus. «Ich ertrage das einfach nicht mehr!» konstatiert Joe. Mit der Mutter und der Lehrerin zusammen ergibt sich eine Lösung.

Ausgabe vom 21.2. «Du kleiner Schleimer…»

Als Auswertungsaufgabe haben die Schülerinnen und Schüler das Rollenverhalten der Personen im Kurzfilm auf einem Blatt zu beschreiben und festzuhalten, wie sie sich verhalten hätten können. Daraus ergeben sich erste klare Erkenntnisse: Bei Mobbing sind die Eltern und Lehrpersonen oder andere Vertrauenspersonen einzuschalten. Allenfalls ist eine Strafanzeige notwendig. Dein Handy ist privat. Gib es nicht in andere Hände. Lösche Mobbing-Nachrichten nicht, denn es sind Beweismittel. Aufgeschaltete Fotos und Texte auf Facebook sind nicht wirklich sicher. Deine Freunde und Freundinnen können Bilder, Videos und Texte kopieren, bearbeiten und verschicken. Deine Texte und Bilder sind noch nach Jahren online zu finden. Zwei Rooter Schüler haben (Cyber-) Mobbing wie folgt in einem Satz definiert: «Mobbing ist eine Form von Gewalt, Cybermobbing ist genau wie Mobbing – nur im Internet.»

Folgen von Mobbing

Nach der Vormittagspause haben sich die Jugendlichen mit einem Eintrag in einem Internetforum der 15-jährigen Daisy auseinanderzusetzen: «Es fing alles an vor einem Jahr, da bekam ich plötzlich fremde SMS und E-Mails, die saublöd waren. ‹Du blöde Kuh› stand da und ‹Pass ja auf – wir kriegen dich›… Irgendwelche Idioten haben in meinem Namen Einträge gemacht, mal finde ich Hitler gut, dann mal wieder hasse ich alle Lehrer, will mit allen Jungs schlafen, die sich melden und undund … klaro, dass mein Name mit Adresse und Telefonnummer dort auftauchten. Bei Netlog gab es eine Hassgruppe mit meinem Namen. Ich habe mich kaum mehr in die Schule getraut, und ich hatte dauernd Bauchschmerzen…»

Die Schülerinnen und Schüler haben sodann die Aufgabe, sich mit der Frage, was die Opfer erleben, zu beschäftigen. Mit drei Farben müssen sie in Daisys Forumseintrag körperliche, seelische und soziale Folgen eines Mobbings ausfindig machen. Nebst Bauchschmerzen, Schlaflosigkeit, Zittern und Übelkeit als körperliche Folgen nennen die Jugendlichen schlechte Laune, Panikattacken, sich wertlos fühlen oder Suizidgedanken als seelische und sich nicht mehr in die Schule getrauen, sich während der Pause im Klo verstecken und die Schulleistungen im Keller als soziale Folgen.

Wie beugt man vor?

Der Medienberater Beat Küng will von den Schülerinnen und Schülern wissen, ob bei ihnen zu Hause Regeln für den Internetgebrauch beständen. Ob die Anzahl Stunden am Computer beschränkt seien. Nur zwei Schüler haben Regeln einzuhalten, die anderen haben offenbar freie Hand. Sodann lesen die Jugendlichen auf einer Website 10 Tipps gegen Cyper-Mobbing: Bleib ruhig! Sperre die, die dich belästigen! Antworte nicht! Rede darüber! Melde Probleme! Unterstütze Opfer! Schütze deine Privatsphäre! Kenne deine Rechte! Vertraue dir!

Gross in Mode ist zurzeit Sexting. Es bezeichnet den Austausch selbst hergestellter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon. «Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst», macht Pro Juventute in einer Aufklärungskampagne darauf aufmerksam, dass der Missbrauch intimer Fotos harte Konsequenzen haben kann – für die Betroffenen wie für die Täter. Als Betroffene oder Betroffener ist die Unterstützung von Vertrauenspersonen zu suchen: Eltern, Lehrperson, Schulische Sozialarbeiterin, Schulleitung und Polizei. Schnelle Hilfe bei Schwierigkeiten finden Jugendliche auch auf der Website www.147.ch und per SMS oder Telefon unter der Nummer 147.

Für die Eltern ist ein Informationsabend «Cybermobbing» am Mittwoch, 12. Februar 2014 durchgeführt worden. Rund 150 Personen haben sich über die Chancen und Risiken digitaler Medien informieren lassen. Im kommenden März erhalten auch die Schülerinnen und Schüler der 5. Primarklassen ein spezielles Unterrichtsangebot unter dem Titel: Chatten? – Aber sicher!

 

Zwei Schüler der Sekundarklasse A1a zur Veranstaltung:

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Enrico (12): «Ich habe schon erwartet, dass es um ein schlimmes Thema geht. Ich habe das Mobben heute von einer ganz anderen Seite erlebt. Ich habe gelernt oder besser gesagt mit Erstaunen festgestellt, dass es beim Mobben auch zu einer Anzeige kommen kann. Bei uns wird fast nie jemand gemobbt. Aber wenn es dazu käme, würde mir das Opfer leidtun. Es kommt drauf an, wer das Opfer ist.»

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Silvan (13): «Ich fand es spannend, von den Risiken zu hören und was man gegen Mobbing tun soll. Interessant war für mich auch, was man unter Cybermobbing versteht. Dass Mobbing zu schlimmen Folgen führt und dass gewisse Jugendliche sich gar nicht mehr in die Schule getrauen. Wenn Mobbing herrscht, wird dies im Klassenrat besprochen und geklärt. Bei schlimmen Fällen wird auch ein Gespräch mit dem Schulleiter gesucht.»