Rigi Anzeiger
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«Es gibt einen spannenden Sommer»

Muotathaler Wetterschmöcker von der Rigi plaudert aus Baumrinde

Seit 2011 ist Kari Hedinger von der Oberfluh an der Rigi ob Küssnacht einer der legendären sechs Muotataler Wetterschmöcker. Seine Winterprognose ist zwar ziemlich in die Älplerhose gegangen. Aber jetzt prophezeit er einen «spannenden Sommer». Details darf er aber erst am Freitag, den 19. April verraten.

Karl Hediger (60) Wetterschmoeckervon der Rigi

Denn dann halten die fidelsten Wetterfrösche der Schweiz ihre Frühjahrsversammlung ab. «Eine Woche zuvor müssen wir unsere Prognose für das Sommerwetter den vier Wetterbeobachter und dem Vereinspräsidenten abgeben. Die stellen anhand ihrer Wetteraufzeichnungen fest, wer im vergangenen Herbst die beste Winterprognose formuliert hat», berichtet der gebürtige Küssnachter Kari Hediger. Seine Prognose ist erst die dritte in seiner Wetterschmöcker-Laufbahn. «Bei der ersten – ebenfalls eine Winterprognose – habe ich am schlechtesten prophezeit. Ich habe meine Kollegen wohl etwas unterschätzt», gesteht er. Bei der nachfolgenden Sommerprognose hat er sich etwas mehr Mühe gegeben und prompt den dritten Rang belegt. Und jetzt ? Schafft er den ersten Rang? Kari – eben erst 60 Jahre jung geworden und damit zu den drei jüngeren der sechs Wetterschmöcker zählend – gibt sich skeptisch. «Der erste Rang ist noch etwas zu früh für einen Neuzugänger». Ein Blick auf seine Prognose gibt seiner Skepsis Recht. Wie drei andere auch, hat der Wetterschmöcker von der Rigi einen frühen Frühling prophezeit. Und muss eingestehen, dass er sich damit klar verschätzt hat. «Ich habe auf Ostern mit dem Frühling gerechnet», sagt er. Und noch zwei schwere Patzer hat er sich geleistet. Die Weihnachtstage hat er als weiss und eiskalt prophezeit. Die Ostertage dagegen als schön und warm. «Also gestimmt hat meine Prognose eigentlich schon. Einfach bloss umgekehrt. Ich habe nur Weihnachten und Osten miteinander verwechselt», kichert er.

Im Sommer auf der Schwyzer Alp
Wie kommt der Bauer vom Rigi Nordhang zur Ehre, Einzug in die Reihen der populärsten Wettervorhersager des Landes zu halten? Die doch eigentlich einmal Muotathaler Wetterpropheten hiessen? Und nach dem Hauptort dieses Tales benannt sind, wo heute kein einziger davon mehr wohnt. Aus der Region muss man sein. Und wer diese als Lebensort verlässt, wie unlängst der «Geissdädi» Benny Wagner von Ober-ägeri, der verliert seinen «Posten» als einer der sechs Wetterschmöcker, den er ansonsten lebenslänglich innehat. Sein Wegzug hatte den Nachzug von Kari Hediger zur Folge. Der damit schon zum zweitenmal angefragt wurde, ob er sich nicht zum illustren Sextett gesellen möchte. «Beim erstenmal habe ich zurück gefragt, ob sie nicht einen Schlaueren finden», lacht Hediger. Sie haben dann einen gefunden. Beim zweitenmal offenbar nicht.

Kari Hediger kennt die Wetterprophetenschon seit vielen Jahren vom Holzen. Zudem sei er jeden Sommer auf Sattel-Hochstuckli auf der Alp, betriebt eine Alpwirtschaft auf 1400 m.ü.M. Seinen Hof an der Rigi auf rund 900 m.ü.M. wird vom Schwiegersohn bewirtschaftet.

Eisiges Schlüsselerlebnis
Karl Hediger ist von jung auf ein autonomer Wetterschmöcker. «Ich erinnere mich an einen Winter, der zuerst so mild war, das die Bäume ausschlugen. Als es im Februar bitterkalt wurde, haben das viele Bäume nicht überlebt. Auch uns Menschen hat diese Kälte im einfachen Bauernhaus arg zugesetzt». Damals war der kleine Kari dreijährig. «Aber ich habe diesen Winter nie mehr vergessen. Vielleicht hat dieses Erlebnis etwas in mir ausgelöst», vermutet er. Als Bauer, Älpler und Holzfäller hat er jedenfalls stets ein Wetterprotokoll geführt. «Ich schreibe jeden Tag das Wetter auf. Es ist spannend, später wieder mal zurück zu blättern um vergleichbare Wetterlagen zu finden. Aber leider wiederholt sich das Wetter nie», berichtet der Wetterschmöcker von der Rigi. Zu seinen legendären Artgenossen hat er stets eine freundschaftliche Beziehung gepflegt. «Ich bin auch schon viele Jahre in ihrem Verein. Das lohnt sich. Gegen den Mitgliederbeitrag von zehn Franken gibt es jährlich zwei Abendessen», freut er sich. Möglich wird dies, weil «nur» um die 700 der heute gegen 4000 Mitglieder die Versammlungen besuchen.

Holz und Schnecken
Bei diesen Gelegenheiten verkünden die sechs Wetterschmöcker mit bodenständigem Humor, wie das Wetter im bevorstehenden Halbjahr werden soll – könnte – müsste …

Jeder bezieht sich auf seine eigenen Quellen und Beobachtungen. Oder gibt das zumindest vor. Kari Hediger beruft sich für seine Winterprognose auf das Verhalten der Schnecken im Herbst. Wenn die sich früh und dick eindeckeln, kommt der Winter bald und wird kalt. Woher er die Details für die einzelnen Monate und das Weihnachts- und das Osterwetter hat – das bleibt wie bei allen anderen Wetterschmöcker Berufsgeheimnis. Für die bevorstehende Sommerprognose hat sich Hediger wie immer im Holz umgesehen. «In der Zeit der kürzesten Tage von Mitte November bis Mitte Januar studiere ich beim Holzen die Beschaffenheit des Bastes zwischen Rinde und Holz und jene des Sägemehls. Immer bei etwa gleich dicken, mindestens hundertjährigen Bäumen», verrät er. Er vergleicht mit früheren Beobachtungen und den damaligen folgenden Wetterentwicklungen. «Ich muss nichts aufschreiben. Ich habe alles im Gedächtnis», versichert er. Die folgenden Monate werden zeigen, wer ihn diesmal im Stich lässt: Sein Gedächtnis, oder das Wetter oder das Wettergedächtnis, oder die Klimaerwärmung.

Deutsche lieben alpine Wetterfrösche
Ist das Amt eines Wetterschmöckers von nationaler Bekanntheit eine Würde oder doch eine Bürde? «Eher eine Bürde», sagt Kari Hediger ohne Umschweife. «Die Medien». Immer wieder kämen Medienvertreter auf Besuch. Sehr oft aus Deutschland. Und die beanspruchen dann eben Zeit. Besonders wenn Videokameras dabei sind. «Die Deutschen sind ganz verrückt auf uns Wetterschmöcker. Besonders, wenn wir Tiere für unsere Prognosen beobachten». Neben seinen Wetterschnecken sorgen die berühmten Ameisen mit den dicken Oberschenkeln von Martin Horat, die Feldmäuse von Martin Holdener und die Steinböcke von Karl Reichmuth für hochdeutsche Schlagzeilen. Und offesnichtlich nicht nur da.

Die Winterprognose von Kari Hediger
November: Die 1. Hälfte ist durchzogen mit Sonne und Regen, es herrschen angenehme Temperaturen. Martini (11.) schön. Der zweite Teil wird recht ungemütlich mit viel Wind, Regen und Schnee, wenige Sonnentage.
Dezember: Anfangs noch ein paar trockene Tage mit Näfel. Danach wird’s bis Ende Monat kühler mit wenig Sonne. An mehreren Tagen starker Schneefall. Weihnachten (25.) alles weiss und gefroren.
Januar: Zuerst herrscht angenehmes Skiwetter mit leichtem Schneefall. An Dreikönigen (6.) hat es Näfel mit «Giächt». Kaspar, Melk und Balz müssen aufpassen, dass sie sich nicht verlaufen. Den Rest des Monats wird’s immer kälter mit Schneefall an einigen Tagen.
Februar: Anfangs wird es sehr kalt. Die Menschen die draussen sind, werden nur noch springen und verschiedene Automarken werden bocken. Über die Fasnacht hat es dann etwas Tauwetter mit wenig Niederschlag. Ende ist es wieder kühler mit Bise.
März: Bis Mitte gibt es nochmals grosse Schneemengen. Nachher «chund allerlei Wätter», es wird von Tag zu Tag wärmer. Ostern (31.) schön.
April: Erster Drittel schön und warm, es werden schon die ersten Graswürger (Siloballenpressen) in Betrieb sein. Um Mitte wirds veränderlich und etwas kühler. Der Rest ist angenehm, mehr Sonne als Regen.
Zusammenfassung: Es gibt einen kalten Winter mit viel Schnee. Der Frühling wird eher früh kommen.