Rigi Anzeiger

Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 36 185, mit 40 000 Leserinnen und Lesern, und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Er hält stets die Augen offen

Menschen im Gespräch, mit Peter Stutzer, Obstbauer, Christbaumzüchter und Schafhalter.

Obstbauer Peter Stutzer auf der Schindelweid strahlt: Die Ernte sieht 2018 viel versprechend auf. Bild Marlis Jungo

Obstbauer Peter Stutzer auf der Schindelweid strahlt: Die Ernte sieht 2018 viel versprechend auf. Bild Marlis Jungo

Die Schindelweid liegt auf halbem Weg von Küssnacht nach Udligenswil auf einem der vielen Hügel, die dort die Landschaft prägen. Hier wurde Peter Stutzer geboren und wuchs zusammen mit sechs Geschwistern auf. «Ein Pferd hätte ich immer gerne gehabt. Ich habe zu meinem Vater gesagt ich würde dann Bauer werden». Er bekam keines und war nicht allzu traurig darüber, denn er möge kein Vieh sondern nur Pferde. Und heute Schafe, aber das habe sich so ergeben.

Hoch hinaus
Der Bauernsohn lernte Bäcker, musste aber den Beruf wegen Rückenproblemen bald darauf aufgeben. Er stieg ins Gastgewerbe ein. Hoch hinaus ging es für ihn im Service im Gletscherdorf Saas Fee. Auf der Längfluh, 2768 m.ü.M. bereitete er die Hochtouren-Bergsteiger um 2 Uhr Frühstück, legte sich kurz ins Bett und «putzte um 7 Uhr das Restaurant bevor die Touristen auf den Berg kamen». Im Dorf selber führte er eine Bar und chauffierte die Gäste mit dem Pferdeschlitten: «So wurde ich dann doch noch wenig ‹Rösseler›».

Zurück in der Heimat ergaben sich zwei weitere exklusive Arbeitsplätze. Im Sommer von 2000 bis 2008 setzte er die Gäste auf die Insel Schwanau im Lauerzersee über und bediente sie anschliessend im dortigen Gasthaus. Die Wintersaison verbrachte er im Zentralschweizer Skigebiet Ibergeregg, im Pistenrestaurant Grossenboden.

Prägende Lebenssituation
Es war im Jahr 2001 als sich der Lebensweg von Peter Stutzer in eine andere Richtung zu bewegen begann. Ein Sturm hatte 1992 einen grossen Teil der Obstbäume auf dem elterlichen Hof entwurzelt. Vater Stutzer wollte keinen Ersatz pflanzen. Was Sohn Peter überhaupt nicht verstehen konnte: «Wir müssen doch wieder Äpfel haben auf dem Hof!» Der Vater verstarb 2001. Peter pflanzte danach zwar Apfel- und Mirabellenbäume auf der Wiese, aber zusätzlich rund um die beiden Gebäude. Warum nicht nur auf dem freien Feld? «Das Land ist verpachtet, zudem würde es bei Hochstammbäumen viel zu lange dauern, bis geerntet werden kann.»

Heute nennt der inzwischen zum Obstbauern gewordene mit 71 Jahren ältester Stutzer auf den 5,5 ha des Bauernhofs an die 100 Bäume sein eigen. Ausser alten Apfelsorten wie Berner Rosen, Glockenäpfel, Sauergrauech und Bohnäpfel auf den Hochstämmern auch neue wie Redlove oder Pinova auf Säulen, Niederstämmern oder Buschbäumen. Wasserbirnen oder die Nashi genannte Japanbirne gedeihen auf der Schindelweid. Damit nicht genug: dicht behangene Bäume mit Zwetschen, Wildpflaumen, Mirabellen und den raren Damassine, einer gefragten Pflaumenart, warten auf die Ernte.

Diversifizierung
Damit nicht genug: Die Reben sollen bald Zuwachs bekommen. In der Christbaum-Kolonie mit Nordmann- und Weiss­tannen dürfen Bäume reserviert werden. «Wir schneiden sie dann frisch am 22. oder 23. Dezember.» Die Pflege zwischen den Reihen und im Obstgarten übernehmen «vierbeinige Rasenmäher» Shrobshire-Schafe: «Sie lassen die Stämme in Ruhe, fressen allenfalls die erreichbaren Blätter und ab und zu ein paar Trauben». An die 20 Lämmer kommen jährlich zum Metzger und selbstverständlich einige davon auf die Markttheke.

Nur Qualitätsprodukte
Alle Obstsorten werden entweder frisch vermarktet, zu Süss-, Gär- oder Glühmost, zu Apfel-Schaumwein verarbeitet oder enden als feine Edelbrände. Seit Mitte August wird einmal Mal pro Woche gemostet, ab September zwei bis drei Mal. Da sind es bis zu 2,5 Tonnen Früchte. Wenn Stutzer nicht gerade am Obstauflesen mit der Maschine unterwegs ist «nur Obst, das am Boden liegt und damit reif ist, wird verwendet» hält er seine Produkte auf Märkten von Bremgarten über Urdorf, Schwyz, Münsingen bis Altdorf feil. Und am Samstag, 15. September, auch am Schlössligass-Markt in Udligenswil. «Das Talent dazu hat mir wohl mein Grossvater vererbt – er war Kälberhändler!», sagt er verschmitzt lachend.
Baumpflege und Mosten hingegen hat er sich an Kursen der Landwirtschaftlichen Schule Pfäffikon angeeignet. Und dort auch «seinen Moster», Pirmin Seeholzer, aus Udligenswil kennengelernt. «Meine Most-Spezialitäten habe ich alle selber entwickelt. Ich teste die Mischung und stimme ab», sagt Stutzer. «Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, dem fehlt es nie an Ideen!» Nebst sortenreinem Apfelmost gibt es ihn gemischt mit Birne, Orange, Quitte, Holunder, Cassis und Kirsche. Und seit neustem mit Aronia-Saft, auch Apfelbeere genannt. Dazu kommt der mit einer schweizerischen Goldmedaille ausgezeichnete Apfel-Schaumwein Holunder, in der Flasche gegärt wie Champagner. «Der ist aber längst ausverkauft – meine Kunden müssen sich gedulden bis anfangs 2019!»  Marlis Jungo

In der nächsten Folge von «Menschen» wird das Wirtepaar Oskar Stettler und Lieseli Reding über ihre Gastgeber-Jahre im «Winkel» in Root erzählen.

Aktuelle Zeitung

Leserbilder Sommer 2018

Leserbilder Sommer 2018

Like uns auf Facebook!

Kolumne

Partner

Partner

Horoskop

Horoskop