Rigi Anzeiger
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Fasten Sie schon?

Zwischen dem Aschermittwoch und dem Ostersonntag liegen 40 Tage. Für das Christentum ist es die Vorbereitung auf Ostern und soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus Christus fastend und betend in der Wüste verbrachte.

Felix von WartburgAlle Religionen kennen Tage oder Perioden des Fastens, die mit unterschiedlicher Ernsthaftigkeit begangen werden. Was bei jeder Art von Fasten als Leitmotiv dient ist der vollständige oder teilweise Verzicht auf Nahrung, Tranksame und Genussmittel. In jüngerer Zeit ist eine Entwicklung spürbar, die das Fasten auf eine andere Ebene stellt. Nicht der Verzicht auf Essen, Trinken und Genussmittel steht im Vordergrund, sondern der Verzicht auf irgend etwas während einer bestimmten Zeit.

Verzichten tut niemand gern und für mich bedeutet Verzichten freiwillige Selbstkasteiung. In vielen Kulturen galt ein selbst auferlegter Leidensdruck als Aufopferung und Hingabe an etwas Höheres. Für viele Menschen gilt das noch heute. Für andere gilt eine modernere Form des Fastens und des Verzichts: das bewusste Loslassen von lieben Gewohnheiten oder Annehmlichkeiten für eine bestimmte Zeit. Das Wort «Fasten» heisst in seinem Ursprung nämlich nichts anderes als «Festhalten». Und Loslassen ist genau das Gegenteil. Ich finde, Loslassen tönt nicht nur sympathischer als Fasten, es ist auch sympathischer. Denn Loslassen braucht keine ärztliche Begleitung wie gewisse Formen des Fastens. Loslassen kann jeder und loslassen kann man alles, so man denn nur will. Beim Loslassen gibt es auch keinen JoJo-Effekt und Loslassen ist mindestens so gesund wie Fasten oder sogar noch viel gesünder.

Wer einmal entdeckt hat, wie wohltuend das ist, gewisse Gewohnheiten, Dinge, Wünsche oder Menschen loszulassen – egal ob sie für uns angenehm oder unangenehm sind – der wird das Loslassen nicht auf 40 Tage beschränken, sondern auf sein ganzes Leben ausdehnen. Felix von Wartburg, Chefredaktor