Rigi Anzeiger
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Ein Stück Rio am Meggenhorn

Das Wahrzeichen von Rio sieht jenem von Meggen zum Verwechseln ähnlich

Alle spähen zurzeit nach Rio mit seiner weltberühmten Christus-Statue. Dabei steht in Meggen selbst eine solche. Mit einer ebenso schönen Geschichte.

Eine Vorbeifahrt bei der Christus-Statue beim Meggenhorn gehört zur jeder touristischen Seerundfahrt.

Eine Vorbeifahrt bei der Christus-Statue beim Meggenhorn gehört zur jeder touristischen Seerundfahrt.

Sie zählt neben dem Richard-Wagner-Museum, neben der Skyline von Luzern, dem Schloss Meggenhorn und dem Alpenpanorama zu den attraktivsten Fotosujets einer touristischen Rundfahrt auf dem Vierwaldstättersee: Die Christus-Statue beim Meggenhorn. Auf einem Felsvorsprung steht sie in der gleichen Haltung und ähnlicher Gewandung wie das weltberühmte Cristo Redentor –Monument, 710 Meter über der Weltstadt Rio. Hunderte Touristen auf den Ausflugsschiffen bestaunen jeden Tag die Statue unterhalb des Schlosses Meggenhorn, fotografieren die Heiligengestalt und lauschen den weit über den See hallenden Erläuterungen der Reiseführer in ihrer Sprache. Und nicht nur sie, sondern auch den anblickgewohnten Einheimischen drängt sich zu allererst die Frage auf: Hat sich hier etwa ein enthusiastischer Rio-Besucher ein eigenes Andenken an die zweitgrösste Stadt Brasiliens errichten lassen?

Chaos in Rio

Umgekehrt wäre eher möglich. Denn das 30 Meter hohe und 1145 Tonnen schwere Monument in Rio aus specksteinüberzogenem Stahlbeton und auf einem acht Meter hohen Sockel stehend, fasziniert nämlich «erst» seit dem 12. Oktober 1931 die Besucher aus aller Welt. Das Mischwerk vom Schreibtisch eines brasilianischen Bauingenieurs und aus dem Atelier eines französischen Künstlers und Politikers polnischer Herkunft, hätte eigentlich bereits vor 1925 zum hundertjährigen Bestehen der brasilianischen Unabhängigkeitserklärung eingeweiht werden sollen. Der Bau begann aber erst 1922 und zog sich knapp zehn Jahre hin, bis das monumentale Werk schliesslich dank der Unterstützung der Erzdiözese Rios, des Vatikans und Frankreichs, 1931 doch noch vollendet werden konnte. Dafür war es dann aber während eines halben Jahrhunderts die grösste Christus-Statue der Welt und wurde zum Wahrzeichen von Rio schlechthin.

Aufholjagd anderswo

1981 übertrumpften die Mexikaner die Brasilianer mit einer 33 Meter hohen Statue. Die aber schon 1994 vom 34,2 Meter hohen «Cristo de la Concordia» in Bolivien in den Schatten gestellt wurde. 2010 entschieden die Polen schliesslich mit einer 36 Meter hohen «Christus-König-Statue» in Schwiebus das weltweite Wetteifern um die grösste Christus-Statue vorläufig für sich. Allein die goldene Krone ist drei Meter hoch. Und gekostet hat das umstrittene, 440 Tonnen schwere und auf einem künstlichen Hügel bei einem Einkaufszentrum stehende Bauwerk aus Stahl, Gips und Glasfasern je nach Informationsquelle zwischen einer Million und 3,5 Millionen Spendengelder. 17 der 22 in Wikipedia zu sehenden Christus-Statuen aus aller – katholischen – Welt mit mehr als 20 Metern Höhe, präsentieren sich mit derselben Geste wie jene am Meggenhorn: Mit weit ausgebreiteten Armen.

Zeichen der Dankbarkeit

Wenn man die Geschichten, Hintergründe, Motivationen und Bilder der gigantischen Christus-Statuen betrachtet, kann einem beim Anblick der vergleichweise schlichten, aber ehrlichen 5,5 Meter kleinen Christus-Statue von Meggenhorn warm ums Herz werden.

Besonders, wenn man um die Motivation der Entstehung und den ausführenden Künstler weiss. Die Geschichte beginnt 1886 mit dem Erwerb des Schloss Meggenhorns durch die Comtesse Amélie Celeste Marie Heine-Kohn und ihrem Gatten Armand Heine, einem erfolgreichen Bankier. Die zum katholischen Glauben konvertierte Jüdin – und Architektin – beauftragte gleich nach dem Kauf des Schlosses den Luzerner Architekten Heinrich Viktor von Segesser, eine freistehende Schlosskapelle im neugotischen Stil zu bauen. Mit dem Ende des Jahrhunderts schien auch das Ende der tiefgläubigen Comtesse zu nahen. Doch sie überlebte ihre schwere Erkrankung. Und liess aus Dankbarkeit vom Luzerner Bildhauer Joseph Vetter die Christus Statue erschaffen. Dort, wo der Weg zum See abrupt auf einer Felsnase endet. Die aus jurassischem Kalkstein gehauene gemeisselte Statue wurde 1900 vom Bischof von Basel feierlich eingeweiht. Und ist seither magischer Anziehungspunkt für alle Seefahrer, die in der Nähe vorbeikommen.

Bildhauer Joseph Vetter

Ihr Schöpfer, der aus Entlebuch stammende Bildhauer Joseph Vetter (1860-1936) ein in der Region bekannter und geschätzter Künstler. Er war Bildhauer. Restaurator. Lehrer für Modellieren und Steinbildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Luzern und führte zahlreiche öffentliche Aufträge aus. Zum Beispiel die Gestaltung des Brunnen am Falkenplatz. Oder das fein gearbeitete Steinbild vom Töpfer an der Hertensteinstrasse. Im Gegensatz zum seelenlos anmutenden Antlitz der monströsen Statue von Rio, wirkt der Ausdruck seines Christus vom Meggenhorn menschlich und milde.

jesus