Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Ebikon: Vom Bauernforf zur Industriestadt

Die Geschichte und die Bedeutung von Ebikons Gewerbe

Ebikon, einst eine bäuerliche Siedlung von Einzelhöfen, ist zum Zentrum und Motor im Entwicklungsschwerpunkt Ost in der kantonalen Richtplanung geworden. Die Gemeinde hat eine städtische Bevölkerungszahl und dennoch ein dörfliches Innenleben. Und vor allem: Ebikons Wirtschaft ist geprägt von grosser Industrie, starkem KMU-Gewerbe und innovativen Dienstleistern.

Die Kirche mit Pilatus im frühen 20. Jahrhundert.

Die Kirche mit Pilatus im frühen 20. Jahrhundert.

Der Spatenstich

Schindler setzte in Ebikon einen riesigen Wachstumsprozess in Gang

Die Ansiedlung der Weltfirma Schindler im Jahre 1957 war ein Meilenstein in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung von Ebikon. Schlagartig wurde aus der damals ländlich geprägten Vorortsgemeinde ein begehrter Arbeits- und Wohnort.

Der damalige Schindler-Neubau 1959.

Der damalige Schindler-Neubau 1959.

Da in Luzern keine Betriebserweiterung mehr möglich war, entschlossen sich 1952 die Verantwortlichen der Aufzüge- und Elektromotorenfabrik Schindler, den Firmensitz von der Luzerner Sentimatt nach Ebikon zu verlegen. Zu diesem Zweck kaufte das Unternehmen an optimaler Lage rund 200’000 Quadratmeter Land. Der für die Entwicklung Ebikons entscheidende Spatenstich erfolgte im Juli 1954. Auf einer Fläche von 40’000 Quadratmeter entstand die neue Fabrik, bestehend aus einem Bürolängsbau und dahinterliegendem Produktionswerk sowie einem Personalrestaurant. Dominiert wird die Anlage noch heute vom imposanten 60 Meter hohen Liftprüfturm. Neben dem Turm der katholischen Pfarrkirche wurde er zum zweiten Wahrzeichen Ebikons. Im Herbst 1957 zog das Unternehmen Schindler mit rund 2000 Mitarbeitenden und 8000 Tonnen Material von der Luzerner Sentimatt auf die grüne Wiese in der Rontalebene. Die gesamten Kosten (Umzug und Neubau) beliefen sich damals auf rund 44 Millionen Franken.
Gewaltigen Bauboom ausgelöst

Die Ansiedlung der Firma Schindler veränderte das Siedlungsbild Ebikons auf dramatische Weise. Das bisher ländliche Dorf wandelte sich innert kürzester Zeit zu einem bedeutenden Arbeitsplatz mit schweizerischer Ausstrahlung. Der weltweit tätige Industriekonzern bewirkte ein massives Bevölkerungswachstum und löste vor allem im Wohnbereich einen gewaltigen Bauboom aus. Zwischen 1960 und 1970 nahm die Bevölkerungszahl Ebikons am stärksten zu: von 4500 auf 7770. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren mit einem moderaten Tempo fort. Trotz seiner heute 13000 Einwohnern ist Ebikon für den Gemeinderat (nicht Stadtrat) noch keine Stadt.

Nicht alles ist Gold, was glänzt

Die rasante Entwicklung seit der Ansiedlung von Schindler hat zwar Ebikon eine gute Beschäftigungslage und willkommene Steuerzahler, aber auch zahlreiche Probleme gebracht. Neben dem Wohnungsbau, der Realisierung von Schulräumen fielen durch das rasante Bevölkerungswachstum weitere beachtliche Infrastrukturaufgaben (Fürsorge, Kehricht, Abwassersanierungen usw.) an, welche die Finanzkraft der Gemeinde zeitweise arg strapazierten.
Das grösste, bis heute immer noch nicht optimal gelöste Problem ist für Ebikon der Durchgangsverkehr auf der vierspurigen Hauptstrasse. Mit dem Buchrain-Tunnel und dem Zubringer Rontal (A14-Anschluss Buchrain mit 891 Meter langem Tunnel) wurde die erhoffte Entlastung (noch) nicht erreicht. Eigentlich nicht überraschend, nimmt doch parallel die Anzahl der Verkehrsteilnehmer permanent zu.

Das Schindler-Gelände heute

Das Schindler-Gelände heute

Gewerbe als starker Faktor

Die vortreffliche Infrastruktur, die ausgezeichnete geografische Lage und die gegenüber der Stadt Luzern günstigen Landpreise lockten im Verlaufe der Jahre viele Klein- und Mittelbetriebe sowie Dienstleistungsunternehmen nach Ebikon. Davon profitierte auch der 1934 gegründete und aktuell jubilierende Gewerbeverein Ebikon, welcher heute beachtliche 209 Mitglieder zählt und sich immer wieder für die gewerblichen Anliegen mit Erfolg einsetzt. Auf Initiative der Vereinsverantwortlichen wurden im Laufe der Jahre die ortsplanerischen Voraussetzungen für eine sinnvolle Siedlungspolitik geschaffen. Für die Behörden wiederum bedeutet das breit abgestützte Gewerbe in Ebikon einen wichtigen Wirtschafts- und Sozialfaktor.

Bekenntnis zu Ebikon

Die Firma Schindler bekennt sich zum Standort Ebikon. Ein Beweis dafür sind die beachtlichen Investitionen in der Höhe von gegen 90 Millionen Franken für ein Besucherzentrum, ein Parkhaus und die Modernisierung des Managementgebäudes. Mit dem Verkauf von nicht mehr benötigtem Land – rund 120’000 Quadratmeter – wurden neue Perspektiven frei. Im Gebiet Mittlerfildern realisierte die Lehrerpensionskasse eine grosszügige Wohnüberbauung. Auf einer Fläche von 80’000 Quadratmetern plant die Immobilienfirma Halter mit der «Mall of Switzerland» (ehemals Ebisquare) ein imposantes Einkaufszentrum. Quintessenz: Schindler hat auch heute noch, nach 60 Jahren, spürbaren Einfluss auf die weitere Entwicklung Ebikons. von Ruedi Schumacher

Ruedi Schumacher, 79 ist einer der besten Kenner der Gemeinde Ebikon und des Rontals. In Ebikon geboren und aufgewachsen, engagierte er sich unter anderem auch im Gewerbeverein Ebikon und Umgebung. Von 1987 bis 2000 war er Chefredaktor der vom Gewerbeverein gegründeten Lokalzeitung Rontaler.

Ruedi Schumacher, 79
ist einer der besten Kenner der Gemeinde Ebikon und des Rontals. In Ebikon geboren und aufgewachsen, engagierte er sich unter anderem auch im Gewerbeverein Ebikon und Umgebung. Von 1987 bis 2000 war er Chefredaktor der vom Gewerbeverein gegründeten Lokalzeitung Rontaler.

 

Die «Mall», die Zeichen setzt

Die «Mall of Switzerland» steht vor der Realisierung

Auf Schindler-Land in Ebikon ist für die nächsten Tage erneut ein Spatenstich geplant, der das Gesicht der Gemeinde und der ganzen Region verändern wird.

In einer langen, wechselvollen Geschichte soll jetzt das letzte Kapitel geschrieben werden. Für Mitte Juni ist der Baubeginn für die erste Etappe für das Lifestyle Shoppingcenter «Mall of Switzerland» terminiert. Das teilte die Immobilienfirma Halter AG Ende Mai mit. Sie realisiert in der ersten Etappe als Generalunternehmerin das Einkaufszentrum mit rund 140 Geschäften auf einer Verkaufsfläche von 46’000 Quadratmetern und 1600 Parkplätzen. Damit ist die Mall nach Shoppi&Tivoli in Spreitenbach das zweitgrösste Einkaufszentrum der Schweiz. In den weiteren Etappen sollen Kinos, Wellness- und Spa, Hotel und Wohnungen das Projekt komplettieren. «Die Schweiz erleben» soll dann auf den total rund 80’000 Quadratmeter Schindler-Land von der Vision zur Realität werden. Das Investitionsvolumen der Mall of Switzerland liegt bei total rund 550 Millionen Franken.

Schindlers Hinterlassenschaft

Mit dem Verkauf ihrer Landreserven in Ebikon hat die Schindler AG ihr Engagement im ehemaligen «Ebisquare»-Projekt beendet. Das Landgeschäft spült dem Unternehmen einen ausserordentlichen Gewinn von 75 Millionen Franken in die Kasse. Käufer des Schindler-Landes ist die deutsche Investorenfirma Freo, Geldgeberin eine Tochterfirma des Staatsfonds von Abu Dhabi, den Schindler-Anteil übernimmt die Halter Immobilien AG. Schindler gibt damit den Weg frei für ein Bauvorhaben, wie es das Rontal und die weitere Region noch nicht gesehen haben.

Wechselvolle Geschichte

Die Mall of Switzerland hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie begann vor über zehn Jahren mit der Idee eines «Begegnungszentrums im heutigen Life-Style». 2003 präsentierte Schindler das konkretisierte Projekt, Eröffnung 2006. Das war schon bald nur noch ein frommer Wunsch. Dem Grossprojekt erwuchs Opposition, und erst die Zustimmung der Bürgerschaft zum Bebauungsplan für Ebisquare im Jahr 2005 gab den Weg frei für weitere Konkretisierungen. Nun allerdings erwies sich die Suche nach Investoren schwieriger als erwartet. Mit Halter stieg dann ein Unternehmen ein, das Erfahrung mit Entwicklung und Realisierung von Grossprojekten hat. Halter modifizierte Ebisquare zur Mall of Switzerland. Eine letzte Einsprache gegen dieses abgeänderte Projekt wurde Anfang 2014 abgeschrieben. Mit dem Einstieg des arabischen Grossinvestors als Geldgeber dürfte der Baubeginn nun tatsächlich noch dieses Jahr erfolgen.

Schindler: «Ziel erreicht»

Zum Verkauf der EbiSquare-Beteiligung und der Landreserven teilt die Schindler Management AG mit: «Schindler hat mit der Firma Halter AG das Entwicklungsprojekt Mall of Switzerland (ehemals EbiSquare) erfolgreich zum Abschluss gebracht und verschiedene Landparzellen in Ebikon/Dierikon bei Luzern verkauft. Damit hat Schindler mit dem vor über 10 Jahren gestarteten Projekt das angestrebte Ziel erreicht. Die Schindler Holding AG hat ihre Beteiligung an der Ebisquare AG an Halter verkauft und zudem hat die Schindler Aufzüge AG 81000m2 industriell nicht genutzte Landreserven in Ebikon/Dierikon veräussert. Halter kann nunmehr als Gesamtleister und Totalunternehmer das Freizeit- und Einkaufscenter Mall of Switzerland vor den Toren der Tourismus-Metropole Luzern errichten.»

Facts & Figures
Verkaufs-/Retailfläche: 46’000 m²
Investitionsvolumen Shoppingbereich: 450 Millionen Franken
Arbeitsplätze im Betrieb: zirka 1100
Eröffnung: Herbst 2017

Das UFO kann landen: Am 11. Juni wird der Grundstein für die «Mall of Switzerland» gelegt.

Das UFO kann landen: Am 11. Juni wird der Grundstein für die «Mall of Switzerland» gelegt.

 

Lasst hören aus alter Zeit

Ebikon vom Alemannenhof zur Boomtown

Die Anfänge verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Aber ein Datum lässt sich festmachen: In einer Urkunde vom 7. Mai 893 erkennen die Historiker in der Flurbezeichnung «marcha abinchova» die Frühform des heutigen Ortsnamens. Darin werden die 33 Höfe von Abinchova aus einer königlichen Schenkung an das Frauenkloster in Zürich übertragen. Das damals abgegrenzte Gebiet bestimmt noch über 1100 Jahre später das Gemeindegebiet von Ebikon.
1257 wird erstmals die Kirche in Ebikon erwähnt, kirchenpolitisch gehört Ebikon allerdings noch zu St. Leodegar in Luzern. Seit dem 14. Jahrhundert war Ebikon ein regionaler Walfahrtsort, weil in der Kirche die Grabplatte des legendären Einsiedlers Diobald lag.
1379 übt der Stadtluzerner Schultheiss Peter von Gundoldingen als Vogt die Hoheit in Ebikon aus, und 1415 kommt Ebikon formell unter die Herrschaft der Stadt Luzern. Selbständige Gemeinde im heutigen Sinn wird Ebikon am 13. Juni 1819 mit der Wahl des ersten Gemeinderates.
Während des Sonderbundskrieges wird Ebikon 1847 als Teil des sonderbündischen Kantons Luzern von den Bundestruppen militärisch besetzt. In den Gefechten von Gisikon und Meierskappel unterlagen die Sonderbundstruppen am 23. November 1847 endgültig. Der Sonderbund wurde aufgelöst und der Weg zum schweizerischen Bundesstaat war frei.
Im 19. Jahrhundert war Ebikon ein währschaftes Bauerndorf mit dem zugehörigen Kleingewerbe. 1864 wurde mit dem neuen Strassengesetz die Verbindung Luzern-Ebikon-Root-Gisikon «nach den Kantonen Zug und Aargau» zur Kantonsstrasse erklärt. Mit der Strecke Luzern-Zug wurde Ebikon 1884 ans Eisenbahnnetz angeschlossen. Damit waren die Voraussetzungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung und für den Umbruch vom Bauern- zum Industriedorf geschaffen.

 

«Grosse Vielfalt, guter Mix»

Gemeinderat Herbert Lustenberger über die Bedeutung des Gewerbes

lustenberger herbert_ebikon_cvp2

Herbert Lustenberger

RigiAnzeiger: Welche Bedeutung hat das in Ebikon ansässige Gewerbe (KMU) für das Arbeitsplatzangebot in der Gemeinde, quantitativ und qualitativ?

Herbert Lustenberger: In Ebikon gibt es rund 5000 Arbeitsplätze, mehr als die Hälfte davon in klassischen KMU. Das Arbeitsplatzangebot ist sehr breit, mit einer grossen Branchenvielfalt.

Welchen Stellenwert hat das KMU-Gewerbe für die kommunale Wirtschaft?

Die KMU haben für Ebikon eine sehr grosse Bedeutung, sowohl quantitativ wie qualitativ. Wir haben in der Gemeinde einen guten Mix von sehr grossen Arbeitgebern wie Schindler und mittleren und kleinen KMU. Das hat für die kommunale Wirtschaft eine ausgleichende Wirkung.

Welche Bedeutung hat das KMU-Gewerbe für den Finanzhaushalt der Gemeinde?

Mehr als zehn Prozent des kommunalen Steuerertrags kommen von KMU und Selbständigerwerbenden.

Was kann die Gemeinde, Behörden und Verwaltung tun, um dem KMU-Gewerbe günstige Rahmenbedingungen zu bieten?

Die Verwaltung bietet gute Dienstleistungen an. Bei Beschaffungen berücksichtigen wir bei konkurrenzfähigen Preisen das ansässige Gewerbe. Wichtig ist auch ein gutes, vernünftiges Angebot im öffentlichen und im motorisierten Individualverkehr. Auf der Strasse gibt es natürlich ab und zu Spitzenbelastungen. Wo es viele Arbeitsplätze gibt, entsteht auch viel Verkehr. Bei einem ausgeglichenen Pendlersaldo hat Ebikon rund 4000 Zu- und etwas ebenso viele Wegpendler.

Das Rontal ist als «Luzern Ost» ein Entwicklungsschwerpunkt. Was bedeutet das für die Gemeinde und fürs KMU-Gewerbe für Chancen und Risiken?

Das Rontal liegt auf der Entwicklungsachse Luzern-Zug. Die Folge ist ein zunehmender Druck auf die Landreserven und auf die Immobilienpreise. Im ganzen Rontal herrscht eine starke Bautätigkeit. Das hat auch eine Zuwanderung zur Folge und das wiederum bedeutet unter anderem auch mehr Kunden fürs einheimische Gewerbe.

Was macht Ebikon für Gewerbeansiedlungen und/oder Firmengründungen attraktiv?

Es sind die zentrale Lage in einem Entwicklungsschwerpunkt, die Nachbarschaft zu Luzern, die gute Verkehrsanbindung mit der Nähe zum Autobahnzubringer und die aufgeschlossene Bevölkerung. Ganz wichtig ist für zuziehende Unternehmen, dass sie hier noch qualifizierte und tüchtige Arbeitskräfte finden. Wichtig, aber nicht ausschlaggebend ist sicher auch die steuerliche Belastung, die wir in Ebikon in einem vernünftigen Rahmen halten können.

Kann, will und soll die Gemeinde auf den Branchenmix des Gewerbes Einfluss nehmen?

Da ist der Einfluss der Gemeinde gering. Mit planerischen Massnahmen können wir verkehrintensive Betriebe zum richtigen Standort lenken.Durch die Planung können wir schauen, dass verkehrsintensive Betriebe am richtigen Standort sind.

Gibt es einen institutionalisierten Interessen- und/oder Gedankenaustausch zwischen politischer Behörde und KMU-Gewerbe?

Gemeinderat und Gewerbeverein treffen sich jährlich zum Gespräch. Daneben gibt es natürlich situative Zusammenkünfte aus aktuellem Anlass.

 

das Netzwerk für KMU

Gewerbeverein Ebikon und Umgebung – 80 Jahre junge Plattform

Gewerbler und KMU-Chefs sind keine Vereinsmeier. Sie wägen Kosten und Nutzen einer Mitgliedschaft ab. Beim Gewerbeverein Ebikon und Umgebung kommen sie offenbar zu einer positive Bilanz.

Fast wie ein Zentrum: Vater und Sohn Steffen betrieben eine Tuchhandlung und einen Coiffeurladen.

Fast wie ein Zentrum: Vater und Sohn Steffen betrieben eine Tuchhandlung und einen Coiffeurladen.

Als der Gewerbeverein Ebikon und Umgebung im März 1934 gegründet wurde, war die Weltwirtschaftskrise noch nicht überwunden. Die Depression prägte Geschehen und Gefühl in Wirtschaft und Gesellschaft. Arbeitslosigkeit (100000 in der Schweiz), Absatzschwierigkeiten, Teuerung, Verschuldung bedrängten den gewerblichen Mittelstand und den «kleinen Mann» gleichermassen. In diesem Umfeld besannen sich 29 Gewerbetreibende auf eine zeitlose Stärke von Gewerbetreibenden und mittelständischen Unternehmern – gemeinsam ist man stark. Sie gründeten den Gewerbeverein Ebikon und Umgebung, «um im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben von Dorf und Region entscheidende Aufgaben zu erfüllen – vorab um gemeinsam die grosse Krise zu überwinden».

80 Jahre später ist das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Umfeld ein völlig anderes. Die Herausforderungen für Gewerbe und KMU sind geblieben. Heute droht dem gewerblichen und unternehmerischen Mittelstand nicht mehr der die blanke Not, sondern die Strangulierung durch Vorschriftenflut und ruinösen Preiskampf im globalisierten Wettbewerb. Verändert haben sich damit auch Aufgaben und Arbeit eines lokal-regionalen Gewerbevereins. Heute setzte sich der Gewerbeverein Ebikon und Umgebung ein «für gute Rahmenbedingungen für die Tätigkeit von Industrie, Gewerbe und Handel sowie die Förderung des Einkaufs- und Arbeitsplatzes Ebikon». Auf kantonaler und nationaler Ebene weiss sich ein lokaler Gewerbeverein heute gut vertreten durch die professionell arbeitenden Dachorganisationen. Auf lokaler Ebene aber muss sich ein Gewerbeverein heute etwas einfallen lassen, um eine repräsentative Grösse und damit Gewicht in Gemeinde und Region zu bekommen.
Für Beat Knapp, seit 2005 Präsident des Gewerbevereins Ebikon und Umgebung ist «etwas vom Wichtigsten: wir stellen eine Netzwerk-Plattform für unsere Mitglieder zur Verfügung». Das sind Anlässe wie der «Mittagstreff», der drei bis vier Mal im Jahr ein aktuelles politisches Thema aufgreift oder einem Mitglied die Gelegenheit bietet, sein Unternehmen vorzustellen. Damit ist der Gewerbeverein erfolgreich – er zählt heute über 200 Mitglieder, und, was Beat Knapp besonders freut, zunehmend auch Doppelmitgliedschaften, also Gewerbetreibende, die in Ebikon andocken, weil sie «das gute Verhältnis, das gute Ambiente und das gute Klima» im Ebikoner Gewerbeverein schätzen.
Ein «Wohlfühlverein» ist Gewerbe Ebikon und Umgebung deshalb noch lange nicht. Es gibt immer auch «harte» Themen, die an der institutionalisierten Zusammenkunft von GV-Vorstand und Gemeinderat zur Sprache kommen. Dabei stellt Beat Knapp allerdings ein insgesamt gutes Einvernehmen mit der Gemeindebehörde fest. Grösste Herausforderung für Gewerbe und Gemeinde sei, sagt Beat Knapp, nicht etwa die nun anscheinend bald kommende Mall of Switzerland (früher EbisQuare). Von diesem Grossprojekt am Rand der Gemeinde befürchtet Knapp keine «Entleerung des Dorfkerns». Beeinträchtigt und weiterhin bedroht sei das Zentrum von Ebikon und damit auch die dort ansässigen Gewerbetreibenden und Detaillisten viel mehr von der K17, der «Autobahn durchs Dorf». Für diese Strasse eine fürs Dorf und damit auch fürs Gewerbe bessere Lösung zu finden ist gemäss Beat Knapp ein gemeinsames Anliegen von Gewerbeverein und Gemeinderat. Das «Modell Horw» mit einer verkehrsberuhigten Zone im Dorfkern gefällt ihm. Aber Knapp weiss auch: «In Ebikon ist Situation komplizierter, weil sich keine Umfahrung für den Durchgangsverkehr anbietet.»

Einkaufen im Dorf: Mit der Ladengasse erhielt Ebikon schon früh ein Einkaufszentrum.

Einkaufen im Dorf: Mit der Ladengasse erhielt Ebikon schon früh ein Einkaufszentrum.

Lehrstellenprojekt: Gewerbe hilft Jungen

Auf einem «Lehrstellenparcours» können Jugendliche zu ihrem Wunschberuf finden.
Mit einem ambitionierten Projekt will der Gewerbeverein Ebikon Jugendlichen Einblick in gewerbliche Lehrberufe ermöglichen. Das soll ihnen bei der Berufswahl helfen und den Betrieben helfen, die akute Lehrstellenprobleme zu lösen. Am 18. September organisiert Gewerbe Ebikon zusammen mit den Schulen mit Oberstufenklassen den Lehrstellenparcours. Das ermöglicht es Jugendlichen, sich auf die Berufswahl vorzubereiten. Mit dem Lehrstellenparcours ermöglichen Gewerbe Ebikon und die teilnehmenden Betriebe den Jugendlichen den Einblick in Lehrberufe. «Junge für die Berufsbildung zu gewinnen, ist ganz wichtig für die Zukunft des Gewerbes», sagt Beat Knapp. Auf dem Lehrstellenparcours haben die Schülerinnen und Schüler der 2. Oberstufe die Möglichkeit, verschiedene Berufe an einem Tag kennen zu lernen und direkt miteinander zu vergleichen. Und das, freut sich Beat Knapp als Präsident von Gewerbe Ebikon, ist in ortsansässigen Betrieben möglich. Die neue Stelle «Berufswahl» an der Schule Ebikon sorge für eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Gewerbe.

Beat Knapp und Hanns Fuchs Beat Knapp ist Präsident des Gewerbevereins Ebikon und Umgebung, Hanns Fuchs hat als freier Mitarbeiter des Rigi Anzeiger das Thema «Gewerbe Ebikon» redaktionell betreut, gestaltet wurde sie von Tiemo Wydler.

Beat Knapp und Hanns Fuchs
Beat Knapp ist Präsident des Gewerbevereins Ebikon und Umgebung, Hanns Fuchs hat als freier Mitarbeiter des Rigi Anzeiger das Thema «Gewerbe Ebikon» redaktionell betreut, gestaltet wurde sie von Tiemo Wydler.

 

Meilensteine

In 50 Jahren wandelte sich Ebikon vom Bauerndorft zur Vorstadt

Ebikon ist eine typische Agglomerationsgemeinde. Aber «Stadt» will sie (noch) nicht sein. Die Ebikoner legen Wert auf Eigenständigkeit.

In den 1940er Jahren erreichte die Einwohnerzahl die 3000er Marke. Eine Wohnbaugenossenschaft, die heutige Wohnbau Ebikon AG, setzte die ersten baulichen Akzente im Gebiet Hofmatt. Gut ein Viertel aller Arbeitsplätze in Ebikon waren im «ersten Sektor», der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei angesiedelt. Das änderte sich ab den Fünfzigerjahren radikal. 1965 waren die land- und forstwirtschaftlichen Arbeitsplätze auf unter fünf Prozent gesunken, jene in Gewerbe, Industrie und Handwerk auf über drei Viertel. Die neu-sten Zahlen (2008) zeigen erneut ein völlig anderes Bild: Von den 436 Arbeitsstätten sind noch fünf Prozent im ersten Sektor, knapp 21 Prozent im zweiten (Gewerbe, Industrie und Handwerk) und fast 75 Prozent im dritten Sektor (Dienstleistung und Verwaltung).

Das Restaurant Bahnhof mit Kirche und Pilatus.

Das Restaurant Bahnhof mit Kirche und Pilatus.

Einkaufszentren

Das war auch die Folge von Firmen-Ansiedlungen. Schon 1948 kam mit der Migros ein grosses Dienstleistungsunternehmen nach Ebikon. Der Grosshändler baute in Ebikon sein Lagerhaus für die Zentralschweiz. 1972 eröffnete Migros in Ebikon das erste Do-it-yourself-Zentrum der Zentralschweiz mit einer Verkaufsfläche von 2500 Quadratmeter. Daraus entstand 1997 das Einkaufszentrum MParc mit einer Verkaufsfläche von 10000 Quadratmetern. Um dem Detailhandel Entwicklungsmöglichkeiten im Dorfkern zu schaffen, entstand schon Ende der 1970er Jahre mit der «Ladengasse» das erste Einkaufszentrum im Rontal. 2011 wurde die erneuerte Ladengasse eröffnet. Für das Gewerbe war die Bereitstellung von Gewerbeflächen im Gebiet Neuhalte ein Markstein.

Verkehrsprobleme

Ab den 1960er Jahren konzentrierten sich die Überbauungen genossenschaftlicher und privater Bauträger auf den Talboden und dort beidseits der Kantonsstrasse. Damit gewann Ebikon den Charakter eines modernen Strassendorfes. Verstärkt wurde das durch die Ansiedlung von Autogaragen und Tankstellen entlang der Kantonsstrasse K17. Die Serie von Lichtsignalanlagen trug Ebikon den Spottnamen «Amplikon» ein. Für Ebikon wurde die Kantonsstrasse zunehmend zur Hypothek. Mitte der 80er Jahre wurden in Ebikon fast 24000 Autos täglich auf der Kantonsstrasse gezählt. Die Hoffnungen auf eine Entlastung durch die Eröffnung der Autobahn N14 1986 erfüllten sich nicht, und auch die Eröffnung des Rontalzubringers 2011 brachte Ebikon nur eine geringe Entlastung des Dorfkerns vom Durchgangsverkehr. Noch immer werden fast 20000 Fahrzeuge pro Tag gezählt. In der Bevölkerungsbefragung des Gemeinderates von 2013 wurde mit grossem Abstand die aktuelle Verkehrssituation als grösstes Problem der Gemeinde genannt.

Bauprojekte

Das rasante Bevölkerungswachstum macht Ebikon statistisch zur Stadt: Am 8. März 1987 begrüsste der Gemeinderat die 10000. Einwohnerin. Es fordert die Gemeinde als Bauherrin für eine zeitgemässe Infrastruktur. 1975 wurde mit dem Haus Känzeli das erste moderne Altersheim im Rontal gebaut. 1994 folgte das regionale Alters- und Pflegeheim Höchweid. Auch Schulraum musste die Gemeinde ständig neu zur Verfügung stellen. 1952 wurde das Schulhaus Zentral eingeweiht, 1976 das Oberstufenschulhaus Wydenmatt gebaut und 1988 erweitert. 1993, im Jahr der Ebikoner 1100-Jahr-Feier, wurde das Feldmatt-Schulhaus eröffnet. Auch die Gemeindebehörden wuchsen – 2003 bezog die Gemeindeverwaltung das neue Gemeindehaus.

Eigenständigkeit

Politisch verlor Ebikon seinen dörflichen Charakter mit der Abschaffung der Gemeindeversammlung zugunsten von Urnenabstimmungen (2007). Die Einführung eines Gemeindeparlamentes (Einwohnerrat) wurde an der Urne mehrmals abgelehnt. Auch auf Eigenständigkeit legt man in Ebikon Wert. Das Fusionsprojekt «Starke Stadtregion Luzern» versenkten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 27. November 2011 mit klaren 70 Prozent Nein-Stimmen. Für den Gemeinderat war damit klar, dass der Weg der kommunalen Eigenständigkeit mit punktuellen Zusammenarbeitsprojekten vorab im Rontal weitergegangen wird.

Die Metzgerei Furrer.

Die Metzgerei Furrer.