Rigi Anzeiger
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«Gespräche statt Verbote»

Region: 98 Prozent aller Schweizer Teenager haben zu Hause Internetzugang. Das birgt Chancen und Gefahren, sagt Michael In Albon, Beauftragter für Jugend-Medienschutz bei der Swisscom, im Interview mit unserer Zeitung.

Michael In Albon, Beauftragter für Jugendmedienschutz bei der Swisscom.   Bild apimedia

Michael In Albon, Beauftragter für Jugendmedienschutz bei der Swisscom.
Bild apimedia

Michael In Albon, ab welchem Alter kann ich meinem Kind ein iPhone geben?
Ich lege mich nicht auf ein bestimmtes Alter fest. Die Eltern müssen sich einfach bewusst sein: Die permanente Verfügbarkeit bedeutet für ihr Kind einen nicht zu unterschätzenden Stress. Mögliche Folgen davon sind Depressionen, Müdigkeit und schlechte Schulleistungen.

Was halten Sie von der 3-6-9-12-Regel: Kein Bildschirm vor 3, keine eigene Spielkonsole vor 6, kein Internet vor 9 und kein unbeaufsichtigtes Internet vor 12 Jahren?
Nicht viel. Die neuen Medien sind heute integraler Bestandteil unseres Lebens. Es macht aber Sinn, die tägliche Nutzungsdauer zu beschränken. Wenn das Kind nach der Schule drei Stunden Freizeit hat, kann es durchaus eine Stunde fernsehen, gamen oder chatten. Wichtig ist, dass sich die Freizeitaktivitäten nicht auf die Mediennutzung beschränken. Es braucht einen guten Mix.

Es gibt Eltern, die ihren Kindern Halbstunden-Gutscheine auf Handy oder iPad gewähren.
Genau das mache ich mit meinen eigenen Söhnen, die sieben und fünf Jahre alt sind. Erstens hat online-Zeit dadurch einen Wert, zweitens kann man die Zeit gut dosieren. Entscheidend ist, dass sich die Eltern dafür interessieren, welche Games ihre Kinder spielen, in welchen Chats sie sich bewegen und was sie im Internet genau tun. Dafür müssen die Eltern nicht ständig neben ihrem Kind sitzen, wenn es im Internet surft. Sie sollen es jedoch von Zeit zu Zeit begleiten, das Gesehene besprechen und es auf mögliche Gefahren aufmerksam machen. Diese sind für Kinder meist schwer zu erkennen.

Wo lauern denn die grössten Gefahren?
Beim Chatten beispielsweise ist das Gegenüber oft nicht jene Person, als die sie sich ausgibt. Die 13-jährige Vanessa ist in Wirklichkeit vielleicht ein 51-jähriger Peter, der nichts Gutes im Schilde führt. Gemäss der aktuellen JAMES-Studie kommt ein Viertel der befragten 9- bis 16-jährigen Kinder via Internet in Kontakt mit Fremden. Und oft bleibt es nicht beim belanglosen Plaudern: 7 Prozent haben schon Fremde getroffen, dies meistens ohne das Wissen ihrer Eltern. Oft fanden die Treffen nicht in der Öffentlichkeit statt. Schliesslich ist den Jugendlichen ja sehr wohl bewusst, dass sie das nicht tun dürften.

Kinder ab 13 Jahren können heute einen Facebook-Account eröffnen. Ist das nicht ein bisschen früh?
Nein. Kinder sind heute durchschnittlich mit 9 Jahren erstmals im Internet unterwegs. Mit 10 oder 11 Jahren haben viele bereits ein Social-Network-Profil. Wenn alle Klassenkameraden irgendwo Mitglied sind, sollten die Eltern ihr Kind nicht mit einem Verbot von dieser Welt ausschliessen. Ich empfehle ihnen aber, den Account gemeinsam mit dem Kind einzurichten und diesem klar aufzuzeigen, welche Konsequenzen es haben kann, wenn es Bilder von sich bei Facebook oder Instagram hochlädt.

Welche Konsequenzen meinen Sie?
Mit dem Hochladen gibt man seine Rechte für diese Bilder ab und hat keine Kontrolle mehr darüber, wo und wie sie verwendet werden. Und was mal online ist, bringt man nicht mehr weg. Die Kinder müssen deshalb lernen, was sie posten dürfen und wie sie den Zugriff beschränken können. Wer etwas postet, der sollte sich immer vorstellen, er müsste den Post seinen Eltern zeigen oder auf dem Pausenplatz aufhängen. Wenn es ihm peinlich ist, dann besser nicht posten. Die Grundregel: Zuerst denken, dann posten. Interview Alex Piazza