Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Frust-Abend für Verkehrsverbund-Chef

Daniel Meiers vergeblicher Versuch, die Adligenswiler ÖV-Benutzer zu beschwichtigen

Drei Monate vor dem Routen- und Fahrplanwechsel wagte sich Daniel Meier, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Luzern (VVL) in die Höhle der Löwen. Er versuchte, im Adligenswiler Gemeindezentrum Teufmatt, die Vorteile der bevorstehenden Änderungen schmackhaft zu machen. Es blieb beim Versuch.

Informationsabend Adligenswil
Daniel Meiers Erlaeuterungen zu regionalen Aspekten liessen die Adligenswiler kalt.

«Der Gemeinderat und der Verkehrsverbund Luzern informieren Sie über die Änderungen der Buslinien 26 und 73 ab Fahrplanwechsel vom 15. Dezember 2013», stand auf dem Flyer zu einer Info-veranstaltung vom 19. September. Und darunter: «Hochwasserschutz und Revitalisierung. Orientierung und Infos zum Stand Hochwasserschutz und Revitaliserung am Grundacher-/Letten und Stubenbach». Dargeboten wurden die Informationen dann in der umgekehrten Reihenfolge. Wohlweislich. Gleichsam einer sanften Ouvertüre vor dem bestätigte Gemeinderat und Finanzvorsteher Markus Sigrist den Abschluss einer gelungenen Bachneugestaltung, die künftige Hochwasserschäden wie jene vom August 2009 an der Ebnetstrasse verhindern soll. Namentlich die neue Bachlandschaft zwischen dem Ort und dem Industriequartier Stuben vermag die Adligenswiler zu erfreuen. Gänzlich unerfreut sind sie hingegen gegenüber den bevorstehenden Änderungen im öffentlichen Verkehr. Wie bekannt, wird die Postautolinie 73 zwischen Luzern und Rotkreuz und die Buslinie 26 zwischen Luzern und Adligenswil (von den Buschauffeuren «Skilift» genannt) neu gelegt und nach neuem Fahrplan gefahren. Obschon alles beschlossen und fast alles geregelt ist, unternahm VVL-Chef Meier den Versuch, die grollenden Adligenswiler zu beschwichtigen.

Das «Widspühl-Zückerchen»

VVL-Chef Daniel Meier zog gleich zum Auftakt seines Auftrittes vor den ergrimmten Adligenswilerinnen und -wiler alle Register der Diplomatie. Entschuldigte sich freundlich für alle aus dem Systemwechsel entstehendem Unannehmlichkeiten, wies verständnisvoll darauf hin, dass es sich bei der Postautolinie um eine historische Linie mit 50-jähriger Vergangenheit handelt, bedankte sich höflich für die zahlreichen Reaktionen aus der Bevölkerung und beteuerte nachdrücklich, auf diese auch prompt mit Anpassungen reagiert zu haben. Konkret meinte er damit die «Widspühl-Schlaufe». Statt künftig gleich in der Dorfmitte von Udligenswil herkommend seiner eigentlichen neuen Route folgend Richtung Würzenbach abzudrehen, wird das Postauto also künftig die 500 Meter zum Widspüel-Kreisel am westlichen Ortsrand hinauf und dann wieder zurückfahren. Offenbar nach einer Idee von Gemeinderatfrau Vreni Sigrist. Die allerdings die Wirkung eines Tropfens auf die heissen Steine hat. Die rund 150 zum Infoabend erschienen Adligenswiler bemängelten über eine Stunde die Linien- und Fahrplanänderungen und provozierten dabei auch erstaunliche Antworten.

«Nein, die neuen Haltestellen für das Postauto sind noch nicht definiert. Wahrscheinlich kurz vor dem Kreisel. Gegenüber der Kirche», war da beispielsweise vom VVL-Chef zu hören. Hörbares Stirnerunzeln im Saal. Gemeinderat und Moderator Guido Schacher präzisierte: «Nun, das könnte jetzt missverstanden werden». Die offizielle Antwort war schliesslich: «Vorerst wird der Bus auf der Strasse anhalten».

«Wir fahren da, wos geht»

«Die neuen Routen sind für die künftigen Busse ausgelegt, die viel grösser sein werden als heute. Bis im Jahr 2040 erwarten wir eine Steigerung der Fahrgastzahlen um 40 Prozent im Schnitt», beschwor der VVL-Chef mehrmals. «Gut, aber wann kommen die neuen Busse», Frage aus dem Publikum. «Die ersten Mitte nächsten Jahres und der Rest im Jahre 2015», sagte Meier. «Und weshalb erfolgt dann der Routen- und Fahrplanwechsel schon jetzt? Damit hätte man ja auch noch ein Jahr zuwarten können». Meier wand sich hörbar. «Die Entwicklung auf Büttenen hat den Wechsel ausgelöst. Eine Massnahme erforderte die nächste. Es war ein Domino-Effekt», erklärte er.

Doch den Adligenswilern stand der Sinn mehr nach einer «Chropfleerete» statt Geduldspielen. «Ich will jetzt mal von Ihnen hören, weshalb die Postautolinie als neue Hauptlinie Adligenswil-Luzern neu über die dicht befahrene Haldenstrasse und nicht mehr über die Dreilindenstrasse oder die Hünenbergstrasse führt», forderte ein Hartnäckiger. Und erhielt hartnäckig keine Antwort. Allerdings hatte Meier in einem anderen Zusammenhang die Frage faktisch bereits beantwortet. «Das grosse Problem des öffentlichen Verkehrs ist die Überlastung der Strassen. Um den ÖV auf Extraspuren daran vorbeizuschleusen bräuchte es strassenbauliche Massnahmen. Für die ist heute kein Geld da. Also müssen wir da durchfahren, wo es eben geht», erläuterte er. Und die Haldenstrasse hat eine Busspur und eine Pförtneranlage, die den Privatverkehr ausbremst.

Meier gegen fast alle

Passend zum Abend unter dem Motto «Meier gegen fast alle», wurden die bissigsten Fragen aus dem Publikum mit dem grössten Applaus bedacht. Jenen, die öffentlich ankündigten fortan mit dem eigenen Auto zu fahren, wurde besonders applaudiert. Dass die Postautolinie 73 künftig als Hauptlinie von Adligenswil zum Bahnhof Luzern fährt, stösst vielen sauer auf. Nicht grundlos. «Das Postauto wird seinen Fahrplan nie einhalten können, weil es ständig von den Agglomerationsbussen behindert werden wird und auch an den Haltestellen nicht überholen kann», monierte ein Skeptiker. Der VVL-Chef nahm den Einwand zur Kenntnis. Am meisten aber empört die Adligenswiler, dass der komfortable «Skilift» abgestellt wird. Alle 15 Minuten rauf und runter. Wo gibts das sonst? In Adligenswil ab dem 15. Dezember jedenfalls nicht mehr. Dann fährt der heutige 26er im 30 Min-Takt vom Würzenbach über Adligenswil bis nach Ebikon. Zur künftigen Drehscheibe des öffentlichen Nahverkehrs, wie Daniel Meier zu erklären versuchte. Vergeblich. Als auch noch Pius Zängerle, in Adligenswil wohnhaft und unter anderem für den Regionalverband «LuzernPlus» tätig, die Adligenswiler um mehr regionale Weitsicht bat, hatten viele Besucher genug. Sie verliessen reihenweise den Saal. Einige von ihnen wutschnaubend. Während Daniel Meier drinnen in resignierter Selbsterkenntnis die Achseln hob und bilanzierte: «Ich habe es versucht…»