Rigi Anzeiger
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Eine Leine – gespannt zwischen Spitzensport und Unternehmerin

Menschen im Gespräch mit Marcela Krinke Susmelj, Profireiterin.

Als erster gefüttert, als erster bereit gemacht und gesattelt von ihr: so fängt der Tag für smeyers Molberg gut an. Als «sehr verwöhntes, liebenswürdiges Schlitzohr und grosse Persönlichkeit» bezeichnet Marcela Krinke Susmelj, internationale Profireiterin ihr 17-jähriges dänisches Warmblut-Rassepferd. Mit dem sie schon in der ganzen Welt auf Dressur-Turnieren unterwegs war und ist. Auch 2016 als Einzelsportlerin an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Nachdem sie 2012 London wegen «einem Punkt» verpasste. Die Reitstallbesitzerin hat aus Brasilien nicht nur unvergessliche Eindrücke mitgenommen, sie liebäugelt mit einer nächsten Teilnahme 2020 in Japan. Bis dahin heisst es bei internationalen Turnieren Punkte zu sammeln. Denn nur so bekommt die ambitionierte Dressurreiterin das Ticket an die Olympischen Spiele. «Denn leider fehlt der Schweiz seit Jahren eine Dressurreiter-Equipe».

Mit Nachfolger von «Molle» nach Tokyo
Nicht mehr dabei wäre dann ihr jetziger «Lebenspartner Molle», wie sie ihr Pferd liebevoll nennt. Das bedeutet mit einem neuen Pferd darauf hin zu arbeiten. Diesbezüglich ist Marcela Krinke zuversichtlich: «‹Molle› war und ist ein schwieriges Tier». Schon als Fohlen sei er in der Herde stets in die falsche Richtung gerannt und niemand habe ihn reiten wollen. Sie selber habe aber eigentlich dasselbe Problem – nicht mit reiten – aber mit der Orientierung, gibt sich lachend zu. «Ich staune immer noch über mich, wie ich es schaffe auf dem Parcours alle Figuren richtig auszuführen!».

So werde sie es auch mit dem Nachfolger des zähen smeyers Molberg sicher schaffen. Und auch dank der langjährigen grosszügigen Unterstützung von Sponsorin Irene Meyer, inzwischen auch Mäzenin.

Die 53-jährige Spitzenreiterin hat es ja schon oft im Leben geschafft. Mit der dreijährigen Marcela flüchteten ihre Eltern vor 50 Jahren anlässlich des Prager Frühlings in die Schweiz. Und bauten sich als gut ausgebildete Akademiker – er Veterinär, später Professor, und sie Ingenieurin – eine neue Existenz auf. Auch Tochter Marcela sollte in ihre Fussstapfen treten. Deren Tierliebe – «der Auslöser waren die Winnetou-Filme» – wies aber in eine andere Richtung. Nach Hamster, Meersäuli, Häsli und Katze war die 8-Jährige bald auf dem Ponyhof anzutreffen. «Mir eine Bereiterlehre zu bewilligen, das lehnten meine Eltern kategorisch ab – das sei kein richtiger Beruf».

Marcela Krinke Susmelj mit ihrem «Lebenspartner Molle», dem 17-Jährigen «smeyers Molberg». Bild und Text Marlis Jungo

Marcela Krinke Susmelj mit ihrem «Lebenspartner Molle», dem 17-Jährigen «smeyers Molberg». Bild und Text Marlis Jungo

Sägemehl und Hörsaal – parallel
Der Teenager fügte sich scheinbar, schloss Gymnasium und Studium ‹nebenberuflich› erfolgreich ab. «In dieser Zeit bin ich hauptsächlich geritten, war regelmässig im Reitstall anzutreffen.» Es wurde dann aus der Pferdenärrin eine Veterinärin und mit über 30 Jahren machte sie zusätzlich den Facharzt. Ihren Reitlehrer Ivan Susmelj heiratete sie als sie im Kanton Uri eine eigene Praxis für Tiermedizin führte.

Sohn Igor (1992) und Tochter Natascha (1997) teilen zwar die Liebe zu Pferden mit ihrer Mutter. Sie sind ja damit aufgewachsen. Igor habe Talent als Reiter, aber mit der Auszeichnung «kleines Hufeisen» sei bei ihm Schluss gewesen. An der ETH befasst er sich aktuell mit seiner Masterarbeit. Schwester Natascha reitet zwar – momentan steht aber die Wahl des Studiums im Fokus.

Ideale Lage am Rotsee
Vor 20 Jahren bot sich dem Ehepaar Krinke Susmelj die Gelegenheit den Reitstall am Rotsee zu erwerben. Noch immer definiert als Stadtreitschule, wurde die Anlage vor 50 Jahren hart am Rande des Naturschutzgebietes gebaut um den Luzerner Stadtkindern in der Nähe das Reiten zu ermöglichen. «Die Lage ist nach wie vor ideal, die Kinder können dank der guten ÖV-Verbindungen alleine zur Reitstunde anreisen», begrüsst Marcela Krinke den damaligen Entscheid. Einzig Ausbau und/oder Umbau der Anlage seien halt wegen der Lage mit Auflagen verbunden oder sogar unmöglich – trotz gutem Einvernehmen mit dem Naturschutz.

Aktuell sind 33 der 40 Boxen für Pensionspferde belegt. Etwa 50 Kinder lernen bei Lucia Moghini und Nina Zwicky reiten. Die beiden jungen Frauen verfügen über ein überdurchschnittliches Einfühlungsvermögen im Umgang mit Kindern und Pferden. Sobald die Kleinsten mit ihren Füssen die Steigbügel erreichen, werden sie auf dem Pferderücken an der Longe in der mit Tribünenplätzen bestückten Reithalle herumgeführt. Die Kinder helfen auch bei der aufwändigen Stallarbeit mit.

Als weiteres Einkommen bezeichnet Marcela Krinke die Klassenstunden für Erwachsene. Sie finden vorwiegend abends statt. «Viele, die in der Jugend geritten haben, kommen in späteren Jahren wieder zurück», sagt die Reitstall-Besitzerin. Als Schulpferde werden viele Rassen eingesetzt: von Hannoveranern über Andalusier zu Westfalen bis zu diversen Pony-Arten. «Hengste werden grundsätzlich kastriert – wir können keine Unruhe bei den Stuten brauchen», sagt die pflichtbewusste Tierärztin. Auch eine drei Jahre dauernde Ausbildung zum Beruf Pferdefachfrau/-mann EFZ Fachrichtung Pferdepflege oder Pferdefachfrau/-mann EFZ Fachrichtung klassisches Reiten bietet das Reiterzentrum am Rotsee an. Vorkenntnisse sind allerdings vorausgesetzt für eine erfolgreiche Bewerbung.