Rigi Anzeiger
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Facebook & Co – Games und Süchte

Megger Eltern sind interessiert am Tun ihrer Sprösslinge

Als abwechslungsreich entpuppte sich das diesjährige Jugendforum der Jugendanimation und Jugendkommission der Gemeinde Meggen zum Thema «Genuss- und Suchtmittel» im Alltag. Dabei erwies sich der Einblick in Socialmedia wie Facebook als lehrreich. Bei weitem bergen nicht alle Games Suchtpotential in sich und Meggen kennt keine Alkoholbesäufnisse Jugendlicher.

Prävention wird im Leitbild der Gemeinde Meggen gross geschrieben. «Uns ist es wichtig, in diesem Bereich auch etwas für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher zu machen», äusserte eingangs Gemeinderätin Jacqueline Kopp, die der Jugendkommission vorsteht. Mit Herbert Willimann von der Akzent-Fachstelle für Prävention und Suchttherapie Luzern, gewann das Forum zugleich einen Vater zweier Söhne im Jugendalter. «Es ist erstmals in der Menschheit, dass es eine Kulturtechnik gibt, die wir den Kindern nicht weitergeben können. Wir müssen uns herantasten», meinte er eingangs zum Thema «Facebook & Co.» und fuhr fort: «Man muss wissen, dass Einsteigen einfacher ist als Aussteigen.» Die Einführung in dieses Social-Medium überliess er dem 16jährigen Michael Sigrist. Dieser riet, keine Freundschaften einzugehen mit Personen, die man nicht kennt. Alsbald war die Brücke gespannt zur elterlichen Medienerziehung. Dazu folgte Willimann’s Rat: «Die Kinder begleiten und nicht verbieten.» In der nachfolgenden Diskussion zum Thema Internet stellte sich heraus, dass sogenannte Kindersicherungen nicht hundertprozentig sind. «Wichtig ist, wenn einem das Kind sagt, dass es auf eine Pornoseite gestossen ist», meinte Herbert Willimann. Eine Mutter erinnerte sich: «Früher, haben wir beim Papiersammeln Bravo-Heftli entdeckt und durchgeblättert. Heute ist der Markt ganz anders.»

Weitere Tipps
Was ist Chatten? Zu dieser Frage stellte Michael Sigrist den offenen und deutlich weniger sicheren sowie geschlossenen Chat mit mehr Sicherheit vor. Belästigungen – so Willimann – könne man mittels Formular unter www.kohik.ch an die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) melden. Zu den Games: Michael Sigrist stellte drei vor, darunter «World of Warcraft», ein nie endendes Spiel, das hohes Suchtpotential in sich birgt. Sportspiele, die annähernd eine halbe Stunde dauern, sind davor eher gefeit. «Wer mehr als 35 Stunden pro Woche spielt, ist suchtgefährdet», äusserte Willimann.

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Herbert Willimann von Akzent-Fachstelle für
Prävention und Suchttherapie Luzern.

 

Nach dem ersten «Rausch» vernünftig
Über fünfzig Prozent der Jugendlichen betrinken sich. Das ging aus einem neunminütigen Dokumentations-Film des Schweizer Fernsehen hervor, der am Forum gezeigt wurde. Auffälligerweise sind es immer mehr Mädchen, die auch harte Sachen konsumieren. Die Äusserung eines Psychiaters: «Für mich heisst das noch lange nicht, dass ein Jugendlicher alkoholsüchtig ist.» Im Film kommt auch ein 15-jähriger zu Wort, der täglich eine Flasche Whisky trank. «Ich wollte eine ‹Scheibe› und alles andere vergessen», sagte er. Seine Mutter bemerkte nie etwas. Das machte etliche Eltern des Forums stutzig. Sie konnten nicht glauben dass eine Mutter nicht wahrnimmt, wenn ihr Kind süchtig ist. «Die grösste Herausforderung ist, das Kind dort abzuholen, wo es ist», meinte eine Teilnehmerin. Herbert Willimann riet den Eltern, wenn sie entdecken, dass ihr Kind süchtig ist, zuerst das Gespräch mit dem Sozialen Beratungszentrum zu suchen. Jan Michael Gerber von der Jugendarbeit räumte weitgehend aus, dass in Meggen Jugendliche Auffälligkeiten beim Alkoholkonsum zeigen. «Während meiner bisherigen dreieinhalb Jahren Tätigkeit hier, waren es zwei oder drei Jugendliche, die nach Hause gebracht werden oder abgeholt werden mussten», meinte er. Alles sei ausserdem nicht kontrollierbar. Herbert Willimann wusste wiederum von Jugendlichen zu erzählen, die nach einem «Rausch» einen vernünftigeren Umgang mit Alkohol haben.

Viel war in diesen drei Forumsstunden verpackt. Jacqueline Kopp setzte das bedeutende Schlusswort: «Wir müssen auch Vertrauen haben in unsere Kinder und Jugendliche.»