Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Frischzellenkur für Rigi-Panoramaweg

Kulturhistorisch wertvolles Bauwerk rüstet sich für die Zukunft

Der Rigi-Panoramaweg von Rigi Scheidegg/Burggeist bis Rigi First erfährt eine «Frischzellenkur». Für rund 800’000 Franken wird das ehemalige Bahntrasse der Scheidegg-Bahn erneuert und restauriert, ausser der historisch wertvollen Brücke Unterstetten. Für 2014 ist ein grosses Eröffnungsfest geplant.

«Mit vereinten Kräften machen wir den 5,5 km langen Wanderweg fit», sagt der Geschäftsführer der Scheidegg AG, Karl Küttel. Rund ein Dutzend Personen waren am 10. Oktober 2013 mit Mappen, Papieren, Plänen und Vermessungsinstrumenten unterwegs auf dem Panoramaweg. Es war sozusagen das «Gipfeltreffen» der Besitzer, Bauherren, Bewirtschaftern, Baubehörden und Organisationen, die das Grossprojekt mit fachlichen und finanziellen Mitteln unterstützen. Der Weg wurde anfangs 1870 erstellt, die Scheidegg-Bahn nahm als höchstgelegene Adhäsionsbahn ihren Betrieb 1874 (Strecke Rigi Kaltbad – Rigi Unterstetten) und 1875 (Rigi Untersetten–Rigi Scheidegg) auf. In der gleichen Zeit wurde die Rigi auch vom Tal erschlossen: 1871 ab Vitznau und 1875 ab Goldau. 1931 stellte die Scheidegg-Bahn den Betrieb ein. Es folgten zwar noch einige erfolglose Anläufe. 1942/43 wurden die Geleise abgebrochen, und der Weg ging sozusagen an die Wanderer über.

1500 Kubikmeter Nagelfluhstein

André Annen, Forstingenieur und Verwaltungsrat der Unterallmeind Korporation Arth UAK, stellt den damaligen Erbauern ein gutes Zeugnis aus: «Das ehemalige Bahntrasse ist eine hervorragende Tragschicht. Nur die obere Verschleissschicht muss bearbeitet werden.» Die oberste Schicht wird angereichert mit 1500 Kubikmeter gebrochenen Nagelfluhsteinen aus der Umgebung. Deshalb ist der bereits bearbeitete Weg von Scheidegg/Burggeist bis zur Rothenflue-Brücke momentan etwas holperig. In den nächsten Tagen kommt der grosse Steinbrecher auf den Berg zum Einsatz. Und dann wird das aufgeschüttete Material sowie fünf bis zehn Zentimeter der obersten Strassenschicht gebrochen, alles neu planiert und verdichtet.

Der rund 5,5 Kilometer lange und ca. 3,5 Meter breite Panoramaweg Scheidegg–First ist ein praktisch niveaugleicher Weg auf 1400 (First) bis 1600 (Scheidegg-Burggeist) Meter über Meer mit einer Längsneigung von nur wenigen Prozenten. Es ist einer der meistbegangenen Wanderwege der Zentralschweiz, rund eine Viertelmillion Gäste benützen den Weg jährlich.

Zum Weg gehören die drei Brücken Rothenflue, Unterstetten und Schild, der rund 70 Meter langen Wisstannegg-Tunnel, Hunderte von Metern Stützmauern sowie Dutzende von aufgeschütteten Dämmen. Vor bald 140 Jahren entstanden, damit die Bahn freie Fahrt hatte! Auch die Entwässerungsrinnen entlang des Trasses wurden beim Bahnbau erstellt. Sogenannte Rigolen, welche die Funktion haben, das Oberflächenwasser parallel zur Strasse bis zum nächsten Durchlass abzuführen.

Diese Rigolen wurden im Laufe der vergangenen Jahrzehnte nur mässig unterhalten und konnten so ihre Wirkung nur noch teilweise oder nicht mehr erfüllen. Ein Schwerpunkt bei den Erneuerungen bei der Instandstellung der Oberflächenentwässerung.

Der gesamte Rigi-Panoramaweg befindet sich zum einen im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung und Teile davon im Pflanzenschutzreservat Rigigebiet. Zudem ist der Weg im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz als Objekt von nationaler Bedeutung aufgenommen. Die drei Brücken sind im kantonalen Inventar geschützter und schützenswerter Bauten (KIGBO). Dazu kommen Schutzzonen Gewässerschutz, und es gibt Hinweise bezüglich Naturgefahren. Alle Massnahmen haben auf die Natur und auf das Naturschutzbild Rücksicht zu nehmen. An der Begehung die Erneuerung und Restaurierung des Weges und der Bauwerke als vorbildlich gewürdigt.

Rund 1000 Bäume gefällt

Insgesamt werden im Zuge der Sanierung rund 1000 Bäume gefällt, der Grossteil ist gemacht, der Rest erfolgt nächstes Jahr. Mit den rund 1200 Kubikmetern Holz werden mehrheitlich Holzschnitzel produziert. Gemäss den Verantwortlichen werden die Bäume aus Gründen der Sicherheit oder zu Gunsten einer besseren Aussicht gefällt.

Die Erneuerung und Restaurierung des Rigi-Panoramaweges verursacht Kosten von rund 800’000 Franken. Daran beteiligen sich nebst der Rigi Scheidegg AG auch die Rigi Bahnen AG, das Bundesamt für Strassen ASTRA, der Kanton Schwyz (Fachstelle Wanderwege, Denkmalpflege), die Unterallmeind Korporation Arth UAK, verschiedene Anstössergemeinden und die Tourismusvereine am Rigi. Die Finanzierung umfasst die vollständige Erneuerung und Restaurierung des Weges sowie der beiden Brücken Rothenflue und Schild sowie des Tunnels. Die Unterstetten-Brücke ist ein separates Restaurierungsprojekt, welches gemäss aktueller Planung 2015/2016 realisiert werden soll. Die Kosten für dieses historische Bauwerk liegen bei rund einer Millionen Franken.

2 101013Baustrunke
Hangentlastung – zum Wohle des Panoramaweges.

2 101013Holzkasten
Eine Hangrutschung konnte direkt vor Ort gesichert werden mit einem Holzkasten. Dieser wurde mit Erdmaterial eingedeckt und ist nicht mehr sichtbar.

2 101013KofferungWasserleitung
Der Panoramaweg mit den Rigolen, die das Wasser bergseits abführen.

2 101013Maschinenpark
Momentan herrscht an gewissen Stellen baulicher Hochbetrieb.

2 aufhänger GruppenbildSchnee
Es war ein ereignisreicher und wechselvoller Tag – auch beim Wetter mit Sonne, Regen und Schnee! Die wetterfesten Panoramaweg-Erneuerer, von links Karl Küttel, Verwaltungsrat und Geschäftsleiter Rigi-Scheidegg AG; Toni Waldis, Bezirksammann Gersau; André Annen, Projektleiter und Verwaltungsrat UAK; Thomas Brunner, Denkmalpfleger des Kantons Schwyz; Theo Weber, Vorsteher Amt für Wald und Naturgefahren; Fredi Bieri, Bundesamt für Strassen ASTRA-Beauftragter; Hanspeter Kistler, ASTRA; Franz Kenel, Präsident UAK; Pius Betschart, Geschäftsführer UAK; Jana Züger, ASTRA-Beauftragte; Peter Probst, Gemeindepräsident Arth; Prof. Eugen Brühwiler, Bundesexperte Eidgenössische Denkmalpflege; Jakob Hedinger, Ingenieur, zuständig für die Kunstbauten-Restaurierungen.