Rigi Anzeiger
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Einen Plan mit Begeisterung durchziehen

Immensee: Benno Planzer zieht ein positives Fazit seiner ersten 100 Tage im Amt als Rektor des Gymnasiums Immensee. Er spüre viel Freude und Leidenschaft.

Benno Planzer, Rektor des Gymnasium Immensee. Bild Michael Brühlmeier

Benno Planzer, Rektor des Gymnasium Immensee. Bild Michael Brühlmeier

Herr Planzer, seit Anfang März dieses Jahres sind Sie Rektor des Gymi Immensee. Welches war Ihre erste Amtshandlung?
Benno Planzer: Etwas vom ersten war, dass ich in meinem Büro, das zugleich auch ein Besprechungszimmer ist, einen Kaffeeautomaten installierte.

Warum das?
Meine Rektoratskolleginnen und –Kollegen sind im ganzen Schulhaus verteilt, was den informellen Austausch schwierig macht. Nun treffen wir uns wenn immer möglich um neun Uhr bei mir im Büro zu einem kurzen Kaffeegespräch. Das erleichtert das Tagesgeschäft und entlastet die Rektoratssitzungen. Diese Begegnungen tun auch uns als Crew enorm gut.

Wie wurden Sie aufgenommen im Leitungsteam und im Lehrkörper?
Das war eine ganz tolle Erfahrung. Sofort war ich Teil eines Teams, das sich gegenseitig stützt und zusammenhält.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Da war zum Beispiel die Situation, dass einige Tage vor Ende der Frühlingsferien eine Lehrperson ausfiel – und mit ihr ein beinahe 100 Prozent-Pensum in einem Fach, wo man nicht so schnell eine Ersatzperson findet. Ich bekam enorm viel spontane und praktische Unterstützung aus dem Lehrteam, um diese sehr schwierige Situation zu bewältigen. Alle halfen mit, den Unterricht in den betroffenen Klassen in den ersten Tagen nach den Ferien sicherzustellen. Dank guten Kontakten zu pensionierten Lehrerkollegen gelang es uns schliesslich, gemeinsam eine gute Übergangslösung zu finden.

Vorher waren Sie Prorektor am staatlichen Gymnasium Willisau, jetzt sind Sie Rektor des privaten Gymnasiums Immensee. Wo sehen Sie Unterschiede?
Vielleicht ist es gerade dieser fast schon familiäre Zusammenhalt, der einen Unterschied ausmacht. Auch die Schülerinnen und Schüler sind Teil dieser Immenseer Gymigemeinschaft. Aus eigenem Antrieb organisieren sie Veranstaltungen und bringen ihre Ideen ein. Das macht richtig Spass! Ein anderer Unterschied ist aber auch, dass man als privates Gymnasium in besonderem Masse dem Wettbewerb ausgesetzt ist.

Der Entscheid der Schwyzer Regierung, die Beiträge an die privaten Mittelschulen zu senken, hat die Konkurrenzsituation nochmals verschärft. Gibt es direkte Konsequenzen für Schülerinnen und Schüler des Gymi Immensee oder deren Eltern – zum Beispiel in Form steigender Schulgelder?
Nein, für Eltern und Schülerschaft des Gymi Immensee sehe ich keine Änderungen. Das Gymi Immensee steht auf soliden Füssen. Unser Ziel ist es, die finanziellen Einbussen mittelfristig durch eine Erhöhung der Schülerzahl wett zu machen. Das gelingt, wenn wir uns mit klaren, gelebten Mehrwerten positionieren. Mit unseren Angeboten, aber auch mit unserer Schulkultur und unserem landesweit einzigartigen Qualitätsmanagement haben wir da schon viel in der Hand.

Woher nehmen Sie die Sicherheit, dass die Schaffung von Mehrwerten genügt?
Aus meiner bisherigen Praxis als Prorektor des Untergymnasiums Willisau. Dort entwickelten wir im Lehrteam ein überzeugendes Programm zur ganzheitlichen Begleitung der Schülerinnen und Schüler. Überzeugend war es deshalb, weil die Schüler und Eltern eine klare Wirkung spürten. Dadurch entstand eine Sogwirkung – die Eltern wollten ihre Kinder zu uns schicken. Deshalb konnten wir entgegen den demografischen Trends die Schülerzahlen halten.

Welche Werte sind Ihnen als Rektor des Gymi Immensee wichtig?
Es sind glücklicherweise dieselben Werte, die schon seit Jahrzehnten am Gymi Immensee kultiviert werden: Gemeinschaft, Eigeninitiative, aber auch Leistungsfreude. Es geht mir also nicht darum, neue Werte einzuführen. Ich sehe meine Aufgabe vielmehr darin, die bestehenden Werte weiterzuentwickeln.

Wo genau sehen Sie Entwicklungspotenzial?
Im Gymi Immensee wird die sportliche, musische und künstlerische Seite sehr gepflegt. Das soll auch so bleiben. Wichtig ist jedoch auch, dass die Leistungsbereitschaft in den Kernfächern top ist. Denn unser Hauptauftrag ist es nach wie vor, Maturandinnen und Maturanden mit einer exzellenten Studierfähigkeit heranzubilden. In diesem Spannungsfeld zwischen Ausleben von Kreativität und der Stoffvermittlung stehen alle Gymnasien.

Wie wollen Sie kreative Freiheit und schulische Struktur besser zueinanderbringen?
Das Gymi Immensee pflegt seit einiger Zeit sehr innovative Lernformen wir den Epochenunterricht, Langlektionen und das selbstorganisierte Lernen (SOL). Da geht es jetzt um die Feinarbeit. Das heisst zum Beispiel, dass die Schülerinnen und Schüler Instrumente anwenden lernen, um ihre Arbeit noch besser selbstständig zu planen und ein persönliches Lernprojekt zielgerichtet und mit Freude durchzuziehen. Da kommt mir auch meine Erfahrung als begeisterter Orientierungsläufer zu Gute.

Inwiefern?
Bevor man losrennt, ist es wichtig, sich zu einigen, wohin man rennen soll. Denn nicht immer ist der kürzeste Weg der schnellste. Wenn man sich dann aber mal einen Plan gefasst hat, dann soll man ihn mit aller Kraft, Begeisterung und Überzeugung durchziehen. Ich spüre, dass dieser Spirit im Lehrteam und in der Schülerschaft gut ankommt und bin überzeugt, dass wir so das Gymi Immensee erfolgreich in die Zukunft führen werden. Interview David Coulin