Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Egozone

Die erste Liebe vergisst man nicht und den Premieren-Liebeskummer schon gar nicht. Bei mir hiess der Verursacher Franzli. Er hatte grosse Ohren und Fransen, die derart kurz geschnitten waren, dass sie kaum über den Haaransatz reichten.

Kolly_kleinIch fands hinreissend. Dass Franzli seine Schuhe nicht binden konnte, störte mich nicht im Geringsten. Niemand ist schliesslich perfekt. Wenn am Morgen die Kindergartenfröili (durften wir damals noch so bezeichnen) Vereinigung im Halbkreis forderte und Franzli mit seinem Stuhl um einen Platz neben meinem kämpfte, war ich hin und weg. Das war doch ein Zeichen grösster Liebe, auch wenn Franzli mit mir nicht Händchen halten wollte. Ich plante damals dennoch eine gemeinsame Wohnung, so wie in der Puppenstube, mit hübschen Möbeln und Dekoblumen, die nie verwelken. Wahrscheinlich hätte mit Franzli ohnehin nie welche geschenkt.
Irgendwann ist meine Familie in eine andere Gemeinde gezogen, mein Held blieb zurück, was mein Herz schwer belastete. Bis sich Päuli auf das Stühlchen neben mich setzte. Welch Augen. Und einen Kopf grösser als Franzli war er auch noch. Meine Eltern hatten mit dem Umzug doch Recht gehabt. Hier war das Leben viel schöner. Zumindest bis Päuli seinen Stuhl neben eine andere stellte und dieser im Basteln immer die kniffligen Details abnahm. Ausgerechnet die….
Und schon schlich sich wieder dieses Gefühl in mein Herz, dass mir im Leben noch oft als Liebeskummer über den Weg laufen sollte. Jüngst in Begleitung meines weiblichen Nachwuchses, urplötzlich auftauchend, an einem harmlosen Sonntag. Ausgerüstet mit Koffer, Laptop und Handy am Ohr steht der personifizierte Liebeskummer an der Haustüre, nimmt flugs das alte Zimmer in Beschlag, das nun eigentlich mein Büro ist. Nur als Notlösung, wird mir aufgelöst versichert, und umgehend liegen Kleider und Schuhe wild verstreut in der Gegend rum, dazwischen Joghurtbecher, Nagellack, halbleere Pet-Flaschen, Wattepats und Mutters Flipflops. Gewisse Dinge ändern sich eben nie. Aber ich will wenigstens meinen Schreibtisch für mich. Eine «Egozone», wie die Tochter genervt kommentiert.
Ihr Liebeskummer war gottseidank nur von kurzer Dauer. Linda Kolly