Rigi Anzeiger
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Evolution statt Revolution

Meggen: Organisiert von der Luzerner Konferenz für Erwachsenenbildung (LKE) fand im Pfarreiheim Meggen unter dem Titel «Lehrplan 21: Notwendige Anpassung oder grosse Reform» eine Podiumsdiskussion statt.

jp. Der Präsident der LKE, der Dachorganisation der im Kanton Luzern tätigen Institutionen der beruflichen und allgemeinen Erwachsenenbildung, der Megger Reto Frank begrüsste am 27. November 2014 zur Lehrplan 21-Diskussion. Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, ging im Einführungsreferat auf bildungspolitische Aspekte ein, zeigte den Aufbau des Lehrplans und skizzierte die geplante Umsetzung im Kanton Luzern. Mit dem Lehrplan 21 hätten die Bildungsdirektoren der deutschsprachigen Schweiz (D-EDK) den Harmonisierungsauftrag der Bundesverfassung und die nationalen Bildungsziele umgesetzt, einen gemeinsamen Referenzrahmen für die Lehrmittelentwicklung geschaffen und Mobilitätshindernisse reduziert. Die Umsetzung im Kanton Luzern sei in die kantonale Schulentwicklung, in das Projekt «Schule mit Zukunft» eingebettet und dürfte die Lehrpersonen vor keine grossen Probleme stellen. Nach dieser klaren Darstellung der Ausgangslage traten zur Auflockerung die Akteure des Improphil Theaters auf die Bühne. Zwei Spassvögel griffen unter Einbezug des Publikums Begriffe aus dem Lehrplan 21 auf. Eine wohltuende Abwechslung.
Zur Podiumsdiskussion konnte Moderator Reto Frank Annamaria Bürkli, Präsidentin Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband, Sylvia Nadig, Dozentin für Fachdidaktik Englisch an der PH Zug, Andrea Zeiger, Abteilungsleiterin Weiterbildung Volksschule an der PH Luzern, Alain Pichard, Lehrer, Bieler Stadtrat sowie Charles Vincent, Leiter DVS Luzern, begrüssen.
«Ist der nachgebesserte Lehrplan 21 ein guter, handlicher Lehrplan oder einfach nur besser?» wollte Diskussionsleiter Frank von Alain Richard wissen. «Ein Meilenstein ist der Lehrplan 21! Ein Jahrhundertwerk! tönte es aus dem Munde gewisser Bildungsdirektionen. 6 Millionen Franken wurden investiert. Und was Herr Vincent nicht gesagt hat: Der Referenzrahmen für die Kompetenzen stammt von der OECD. Es ist das Ziel, diese Schlüsselkompetenzen umfassend zu messen!», legte Pichard als Kritiker des Lehrplans 21 los. Vincent beruhigend dazu: «Mit dem Lehrplan 21 wird der Auftrag der Bundesverfassung erfüllt. Es findet keine Revolution im Schulbereich statt, sondern eine Evolution. Es mag sein, dass in gewissen Kantonen grössere Veränderungen und Anstrengungen notwendig sind.»
Alain Pichard, der einzige kritische Geist am Diskussionstisch und Mitinitiant des Memorandums «550 gegen 550» erteilte zwar dem überarbeiteten Lehrplan 21 grundsätzlich gute Noten, zog aber den kompetenzorientierten Unterricht in Zweifel und verwies auf gescheiterte Erfahrungen in den USA. Er befürchtet eine flächendeckende Testerei des Outputs. Die andern Podiumsteilnehmenden konnten aber aufzeigen, dass nur die Grundkompetenzen in Form einer Stichprobe gemessen würden. Die Resultate seien nur für die Schweiz repräsentativ, keinesfalls für Kantone, Gemeinden oder gar Schulen.
Kontrovers wurde auch die Frage nach der Anzahl Fremdsprachen an der Primarschule diskutiert. Während die Didaktikerinnen der Pädagogischen Hochschulen und Charles Vincent für die Evaluation des bisherigen Modells und für die Umsetzung der daraus abzuleitenden Verbesserungen plädierten, beklagten Annamaria Bürkli und Alain Pichard als Lehrpersonen die mangelnden Gelingensbedingungen an den Schulen. Die grosse Heterogenität in den Klassen. Die zu kleine Stundendotation für die einzelnen Fremdsprachen. Keine Möglichkeit für Halbklassenunterricht. Kurzum mangelnde Ressourcen. Eine befriedigende Lösung brachte auch diese Diskussion nicht.