Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Fas(t)nacht

Bis vor rund 30 Jahren wurde das heute gebräuchliche Wort «Fasnacht» – vom Wort «fasten» und «Nacht» (Vorabend) abgeleitet – mal mit und mal ohne «t» geschrieben.

Felix von WartburgIn den damals noch drei Luzerner Zeitungen sah man abwechselnd beide Schreibweisen. Es gab schlicht keine Regel. Bis schliesslich das Luzerner Fasnachtskommittee zusammen mit den «Vereinigten Guuggenmusigen» in einer Aktion beschloss, das vermaledeite «T» für immer und ewig zu versenken. Und so geschah es auch: In Anwesenheit aller Medien wurde ein metergrosses «T» aus Styropor von der Reussbrücke bei der Kronengasse in die Reuss gestürzt, unter fasnächtlichen Klängen, versteht sich. Diese Aktion verfehlte ihren Zweck nicht. Seither hat man in den Luzerner Medien nur noch das Wort «Fasnacht» gelesen, ohne «T».

Für den Begriff Fasnacht gibt es auf der ganzen Welt unterschiedliche Bezeichnungen wie Karneval, Fasching, Fasenacht, Fasnet, Fosnet and ganz fremdartig «mardi gras» (fetter Dienstag), wie die Fasnacht im kanadischen Quebec genannt wird. Mit wenigen Ausnahmen wird die Fasnacht ausschliesslich in (heute) katholischen Gegenden begangen, im Rahmen einer sechswöchigen Fastenzeit vor Ostern. Daher Begriffe wie «Schmotzige Donschtig», wo vor der Fastenzeit noch einmal so richtig viel Schmotz (Schweinefett) verzehrt wurde. Mardi gras meint genau das selbe, einfach am Dienstag statt am Donnerstag. Fest mit der Fasnacht verbunden ist das Verkleiden, Possen- und Ränkespielen. Dies geschah auch in Kirchen und Klöstern, wo die Vertreter des niederen Klerus sich als höhere aufspielten. Ja sogar der Papst wurde imitiert. An den Höfen waren es vor allem die Frauen, die ihr üblicherweise gesittetes Verhalten ablegten und an Fasnachtsbällen ausgelassen festeten und tanzten (Weiberfasnacht). Dass die katholische dies alles duldete, hat wohl mit einer Art «Zuckerbrot und Peitsche»-Taktik zu tun. Die Ursprünge der Fasnacht gehen aber in vorchristliche Zeitalter zurück. Einer altbabylonischen Schrift ist folgendes zu entnehmen: «Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.» Hier wird zum ersten Mal das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert und dies ist bis heute ein charakteristisches Merkmal der Fasnacht, zumindest der Luzerner Fasnacht. Felix von Wartburg