Rigi Anzeiger
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Fasnachts-Psycho um Sujet

Umfrage stützt das Ausstellungs-Sujet der Ebikoner Rotsee-Husaren

Die Luzerner Fasnacht hat noch nicht begonnen. Ausser im Bahnhof Luzern. Dort fehlt jetzt eine Leiche. Und die Rotsee-Husaren von Ebikon sind im Popularitätshoch.

Wie ein Wintergewitter drohen die närrischen Tage am Zeithorizont. Gleichsam fernem Donnergrollen rollen die ersten Vorboten übers Land. Dazu zählt seit 22 Jahren auch die sogenannte «Bahnhof-Guuggete Lozärn». Sie wird heute vom gleichnamigen Verein organisiert und bietet den Guuggenmusiken die Möglichkeit, ihre Kreativität mit einem «Sujet» unter Beweis zu stellen. Im Gegensatz zu den Sujets auf den Fasnachtswagen aber, stehen diese Sujets unter einem gemeinsamen Motto. Und werden dann jeweils nach Neujahr in der Halle des Luzerner Bahnhofes aufgehängt. Dieser feierliche Akt wird von den Akteuren als inoffizieller Start in die Luzerner Vorfasnachtszeit gewertet. Der Erlös aus Mitgliederbeiträgen und Festivitäten rund um die Ausstellung geht an wohltätige Institutionen. In diesem Jahr an den Kinderpflegedienst «Kinderspitex Luzern».

Die Ruhe nach dem Sturm: Seit Montagabend fehlt ein Sujet in der Luzerner Bahnhofshalle.Und keinem fällts auf.

Die Ruhe nach dem Sturm: Seit Montagabend fehlt ein Sujet in der Luzerner Bahnhofshalle.
Und keinem fällts auf.

Die Ruhe vor dem Mediensturm

Das letztjährige Motto lautete «8er-Bahn an der Fasnacht». Für dieses Jahr haben die Organisatoren unter Werner Rast noch eine Dosis Nervenkitzel mehr aufgelegt und als Motto «Tatort Luzerner Fasnacht» ausgegeben. Dieses Motto kann man mehr oder weniger kriminell umsetzen. Die Rotsee-Husaren haben gleich ganze Arbeit gemacht und ihrem Werk die Zutaten ihres Namens beigemengt: Rote Farbe und Wasser. Ihr Sujet wiedergab eine der berühmtesten Szene der Filmgeschichte: Tod einer Frau unter der Dusche durch Messerstiche. Meister- und grauenhaft inszeniert vom Filmgruselkönig Alfred Hitchcock. «Das Sujet wurde von unseren Mitgliedern als Teamarbeit kreiert. Und während rund 120 Arbeitsstunden umgesetzt. Niemand hat sich daran gestossen. Auch im Vorstand nicht», berichtet Husaren-Präsi Mario Köhler. Und offenbar auch niemand von den Organisatoren. Das Sujet habe schon am Mittwochabend in der Bahnhofshalle gehangen. «Es sind uns bis am Montag keinerlei kritische Reaktionen zugetragen worden», berichten sowohl Mario Köhler, als auch Werner Rast.

Die lieferte dann am Montag – zwei Tage nach der festlichen offiziellen Eröffnung der Ausstellung mit Medienpräsenz – ein polemischer Beitrag in der Luzerner Zeitung, in dem von schockierten Passanten mit «Schames- oder Zornesröte» im Gesicht zu lesen war. Viele Passanten sollen sich entsetzt über die «sexistische, gewaltverherrlichende und verstörende» Szenerie geäussert haben. Und dann erst noch platziert beim Ausgang Richtung KKL! Eine besonders scharfäugige Passantin (aus Bern!) zeigte sich entsetzt darüber, dass bei der von einem Duschvorhang umhüllten weiblichen Schaufensterpuppe «sogar der Intimbereich zu sehen war». Bei soviel Sex, Blut und Wut in einem einzigen Beitrag sind die Boulevard-Medien natürlich nicht zu halten: 20 Minuten Online doppelte am Folgetag blutrünstig nach. Dem Blick dagegen war die künstliche Aufregung dann doch zu banal. Doch das mediale Fallbeil war gefallen: Am Montagabend wurde das vielbeschriebene Fasnachtssujet demontiert.

 

Demontiert und entsorgt

«Mir tun die Rotsee-Husaren leid. So etwas haben sie nicht verdient», bedauert Vereins-präsident Werner Rast und verkneift sich tunlichst jegliche kritische Hinterfragung der Gründe, die zum Debakel führten. «Unsere kreativen Arbeiten für wohltätige Zwecke wurden bisher von den Medien immer gelobt», erinnert er sich. Unfasnächtlich schweigsam zeigt sich auch Husaren-Präsi Köhler. «Wir haben zur Kenntnis genommen, dass unser Werk offenbar die Gefühle von Menschen verletzt hat und das war natürlich keinesfalls unsere Absicht». Das Werk mit dem Titel «Psycho», analog des Filmes aus dem die Szene stammt, sei in Absprache mit dem Verein demontiert und umgehend entsorgt worden. Könnte man allenfalls die Puppe noch fotografieren? «Nein, nein, es ist alles weg», wehrt der Präsi heftig ab. Gegenüber 20 Minuten hat Werner Rast erklärt: «Für die Sujets haben wir festgelegt, dass sie niemanden verletzen dürfen. Zu diesem Sujet aber gab es negative Reaktionen, deshalb liessen wir es entfernen». Das wurde am nächsten Tag unter dem Titel «Das Fasnachtssujets ist weg» von der NLZ vermeldet. Mit einem letzten Fotoblick auf die unbekleidete Schaufen-sterpuppe, die, während der Demontage des schützenden Vorhangs beraubt, mitten in der Szene lag. Umgeben von drei voll bekleideten Arbeitern.

Im Volk hingegen hat man wenig Verständnis für das «Tamtam» um das Sujet: Eine Online-Umfrage von 20 Minuten mit immerhin 3680 Teilnehmern zeigt: 69 Prozent der Teilnehmer bewerteten das kritisierte Sujet entweder als «harmlos», oder fanden «die Fasnacht darf alles». Weniger als einem Drittel gingen «die Sujetbastler zu weit». Mit welchem selbstgewählten Sujet die Rotsee-Husaren an der diesjährigen Fasnacht auffahren, wird man erst am Schmutzigen Donnerstag wissen. Sicher ist nur: Nicht mit demselben wie eben entsorgt.

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