Rigi Anzeiger
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Faszination Tunnelbau in Küssnacht

Küssnacht: Der «Tag der offenen Baustelle» vergangenen Samstag lockte unzählige Menschen in den bereits bis zur Hälfte fertig erstellten Tunnel Burg, der Bestandteil des ersten Abschnittes der Südumfahrung ist. Er unterquert bestehende Gebäude, Werkleitungen und Strassen mit zum Teil sehr geringer Überdeckung von rund drei Metern. Das verlangt nach einem minutiösen Bauablauf.

cek./pd. Der Tunnel Burg zur Südumfahrung Küssnacht wird auf einer Länge von rund 350 Metern bergmännisch, das heisst unterirdisch, erstellt. Die Gesamtlänge des Tunnels beträgt 500 Meter. Der Voreinschnitt zum Tunnel auf der Nordseite (Schürmatt) erfolgte vor rund einem Jahr. Er dient zur Erstellung des 152 Meter langen Tagbautunnels. Die Rohbauarbeiten dazu und die Tunnelzentrale waren bereits im März dieses Jahres nahezu fertig erstellt. Der unterirdisch geführte Tunnel ist bis zur Hälfte ebenfalls schon durchbrochen und konnte am vergangenen Samstag besichtigt werden. Dabei boten sich den Besucherinnen und Besuchern faszinierende Bilder, unter anderem auch mit Geräten und Maschinen, die zum Einsatz kommen. Am Bau beteiligte Firmen erklärten die Arbeitsweise, beantworteten Fragen. So war zu erfahren, dass der Vortrieb des Tunnels in 29 Etappen à 12 Meter im Schutz eines Schirmes bestehend aus 40 Stahlrohren erfolgt. Diese wurden vorgängig am Tunnelfirst eingebaut und mit Mörtel verpresst, damit der zuvorderst im Vortrieb anstehende Baugrund, Tunnelbrust genannt, stabil bleibt. Damit die Verformungen im Gebirge möglichst gering ausfallen, werden 20 Meter lange Anker aus glasfaserverstärktem Kunststoff eingebaut. Diese Anker wiederum werden zusammen mit den Rohrschirmrohren im Voraus gebohrt und eingebaut. Mit jeder Etappe wiederholt sich zudem der Bauvorgang: Zuerst wird gebohrt und dann das Gebirge ausgebrochen. Nach zwei bis drei Wochen erfolgt die nächste Etappe.

Der eigentliche Vortrieb einer 12 Meter langen Etappe geschieht in zehn kleinen Abschlägen von 1,2 Metern Länge. Das Lockergestein wird mit einem Tunnelbagger ausgebrochen. Um mögliche Verformungen gering zu halten, wird mit dem Vortrieb ein zum Ring geschlossenes Spritzbetongewölbe nachgezogen, das mit Armierungsnetzen und Gitterträgern bewehrt ist. Diese Aussensicherung, die am «Tag der offenen Baustelle» ersichtlich war, bildet die erste Schale des Tunnels. Nachdem Durchschlag in der Räbmatt, voraussichtlich im Frühling 2018, wird die definitive Innenschale aus Beton gebaut. Der Bau des Tunnels Burg hat nichts gemein mit solchen, bei denen eine Tunnelbohrmaschine im Festgestein 20 Meter und mehr pro Tag ausbrechen kann. Der Bauablauf im ersten Küssnachter Tunnel erfolgt sehr minutiös. Mit ein Grund ist, dass der Tunnel vorerst in rund drei Metern Abstand die Seebodenstrasse und die angrenzenden Bebauungen unterquert. Danach nimmt zwar die Überdeckung bis 17 Meter zu, die Bohrungen führen jedoch weiter unterhalb von Häusern an der Hof- und Zwimattstrasse.

Hängende Stützmauer
Einen markanten Blickfang bildet im Bereich Räbmatt, dem Standort des Südportals des Tunnels Burg, die hängende Stützmauer. Die sogenannten verankerten Betonaussteifungen hierfür wurden von oben nach unten erstellt. Als Sicherung dienten nicht wie üblich Bohrpfähle und Strahlträger, sondern eine 60 Grad steile Erdböschung, die mit Geotextil bewehrt ist. In der Räbmatt wird die Südumfahrung mittels Betonkreisel an die bestehende Grepperstrasse angebunden. Der Bergweg erhält ebenfalls eine direkte Anbringung an den Kreisel. Zudem entsteht in der Räbmatt eine neue Personenunterführung, die die Grepperstrasse unterquert und an den Garnhänkiweg anschliesst. Obwohl es noch rund drei Jahre dauert, bis der erste Abschnitt der Südumfahrung eröffnet werden kann, für den weiteren Tunnelbau zum zweiten Abschnitt sind die Bauverantwortlichen schon gerüstet. Aus einem Gespräch mit Fachpersonen liess sich schliessen: Hier überlässt man nichts dem Zufall, und denkt weit voraus.
(Quellen: Dokumentationen Bezirk Küssnacht/Kanton Schwyz zur Südumfahrung Küssnacht)