Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Eigenes Verschwinden inszeniert

Weggis: Mit seinem spurlosen Verschwinden nach einer nächtlichen Bootsfahrt wollte der frustrierte Ex-Polizist Peter S. seine Mitmenschen und ehemaligen Berufskollegen rätselratend auf dieser Welt zurücklassen.

Freitag, 15 Oktober 2010, nach 17 Uhr: Die bunten Lichter der Lozärner Määs hellen beim Luzerner Inseli den trüben Herbst-abend auf. Unweit sitzt ein Mann in einem flachen Motorboot und fährt einsam in die hereinbrechende Nacht hinaus. Ein letztes Mal. Es ist der 53jährige Luzerner Peter S. Das Boot hat er bei seinem Bekannten, dem Bootswerft-Mitbesitzer Max Schmid in Luzern, geliehen. Es ist ein neueres, geräumiges Arbeitsboot, das als unsinkbar gilt. Er müsse einen bestellten Sabotageakt gegen die am Bürgenstock stationierte Schweizer Marine (Swiss Navy) simulieren, hatte Peter S. dem Werftbesitzer erklärt. Arglos hat dieser Peter S. geholfen, einen halbleeren, aber auffallend schweren Seesack ins Boot zu bringen. «Peter S. war ein gut vernetzter Wassersport-Spezialist, die Schweizer Marine gibt es und solche Übungen sind vorstellbar», berichtet Schmid später. Im schweren Seesack hat er Tauchutensilien vermutet. Denn Peter S. war ein ausgewiesener Wassersportler, Rettungsschwimmer und Taucher. Auch im Einsatz für die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SLRG).

Einige Zeit hatte er als Luzerner Polizeibeamter gearbeitet und als solcher bei der Sondergruppe «Luchs», die bei schwierigen und gefährlichen Einsätzen aufgeboten wird. Mit seiner Privatpiloten-Lizenz hatte er sich als ehrenamtlicher Schlepppilot auf dem Flugplatz Beromünster betätigt.

Peter S. musste seinen Dienst bei der Luzerner Polizei quittieren. Unter anderem wegen Diebstahls von Treibstoff. Er zog darauf frustriert ins Wallis, wo er sich ebenfalls als Polizeibeamter versuchte. Er scheiterte, verstand sich offenbar nicht mit der örtlichen Bevölkerung. Zurück in Luzern scheiterte seine Ehe mit einer Berufskollegin, mit der er zwei Kinder hatte.

Der als engagiert, umsichtig und gewissenhaft, aber menschlich problematisch beschriebene Peter S., erholte sich nie mehr von seinen körperlichen und seelischen Wunden. Er hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, wurde als Brandstifter in der eigenen Wohnung in Kriens aktenkundig und lebte zunehmend in seiner eigenen Welt. Selbst zu seiner neuen Lebenspartnerin im Kanton Obwalden, bei der er wohnte, fand er keinen seelischen Zugang. Er verliess sie ohne besonderen Abschiedsgruss. Dabei hatte er zum Zeitpunkt seines Weggangs schon alles für sein perfekt inszeniertes Verschwinden vorbereitet. Bei einem Rudersportklub, bei dem er als Sicherheitschef amtierte, entwendete er sechs 200-Liter Fässer mit Schraubverschlüssen und fuhr sie mit einem gemieteten Kleintransporter zur abgelegenen Kiesdeponie Rörli an der Nordseite der Halbinsel Hertenstein. Dort gibt es eine private Einwasserungsstelle.

Hier an dieser abgelegenen Einwasserungsstelle eines Kiestransportunternehmens in Greppen LU, hat Peter S. das mit Faessern schwimmfaehig gemachte Auto ins Wasser gebracht.

Hier an dieser abgelegenen Einwasserungsstelle eines Kiestransportunternehmens in Greppen LU, hat Peter S. das mit Faessern schwimmfaehig gemachte Auto ins Wasser gebracht.

Falsche Fährte gelegt
Ungeklärt ist der Verlauf der letzten Seefahrt von Peter S.. Sie führte wahrscheinlich von Luzern zur Schiffanlegestelle Kehrsiten am Bürgenstock. Dort wurde an einem der nächsten Tage seine Tasche mit Ausweispapieren und zwei Natels gefunden, weil eines der Natels klingelte.

Wann Peter S. am Hauptschauplatz seines Unterfangens – im Rörli – anlegte, lässt sich nicht rekonstruieren. Niemand beobachtet den Mann, der mit Hilfe von Leitern, Spanngurten und Drahtseilen, die gestohlenen Fässer auf seinem vorgängig dort abgestellten Subaru befestigt. Als Peter S. den geleasten Wagen mit demontierten Nummernschildern ins Wasser rollen lässt, halten ihn die Fässer dicht unter der Wasseroberfläche. Peter S. steigt ins Werftboot und bindet es mit Gurten an das Fahrzeug. Dann fährt er ohne Beleuchtung mit dem Auto im Schlepptau los. Über der tiefsten Stelle des Küssnachterbeckens und 1,4 km vom sorgfältig von allen Spuren gereinigten Wasserungsort entfernt, öffnet er die Schraubverschlüsse der Fässer. Gurgelnd dringt das kalte Seewasser ein, während Peter S. versucht, sich an das sinkende Gespann zu binden.

«Dabei muss ihm ein Fehler passiert sein», mutmasst Bootsbesitzer Schmid. Für ihn und andere aus dem Bekanntenkreis von Peter S. schien schnell klar: Der trutzige Ex-Polizist Peter S. hat sein spurloses Verschwinden mitsamt einem Auto und einem Schiff mit der ihm eigenen Raffinesse selbst inszeniert. Das passte besser zu ihm, als der Verdacht, Opfer eines Verbrechens geworden zu sein oder sich ins Ausland abgesetzt zu haben. Sogar das Gerücht mit den auf dem Auto befestigten Fässern machte frühzeitig die Runde.

Leiche nach einem Monat aufgetaucht
Vorerst aber blieb Peter S. wie vom Erdboden verschluckt. Am 12. November, knapp einen Monat nach seinem Verschwinden, trieb seine voll bekleidete Leiche vor dem nördlichen Zipfel der Halbinsel Hertenstein. Die Autopsie ergab: «Tod durch Ertrinken» und «keine erkennbaren Spuren von Fesselung». Offenbar hatte sich die Leiche nach einiger Zeit vom Gespann gelöst und war dann durch Gasbildung zur Wasseroberfläche aufgestiegen. Der Fundort der Leiche passte zu den Skizzen, die Peter S. zu Hause liegen gelassen hatte. Auf ihnen war die Montage der Fässer auf dem Auto skizziert und der Einwasserungsort «Rörli» erwähnt. Nur – ob es sich bei diesen Skizzen um einer weitere falsche Fährte handelt, konnte die Polizei nicht einschätzen. Und selbst wenn es als glaubwürdiger Hinweis gewertet worden wäre: Wo im 6,5 km langen und bis zu 2 km breiten Seebecken hätte man suchen wollen?

Für die zufällige Aufklärung des mysteriösen Falles sorgte jetzt ein Berufstaucher, der mit seinem Sonargerät den Seegrund nach Fundstücken aller Arten abzusuchen pflegt und dabei das Auto und das Werftboot fand. Am vergangenen Samstag wurden die beiden aus einer Tiefe von mehr als 70 Metern geborgen. Und für die Polizei ist damit ein vier Jahre altes Rätsel gelöst. Mit einer einzigen noch offenen Frage mangels Augenzeugen: War es Suizid oder ein Unfall während suizidalen Vorbereitungen?
Text und Bilder Niklaus Wächter

Das Such-, Bergungs- und Tauchboot Kontiki der Luzerner Tauchsportgruppe Poseidon birgt das vor vier Jahren mitsamt einem Werftboot mitten im Kuessnachter Becken des Vierwaldstaettersees versenkte Auto des Selbstmoerdesr Peter S..

Das Such-, Bergungs- und Tauchboot Kontiki der Luzerner Tauchsportgruppe Poseidon birgt das vor vier Jahren mitsamt einem Werftboot mitten im Kuessnachter Becken des Vierwaldstaettersees versenkte Auto des Selbstmoerdesr Peter S..

 

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