Rigi Anzeiger
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Eine Zentralschweizerin hilft den Erdbebenopfern in Nepal

Region: Genau vor 40 Jahren flog der damalige Swissair-Pilot Kurt Bürki zum wiederholten Mal nach Kalkutta. Das Elend der Kinder, das er dort antraf, liess ihn zusammen mit seiner Frau Edeltraut eine Stiftung gründen. Deren Geschäftsführerin ist heute die in Baar aufgewachsene Judith Schuler. Sie hat uns viel über die anhaltende Armut aber auch über erfreuliche Erfolgserlebnisse erzählt.

Nepalesische Mutter mit ihren Kindern vor ihrer Notunterkunft. Sie werden von der Stiftung Usthi betreut.  Bild zVg.

Nepalesische Mutter mit ihren Kindern vor ihrer Notunterkunft. Sie werden von der Stiftung Usthi betreut. Bild zVg.

pd. Sie sagt: «Es gibt unzählige Hilfswerke, die einen guten Zweck verfolgen. Unsere «Stiftung Usthi» hat sich ganz im Geiste des Gründerpaares von Anfang an nur einem Ziel gewidmet: Wir geben Kindern eine Chance, dass sie zur Schule gehen und später einen Beruf erlernen können; und dies in den ärmsten Regionen der Welt, in Indien und Nepal.»

Eine Strassenküche war der Anfang
Mit einer Strassenküche in Kalkutta fingen die Bürkis an, die Kinder anständig zu verpflegen. Inspiriert durch den «Club of Rome» und die aufkeimenden Nachhaltigkeits- und Umwelt-Diskussionen war ihnen bewusst, dass Bildung und Ausbildung das einzige Rezept sein können, um den vielen chancenlosen Kindern eine Zukunft zu ermöglichen, und dass jeder Mensch einen Teil dazu beitragen kann. Das Schulzentrum Usthi – das der Stiftung den Namen gab – war ihr erstes Projekt in diese Richtung. Das Projekt entwickelte sich prächtig und war so erfolgreich, dass es vor zehn Jahren in die Selbständigkeit entlassen werden konnte.

Selbständigkeit als Ziel
«Es tönt gut, wenn jemand von Hilfe zur Selbsthilfe redet», sagt Schuler, «aber das alleine genügt nicht. Ein nachhaltiger Weg ist Bildung und Ausbildung, nicht nur der Kinder, sondern auch des Lehrpersonals. Und dann braucht es noch Schulen, Schulmaterial und effiziente Lehrmethoden.» Dass dieses System langfristig funktioniert beweist die Tatsache, dass heute Lehrpersonal unterrichtet, das vor Jahren selbst an einer Usthi-Schule unterrichtet wurde. In einem anderen Projekt stammen die Schuluniformen, welche die Kinder mit Stolz tragen, von Schneidereien, wo Frauen arbeiten, die die Ausbildung im Usthi-Berufsbildungszentrum absolvierten. Seit über 30 Jahren unterstützt Usthi ein Urwaldspital, das letztes Jahr durch eine Maternité ergänzt wurde und dadurch nun von staatlichen Geldern profitieren kann.» Usthi trägt zurzeit die Verantwortung für 13 Projekte mit rund 400 lokalen Angestellten. Über 2200 Kinder und Jugendliche erhalten eine Schul- oder Berufsbildung und etwa 50 Waisen oder Halbwaisen ein liebevolles Zuhause. Zudem kümmert sich Usthi um die medizinische Versorgung von 133 Dörfern der Urwaldregion Somagiri sowie ein Wiederaufbauprojekt in Nepal.

In Nepal das Erdbeben erlebt
Seit sieben Jahren ist die Usthi-Stiftung auch in Nepal tätig. Am 25. April 2015 wurde die ganze Welt von der Nachricht des heftigen Erdbebens in Nepal aufgeschreckt, das fast 9’000 Todesopfer forderte und rund drei Millionen Menschen innert Minuten zu Obdachlosen machte. Obschon die Gefahr von Nachbeben bestand, reiste Judith Schuler unverzüglich ins Katastrophengebiet, um die Hilfe vor Ort zu organisieren. Rund 300 kleinere Beben folgten und dann am 12. Mai das zweitstärkste Beben des Jahres. Schuler erinnert sich: «Wir Angehörigen von den verschiedenen Partnerorganisationen sassen in einem Raum für eine Koordinationssitzung zusammen, als es los ging. 25 Sekunden, die sich wie Minuten anfühlten, wurde alles durchgeschüttelt. Einiges was in der Nachbarschaft noch stand, fiel zusammen. Aber das Schlimmste war das Grollen unter der Erde, einfach infernalisch. Wir alle vor Ort nahmen unsere Arbeit sofort wieder auf. Sie wird sich noch über Jahre dahinziehen.» Und zum Schluss sagt Judith Schuler: «Wenn ich nicht vom Sinn meiner Arbeit überzeugt wäre, hätte ich wohl einen leichteren Job gewählt.»
Informationen über die Stiftung Usthi: www.usthi.ch