Rigi Anzeiger

Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 36 185, mit 40 000 Leserinnen und Lesern, und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Erleben und entdecken mit allen Sinnen

Meggen: Eindrücke eines Besuchs beim Megger Naturkindergarten.

Bei meinem Besuch teilten die beiden Lehrpersonen, Claudia Schluth mit einer Zusatzausbildung in Natur- und Waldpädagogik und Remo Ehrenbolger, Schulleiter Kindergarten bis 2. Primarklasse und in einem Teilpensum an diesem Kindergarten tätig, mit grosser Freude mit, dass das Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern das Konzept für die Führung des Naturkindergartens genehmigt und eine längerfristige Bewilligung erteilt hat. Eine Evaluation des Naturkindergartens durch die Pädagogische Hochschule Luzern hat ergeben, dass diese Form des Kindergartens zu den Quartierkindergärten gleichwertig ist und die Lehrplanziele voll erreicht werden. Der Besuch zeigte, dass die Kinder wie auch die Lehrpersonen ganz mit der Natur verbunden den Kindergartenalltag gestalten. Die Vier- bis Siebenjährigen zeigten sich fröhlich, aufgeweckt, lebhaft, interessiert, bei Kreisgesprächen oder Instruktionen aber auch aufmerksam und diszipliniert. Einige Eindrücke kann die folgende Bildreportage vermitteln. Text und Bilder von Jost Peyer

NaturkindergartenErlebenDSC_2966
Bei meiner Anreise zum Naturkindergarten entdeckte ich weit oben am Waldrand ein weisses Tipizelt – und plötzlich ein paar bunt gekleidete Kinder. Zwei Buben eilten zu mir und empfingen mich freundlich. «Beim WC-Häuschen oben hat es ein Amselnest mit vier Eiern. Da müssen wir alle Rücksicht nehmen, wenn wir auf die Toilette wollen!» berichteten mir die Buben spontan bei der Begrüssung. Das Tipizelt, ausgerüstet mit einer Feuerschale, wird nur bei Kälte zum Aufwärmen benutzt. Alle Aktivitäten spielen sich sonst im Freien ab, ausser natürlich bei einer Sturmwarnung. Da werden Schulräume aufgesucht.

NaturkindergartenErlebenDSC_2970
Kaum hatte ich die Freiluftanlagen des Kindergartens erreicht, nämlich nebst dem Tipizelt für jedes Kind einen Holzrugel als Sitzgelegenheit, eine einfache Garderobe für das Aufhängen der Rucksäcke, einen Bauwagen mit Spiel-, Bastel- und Lernmaterial und einem kleinen Aufenthaltsraum, unter einer grossen Blache eine Koch- und Feuerstelle und diskret im Wald ein WC-Häuschen, empfingen mich die Kinder mit einem Lied. Wenn die Lehrperson Aufträge erteilt oder wenn die Kinder zu rapportieren, erzählen und erklären haben, versammelt man sich im Kreis und hört einander aufmerksam zu. Die sprachlichen und sozialen Kompetenzen der Kinder werden bei diesen Gesprächen gefördert und erweitert.

NaturkindergartenErlebenDSC_2978
Schon bald erhielten die Kinder einen ersten Auftrag für die Zubereitung des Mittagessens. Jeden Dienstag bleiben die Mädchen und Buben im Kindergarten und kochen gemeinsam die Mittagsmahlzeit. Da gibt es natürlich zuerst einiges vorzubereiten. Remo Ehrenbolger holte in einem Kessel bei einer Quelle frisches Wasser, während die Kinder in Gruppen das Gewürz für die Hackfleischbällchen sammelten, nämlich junge Löwenzahnblätter, die obersten Sprossen von Brennnesseln, Gänseblümchenköpfchen und Spitzwegerich. Eifrig machten sich alle erfolgreich auf die Suche. Die gesammelten Beilagen wurden zerhackt und dem Fleisch beigemischt.

NaturkindergartenErlebenDSC_2980
Am Vortag hatten die Kinder mit dem Grundeigentümer zusammen, dem das für den Naturkindergarten zur Verfügung gestellte Land gehört, rund 50 kleine Tännlein in seiner Christbaumkultur gesetzt. Toll. Vier Jungtriebe durften die Kindergärtler am Rande ihrer Spielwiese einpflanzen. Doch aufgepasst! Damit die kleinen Tännlein beim Herumspringen nicht übersehen werden, müssen sie durch einen Ring von Stecken geschützt werden. «Wie alt sind da unsere Tännlein? Erinnert ihr euch noch?» fragte die Kindergartenlehrperson. «Gebt das Alter mit der Anzahl Finger auf eurem Rücken an.» Vier Jahre hiess das Resultat. «Wie kann man die Zahl 4 mit den Fingern zeigen? Gehen auch zwei Hände mit je zwei Fingern? Oder drei Finger und ein Finger?» So wird Mathematik eingebaut, ohne dass die Kinder viel bemerken.

NaturkindergartenErlebenDSC_2998
«Viel Raum nimmt täglich das freie Spiel ein», erklärte Claudia Schluth im Gespräch. «Keine Autos, keine vorgefertigten Bauklötze, keine Puppenstube! Dafür viel Fallholz, Äste, Bäume, Sträucher, Tannzapfen, Waldboden, Schaufeln, Kessel, Seile … Die Natur bietet eine Fülle von ‹Spielsachen› an. Es ist erstaunlich, welche Fantasie die Kinder im freien Spielen und Gestalten entwickeln. Wie sie bei einer Problemstellung nach Lösungen suchen. Wie sie sich gegenseitig helfen und unterstützen. Die Kinder können sich auch zurückziehen oder einander aus dem Weg gehen. Die Räume sind weit.» Kinder errichteten eine Baustelle im Wald und grenzten diesen mit Seilen ab.

NaturkindergartenErlebenDSC_3003
Die Mittagszeit nahte. Remo Ehrenbolger hatte bereits mit ein paar Kindern zusammen ein Feuer entfacht und die Hackfleischbällchen in einer Bratpfanne über die Glut gesetzt. Neugierige Kinder schauten immer mal wieder vorbei, was da in den Pfannen und Kesseln brutzelte und kochte. Für das Schälen und Schneiden von Kartoffeln hatten sich einige Kinder beim Chefkoch gemeldet. Wacker zerkleinerten sie die Kartoffeln und gaben sie in eine Pfanne. Gruppenarbeit. Ohne langen Kommentar. Der Besuch im Naturkindergarten zeigte mir, dass hier Kinder die Natur mit Freude und Neugier erleben, auf vielfältige Art Entdeckungen machen und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse austauschen, sprachlich verarbeiten und bei abwechslungsreichen Aktivitäten ihre fachlichen, sozialen und personalen Kompetenzen erweitern können.

 

Aktuelle Zeitung

Leserbilder Sommer 2018

Leserbilder Sommer 2018

Like uns auf Facebook!

Kolumne

Partner

Partner

Horoskop

Horoskop