Rigi Anzeiger
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Eine Lehrerin für zwei Generationen

Klassenzusammenkunft auf Michaelskreuz mit Ehrengast Klara Herzog

In Root feierte am Montag dieser Woche Klara Herzog ihr 90. Wiegenfest. Über 1500 Kinder aus Root, Dierikon, Gisikon und Honau haben bei ihr das Einmaleins gepaukt.

Unglaublich, wie «zwäg» sich Klara Herzog mit ihren 3 x 30 Jahren präsentiert! Die 64 Stufen zu ihrer Wohnung im vierten Stock – die sie mehrmals täglich bewältigt – vermögen sie nicht im Geringsten aus dem Schnauf zu bringen. Wanderungen aufs Michaelskreuz oder Ausfahrten mit dem Velo sind Teil ihres bewunderungswürdigen Fitnessprogramms.

Schicksalsschlag wendet sich zum Guten
Klara Herzogs Lebensweg als Lehrerin war keineswegs vorgezeichnet. Einer Kleinbauernfamilie mit acht Kindern, deren Ernährer 43-jährig starb, drohte zu dieser Zeit die Aufteilung auf Verwandte oder auf Bauernhöfe. Doch dieses Los blieb der Familie Gott sei Dank erspart. Ein Verwandter – Franz Alfred Herzog, Stiftspropst zu St. Leodegar im Hof – stand den Halbwaisen und ihrer Mutter über Jahre bei und ermöglichte dem Mädchen Klara 1941 den Besuch des Lehrerseminars Baldegg. Als ihr damaliges Lieblingsfach bezeichnet die Jubilarin Mathematik. 1946 begann sie als Aushilfslehrerin in Root, wirkte danach je ein halbes Jahr in Buchrain und in Steinen, bevor sie 1948 offiziell als Lehrerin in Root die 1. Klasse übernahm.

Klassenfoto 1950 ...

Klassenfoto 1950 …

Jugend als Jungbrunnen
50-köpfige Klassen waren damals die Regel. Klara Herzog hatte ihre Kinder gut im Griff. Zupfen an der «Kopfwolle eines schwarzen Schäfchens», sprich am «Zännihoor» (Schläfenhaar), bewirkte jeweils einen abrupten Farbwechsel hin zu Weiss! Ihren Führungsstil könnte man als «streng, aber gerecht» bezeichnen. Geschlagene 41 Jahre war sie als Lehrerin tätig. Wer ihr heute begegnet, wird unschwer feststellen, dass diese Zeitspanne auf sie die Wirkung eines Jungbrunnens hatte, aus dem sie auch heute noch schöpft!
Wiedersehen auf Michaelskreuz
Kurz vor ihrem 90. Geburtstag hielt der Rooter Schuljahrgang 1942/43 seine alljährliche Klassenzusammenkunft ab. Niemand wusste, dass zum Apéro bei der Michaelskreuzkapelle ein spezieller Ehrengast geladen sein würde. Umso grösser war die Freude, die ehemalige Lehrerin wieder zu treffen und sich mit ihr zu einem Remake des Klassenfotos von 1950 aufstellen zu können. Am Rande des Treffens ergab sich die Gelegenheit, mit Klara Herzog ein paar Worte zu wechseln.

... und heute. Links die 90-jährige Lehrerin Klara Herzog.

… und heute. Links die 90-jährige Lehrerin Klara Herzog.

Frau Herzog, auf der Foto von 1950 sind 48 Kinder zu sehen. Wie lange dauerte es jeweils, bis Sie alle beim Namen kannten?
Ich studierte in der Vorbereitung des neuen Schuljahres die Namenslisten. Manchmal waren ja auch Brüder oder Schwestern der Neuen bei mir in der Klasse gewesen und ich kannte die Familien, aus denen sie stammten.

Im Laufe Ihrer langen Tätigkeit wandelte sich auch der Lehrplan. Was war in Ihren Augen die grösste Umstellung?
Das war Anfang der 1970er-Jahre die Einführung des so genannten Neuen Rechnens (Mengenlehre). Das brauchte viel Erklärungsarbeit, nicht nur bei den Kindern, sondern auch an den Eltern-abenden.

Ist es Ihnen oft passiert, dass Sie an einem solchen Elternabend ehemalige Schüler/innen trafen, die nun ihre Kinder begleiteten?
Daran kann ich mich jetzt nicht mehr so genau erinnern. Es wird aber wohl ab und zu der Fall gewesen sein.

1987 beendeten Sie Ihre Tätigkeit als Lehrerin. Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Schülerinnen und Schülern?
Ja, und zwar über alle Altersstufen hinweg. Ich kriege öfters Post oder Telefonate – sogar aus Kanada –, oftmals erkennt man sich auf der Strasse. Oder ich treffe Ehemalige auf dem Kirchenplatz nach dem Sonntagsgottesdienst.

Frau Herzog, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.