Rigi Anzeiger
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Es bleiben viele offene Fragen

Politpodium Abzockerinitiative am Gymnasium Immensee

Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo (SP, LU) und Ständerat Alex Kuprecht (SVP, SZ) zeigten vor rund 100 Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Immensee auf, was die Abzockerinitiative vor allem ist: Ein Lehrstück über den Umgang der Gesellschaft mit Moral.

Natürlich hätte man über das Kleingedruckte der Abzockerinitiative und des indirekten Gegenvorschlags diskutieren können. Zum Beispiel darüber, was genau der Unterschied ist zwischen einer Aktionärsabstimmung zum Entschädigungsreglement (indirekter Gegenvorschlag) und einer jährlichen Genehmigung der Höhe der Vergütungssumme (Initiative). Oder darüber, wie zum Beispiel die Pensionskassen ihre Abstimmungsverpflichtung genau wahrnehmen sollen. Aber das ist – soviel wurde klar – nicht der Punkt. Denn auch nach der Abstimmung gibt es wohl noch zu viele Möglichkeiten, entweder einzelne dieser Details der Initiative bei der Beratung der konkreten Gesetze noch zu verändern oder auch den indirekten Gegenvorschlag zu bekämpfen.

Der Punkt ist – da waren sich sowohl SVP-Mann Kuprecht als auch SP-Frau Birrer-Heimo einig – dass die Aktionäre mehr Verantwortung übernehmen müssen, um an der GV die Entschädigungsstrategie des Managements mitzusteuern. Initiative hin, indirekter Gegenvorschlag her – sie werden keinen einfachen Job haben. Wie soll man zum Beispiel als Aktionärin oder Aktionär den Wert eines Spitzenmanagers für ein Unternehmen einschätzen? Wenn er es schafft, die richtigen Entscheide zu treffen und damit hunderte von Arbeitsstellen zu schaffen, ist das nicht einige Millionen Franken jährlich wert? Und ist es nicht legitim, einem Spitzenmanager, den man bei der Konkurrenz aus einem Fünfjahresvertrag herauslösen muss, eine Lohnvorauszahlung zuzugestehen? Bei seinem Arbeitgeber, der Baloise-Versicherung, hat Alex Kuprecht schon erlebt, auf wie wackeligen Stühlen solche Manager sitzen. Und er hat auch erlebt, dass eine unfreundliche Übernahme nicht zuletzt deshalb verhindert werden konnte, weil nicht – wie die Initiative fordert – alle Verwaltungsräte jährlich miteinander zur Wahl standen. Das ist die eine Seite – die der reichlich unsentimentalen Mechanismen unserer Marktwirtschaft.

Alex Kuprecht und Prisca Birrer-Heimo am Podiumsgespräch.

Alex Kuprecht und Prisca Birrer-Heimo am Podiumsgespräch.

Die andere Seite ist die des allgemeinen Gerechtigkeitsgefühls. Und das wird in der Schweiz noch mehr strapaziert als in den umliegenden Ländern, verdient ein Konzernchef laut Priska Birrer-Heimo hierzulande mit 10 Millionen Franken doch im Durchschnitt 3 Millionen Franken jährlich mehr als in der EU. Es ist Geld, das nicht in die Firma zurückfliesst, das alle mit den Produkten mitbezahlen. Es ist Geld, das von den Spitzenmanagern oft nicht mal anständig versteuert wird. Es ist Geld, das, so Priska Birrer-Heimo, die klugen Köpfe hinter den grossen Chefs mindestens genau so verdienen würden. Kluge Köpfe sitzen auch im Publikum. Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten hören gespannt zu, wie die beiden Politgrössen um finanzielle und ethische Werte ringen. Was sie mitnehmen, ist keine Lösung des Problems. Was sie mitnehmen, ist die Erfahrung einer ehrlichen und respektvollen politischen Auseinandersetzung.