Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Eine Reise mit Happy End

«Ich wiege 500 kg und mein Körper ist aus Bronze. Während fast 40 Jahren rief ich die Gläubigen ins Höfliquartier zum Gottesdienst. Jetzt warte ich im Götzental auf meinen nächsten Einsatz.»

In der Giesserei Rüetschi AG erblickte ich anno 1976 das Licht der Welt. Die Glockengiesser hatten Tage und Monate auf meine Geburt hingearbeitet. Erst mauerten sie aus Lehmsteinen und verschiedenen Lehmschichten den Kern, der meinem Inneren entspricht. Darauf folgte die falsche Glocke, die genau so ausgesehen hat wie ich jetzt. Diese hat aus Lehm und Talg bestanden, die Verzierung wurde aus Wachs aufgesetzt. Dann schmierten die Glockenspezialisten erst feinen, dann immer gröberen Lehm auf diese falsche Glocke. So konnte sich die Verzierung im Mantel abdrücken. Als alles gut ausgetrocknet war, wurde der Mantel abgehoben und die falsche Glocke zerschlagen.

Die Geburt
In den Hohlraum zwischen Kern und Mantel floss dann die Glockenspeise. Eine Bronze, bestehend aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn in einer Temperatur von zirka 1100 Grad Celsius. Hei, wie das zischte und rauchte! Da wurde mir auch richtig warm, ja heiss ums Herz. Nun wartete ich sehnlichst darauf, aus dem Lehmkorsett befreit zu werden. Gut lernte ich dabei Geduld, denn die würde dann in meinem späteren Leben sehr gefragt sein. Tage später – ich war schon richtig cool – wurde ich aus der Grube befreit. Ein Ding, das sich Stimmgabel nennt, entlockte mir den ersten Ton. Ich konnte am Gesicht des Glockengiessers ablesen, dass er mit dem Resultat grundsätzlich zufrieden war. Ich bin ein Klanggenie mit etwa 50 Klangfarben. Und weil diese nicht ganz harmonisch klangen, haben sei ein wenig an meinem Inneren herumgeschliffen. Das kitzelte und machte auch viel Lärm.

Erste Reise
Was für eine Aufgabe würde mich erwarten? Wohin geht die Reise? Ein mitgehörtes Gespräch gab Aufschluss. Alois Zimmermann aus Ebikon hatte mich 1977 für den Glockenturm im Kirchenzentrum Höfli in Ebikon gespendet. Bald darauf durfte ich der Ebikoner Bevölkerung die kirchlichen Feiertage und spezielle Anlässe wie Taufen oder Hochzeiten ankündigen. Während fast 40 Jahren, bei Hitze und Kälte, bei Sturm, Schnee und Regen habe ich diese Aufgabe gerne wahrgenommen.

Bange Monate
Es war 2014: Eveline Doswald, die Tochter des Spenders, erzählte einer Nachbarin ganz erstaunt, dass die Glocke im neuen Kirchenzentrum keinen Platz mehr finden werde. Ich sei zu gross, ein Glockenspiel soll meinen Platz, im neu erstellten Kirchturm einnehmen. Es plagten mich über Monate Existenzängste. Ab und zu schnappte ich wieder ein paar Wortfetzen auf. Zum einen war vom Aufstellen im Umfeld der Kirche die Rede. Zum anderen ich dürfe in der reformierten Teilkirchgemeinde Buchrain weiterläuten. Aber beide Vorschläge zerschlugen sich wie seinerzeit die falsche Glocke. Die Nachkommen des Glockenspenders waren irritiert. Nach langen bangen Monaten fasste Eveline Dos­wald einen Entschluss und nahm mich vorerst zu sich nach Hause.

Neue Bleibe im Götzental
Aber was soll eine Glocke, die nicht mehr läuten darf? Und wieder standen zwei Optionen zur Wahl: Einschmelzen zum Bronzepreis oder einen neuen «Arbeitgeber» suchen. Stumm ergab ich mich in mein Schicksal, stellte mir vor, im glühenden Schlund des Schmelzofens neu geboren zu werden. Oder im Glockendepot der Giesserei monate- oder jahrelang darauf zu warten bis jemand die Glocke mit der Aufschrift «Heiliger Aloisius schütze die Kinder» kaufen würde. (Was es mit diesem Heiligen auf sich hat, das ist eine andere Geschichte.) Aber es kam anders: Peter Hunkeler, Bauer im Götzental, kam zu Ohren, dass ich zum Schmelzpreis zu haben wäre. Er hat etwas Spezielles mit mir vor. Ich soll den Menschen dort und auch weiter unten im Tal in Dierikon einen unschätzbaren Dienst leisten. Aber davon werde ich später berichten! Vorerst: Ende gut, alles gut – mit dem Kauferlös haben sich die sieben Zimmermann-Geschwis­ter im Restaurant Bahnhöfli in Ebikon einen gemütlichen Familienabend geleistet.»  Text & Bild Marlis Jungo

Eveline Doswald freut sich, dass die von ihrem Vater seinerzeit fürs Höflizentrum gestiftete Glocke im Götzental eine neue Heimat gefunden hat.

Eveline Doswald freut sich, dass die von ihrem Vater seinerzeit fürs Höflizentrum gestiftete Glocke im Götzental eine neue Heimat gefunden hat.

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