Rigi Anzeiger
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Farbenfrohes Wahlkampfspektakel

Verunsprayter Gemeinderatskandidat nutzt die Gunst der Untat

Unheilige Nacht und Nebel-Aktion in den frühen Morgenstunden von Allerheiligen: Bisher Unbekannte versprayten die Wahlplakate von Gemeinderatskandidat Ruedi Unternährer von der SVP. Und nur die. Jetzt sucht die Polizei nach den Tätern und Ruedi Unternährer nutzt die farbenfrohe Attacke zur Eigenwerbung.

«Als ich gegen ein Uhr morgens nach der SVP Delegiertenversammlung vom Donnerstagabend nach Hause gefahren bin, ist mir noch nichts aufgefallen. Morgens um 8 Uhr kam dann das erste Telefon», erzählt Unternährer. Anfänglich sei er schockiert gewesen über den Umstand, dass alle sechs Grossplakate versprayt und die beiden kleineren Plakate in der Busstation überdies heruntergerissen waren. «Ob diese Aktion gegen meine Person oder gegen die SVP gerichtet ist, lässt sich schwer sagen. Teilweise wurden gezielt mein Name und mein Gesicht versprayt, teilweise aber auch der Schriftzug der Partei», sagt er. Hat der Inhaber einer Schreinerei persönliche Feinde? «Ich wüsste nicht wer. In den 32 Jahren, in denen ich in Adligenswil beruflich tätig war, habe ich nie irgendwelche Auseinandersetzungen gehabt», sagt Ruedi Unternährer, der hier geboren und aufgewachsen ist. Er habe sich in der Vergangenheit zudem in diversen Freizeitclubs engagiert, sei sozial gut integriert. Nachdem seine Kandidatur bekannt geworden sei, sei allerdings ein mit Fotomontage angereicherter anonymer Brief eingegangen, in dem er der Rechthaberei bezichtigt worden sei.

Offenbar hat der angeschmierte Kandidat zahlreiche Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten. «Viele waren entsetzt. Einige haben es mit Humor genommen und mir Mut zugesprochen», schildert er. Auch sein parteiloser Konkurrent Peter Hirschi habe ihn kontaktiert, seine Missbilligung über den Vorfall ausgedrückt und ihm seine Hilfe bei der Schadensbehebung angeboten. Wogegen sich der dritte Mitbewerber um den freien Posten – Oliver Bucheli – in grünliberales Schweigen hüllte.

Die SVP Ortspartei verurteilte in einer Medienmitteilung die «offensichtlich gezielt geplante Aktion» und unterstellte «politisch motivierte Absichten». «Die SVP-Ortspartei Adligenswil ist schockiert über das Ausmass dieser perfiden Aktion, mit welcher Anstand und Respekt in der demokratischen Auseinandersetzung mit Füssen getreten werden», heisst es in der Mitteilung. Aufgrund der zahlreichen Reaktionen aus der Bevölkerung ist die Parteileitung bemüht, die beschädigten Plakate soweit als möglich auszutauschen. Die SVP wolle damit verhindern, dass das Ansehen sowohl der Gemeinde als auch aller Gemeinderats-Kandidaten beeinträchtigt werde. Inzwischen hat die Ortsleitung der Partei Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Allerdings hat Ruedi Unternährer den Grossteil seiner Kandidaturwerbung selbst bezahlt. «Die Druckkosten beliefen sich auf Fr. 690.–. Der Fotograf hat seine Rechnung noch nicht gestellt. Und zwei Männer waren zwei Tage lang mit dem Aufstellen der Plakatständer und mit dem Aufziehen der Plakate beschäftigt», schildert er. Jetzt kommen zusätzliche Kosten. «Jene Plakate, die nur moderat verunstaltet wurden, lassen wir als Mahnmal stehen. Ich lasse nur die stark verunstalteten ersetzen», erklärt Unternährer.

Und: «Wir werden einen Flyer kreieren, auf dem die verunstalteten Plakate zu sehen sind und in dem wir zum Anstand und zum heutigen Demokratieverständnis ein paar kritische Fragen stellen». Um anzufügen: «Ich pflege immer das Beste aus einer Sache zu machen.»

unternährer
Ruedi Unternährer vor einem seiner verunstalteten Grossplakate.

 

››› Siehe auch: die Profile der drei Gemeinderatskandidaten, Rigi Anzeiger vom 1. November