Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Frühlingsahnen

Plötzlich war er da. Er war zu hören. Er war zu sehen. Er war zu riechen. Amselgezwitscher, Katzen auf Mäusejagd, Güllenduft – unverkennbar, das ist er, der Frühling.

 

Kurt Tucholsky hat das alljährlich wiederkehrende Phänomen analysiert:

Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
Dann im Kalender und dann in der Luft,
Und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
Sich in die frischgewaschene Frühlingsluft.

Was das für Folgen haben kann, wollen wir hier nicht vertiefen. Einen Hinweis gibt uns allerdings ein anderes hübsches, von den Comedian Harmonists vertontes und zum Gassenhauer gemachtes Poem:

Veronika, der Lenz ist da,
die Mädchen singen tralala.
Die ganze Welt ist wie verhext,
Veronika, der Spargel wächst!

Bevor wir über diesen Vers sinnieren und möglicherweise gar noch auf Hintergedanken kommen, möchten wir zur Abkühlung (die uns vergangene Woche ja auch meteorologisch ereilte) nochmals auf Tucholsky zurückkommen. Er beschreibt die euphorisierende Jahreszeit so: «Dieser lange, etwas bleichsüchtige Lümmel, mit einem Papierblütenkranz auf dem Kopf, da stakt er über die begrünten Hügel, einen gelben Stecken hat er in der Hand, präraffaelitisch und wie aus der Fürsorge entlaufen…», um dann ernüchtert festzustellen: «…pfui Deibel! … die Erde sieht aus wie unrasiert, der Regen regnet jeglichen Tag und tut sich noch was darauf zugute: ich bin so nötig für das Wachstum, regnet er. Der Frühling –?»

Keine andere Jahreszeit inspirierte und inspiriert poetisch veranlagte Menschen zu so emsigem Tun wie der Frühling. Der Beweis: zum Suchbegriff Frühlingsgedichte spuckt Google 62’000 Ergebnisse aus, gefolgt von Herbst (43’200), Winter (41’500) und Sommer (23’200). Das macht auch das Kolumnenschreiben im Frühling so einfach.

fuchs
Hanns Fuchs