Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Familienmenschen brauen das Vitznauer Bier

Menschen im Gespräch – mit Peter Meier, Bierbrauer und Pensionär.

Vater Peter und Sohn Beni Meier, zwei der Gründungsmitglieder der Vitznauer Brauer: «So blitzblank sauber muss die Braupfanne sein». Bild und Text Marlis Jungo

Vater Peter und Sohn Beni Meier, zwei der Gründungsmitglieder der Vitznauer Brauer: «So blitzblank sauber muss die Braupfanne sein». Bild und Text Marlis Jungo

Die Mitgliederliste ist überschaubar. 13 haben den Verein Brauerei Vitznau im Frühjahr letzten Jahres gegründet, drei weitere haben sich im Oktober dazugesellt. Wem die Häufung von gleichlautenden Familiennamen wie Küttel, Meier, Maier, Zihlmann und Zimmermann auffällt, der ist auf der richtigen Spur. Vier Väter mit ihren Söhnen haben sich dem Bierbrauen verpflichtet. So auch Vater Peter (62) und Sohn Beni Meier (40). Aber blenden wir erst einmal an den Ursprung der Vitznauer Brau­geschichte zurück. Als zwischen 1824 und 1884 im Husenboden Hopfen angepflanzt wurde. Um damit das dorfeigene Bier zu brauen.

Start am Ostermontag
133 Jahre später im Januar: Ein Walliser Kleinbrauer wollte grössere Anlagen anschaffen. Er brachte seine «kleinere Brauerei» durch Vermittlung von Gemeindepräsident und Gründungsmitglied Noldi Küttel nach Vitznau. Das fürs Brauen geeignete Lokal fand sich auf Hinweis von Beni Meier in einem leeren Gebäude im Oberdorf neben dem Dorfbach. Es fehlt aber an der nötigen Infrastruktur. Wände mussten gestrichen werden, die Wassserzufuhr, Abwasser und die elektrischen Installationen auf Vordermann gebracht werden. Als Pensionist und ehemaliger Handwerker auf dem Bau war diese Position mit Vater Peter Meier schnell gefunden. Die Kleinbrauerei bestehend aus Sudpfanne, zwei Edelstahltanks und einer Anlage für die Aufbereitung von heissem Wasser war bereits nach zwei Wochen betriebsbereit.

«Am Ostersonntag 2017 kam das ‹Go› für den Ostermontag», sagt Beni Meier. Er verantwortet auch die Rezepte der drei Biersorten. «Der erste Sud ging voll in die Hosen. Wir mussten die 200 Liter als untrinkbar entsorgen.» Woran es gelegen habe, das sei im Nachhinein nicht mehr feststellbar. Es sei möglich, die Temperaturunterschiede hätten eine Rolle ge­spielt, die Gärung sei nicht wunschgemäss abgelaufen. Die Hobby-Brauer holten sich dann fachlichen Rat.

Bier-Tüftler «schrübelte»
Der dritte Versuch gelang – ein Starkbier mit etwa 7 Prozent Alkohol, wurde bis auf den letzten Schluck getrunken, sagte Beni Meier, Bier-Tüftler, aber nicht unbedingt ein Biertrinker. Um den Hefesatz (Reste in der Bierflasche) zu reduzieren und den Alkoholgehalt auf 4,5 Prozent zu senken, «schrübelte» er am Rezept. Zusammen mit dem Jungbrauer Rafi, Sohn von Noldi Küttel, besuchte er einen Hygienekurs. «Es ist das ‹A & O› nebst guten Kenntnissen über das Rohmaterial und der genauen Kontrolle beim Brauen und der Weiterverarbeitung», sagt der mittlerweile schon routinierte Bierhersteller.

Genau und sauber arbeiten
Davon kann auch Vater Peter ein Lied singen. «Ich wurde kurzfristig noch einmal zum Stift. Aber diesmal war mein Sohn Beni der Lehrmeister», gibt er lachend preis. Er habe ihn richtig getrimmt: Sauberkeit, Genauigkeit und Zuverlässigkeit. Das braucht es alles, um ein mundig-trinkbares Bier herzustellen. Wer nicht sauber arbeitet, riskiert unerwünschte Bakterien statt der gewollten, die den Sud in schmackhaftes Gebräu umwandeln sollen. Genauigkeit wird vorausgesetzt, wenn es darum geht die Zutaten – Hopfen, Malz, Hefe und Wasser – bereitzustellen. Aber auch beim Umfüllen in die Lagertanks und später beim Abfüllen zur Flaschengärung. Zuverlässig muss der Braumeister sein, wenn es darum geht den Gär- und Reifeprozess zu begleiten, die Temperatur zu überwachen und die Protokolle darüber zu führen.

Zwischen Brotjob und Hobby
Aber zum Schluss überwiegt die Freude, ein gutes Produkt – oder vielmehr drei gute Produkte geschaffen zu haben: Das auch bei Frauen sehr beliebte Vitznauer Bier, das Sud 54 – nach dem Namen der Hefe genanntes Starkbier – sowie das Vitz­nauer Weizenbier. Spezialbiere stellen die Brauer gerne her. Sei es für Familienfeste, für die Chilbi, die Vitznauer Guggämusig oder demnächst für die Sennenchilbi.

Die Anfragen steigen stetig – das habe auch seinen Preis. Die Zeit für Beruf und Hobby verlangt genaue Planung. Benis Brotjob ist Lastwagenfahren bei einem Weggiser Unternehmen. Zudem vermietet und verkauft er Licht- und Tonanlagen, überwacht Auf- und Abbau und macht zwischendurch den DJ. Nach 22 Jahren bei den Vitznauer Guggämusig Höhläguugger schaut er aus Zeitmangel nur noch zu. Vater Peter als zufriedener Pensionär macht mit bei den Klaustrychlern, freut sich über Skiferien mit Familie und Kollegen in Ischgl und hilft im Vitznauer Weinberg mit. Viel investiert er in den Gemüse- und Blumengarten. «Und meine Frau achtet schon darauf, dass ich nicht zu viel abwesend bin», fügt er mit einem Schmunzeln an.

Auch nach ca. 50 Süden und viel Erfahrung denken die Brauer trotz grossem Zeitaufwand über einen Ausbau nach. Ebenso darüber, ob der Hopfenanbau in Vitznau wie vor 133 Jahren wieder zum Thema werden könnte.

Als nächsten Gast in der Rubrik «Menschen» wird Marcela Krinke Susmelj, internationale Profireiterin und Betriebsleiterin der Reiterzentrums am Rotsee, porträtiert.

 

Aktuelle Zeitung

Leserbilder Sommer 2018

Leserbilder Sommer 2018

Like uns auf Facebook!

Razli

Razli

Kolumne

Partner

Partner

Horoskop

Horoskop