Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Groteske Paragraphenreiterei

Ein Rigianer kämpft gegen Kantons- und Gemeindebehörden

Der in Root aufgewachsene René Stettler wohnt seit 2011 in einem Châlet auf Rigi Kaltbad. Um Strom fürs Warmwasser zu sparen, liess er auf dem Dach ein kleines Solarpanel errichten, mit amtlicher Bewilligung. Die gilt nun plötzlich nicht mehr. Stettler hat Behörden und Heimatschutz gegen sich.

René Stettler ist der Sohn eines einstigen Rooter Gemeindepräsidenten. Dieser war dem Natur- und Umweltschutz sehr zugetan. Sein Sohn ist es auch. Er hat ein Mandat bei Greenpeace und ist der Gründer der Schweizer Biennale zu Wissenschaft, Technik und Ästhetik, die alle zwei Jahre führende Wissenschafter aus der ganzen Welt im Verkehrshaus zusammenführt. Im kommenden Jahr, dem 20-jährigen Jubiläum, ist unsere Umweltministerin, Bundesrätin Doris Leuthard, als Referentin und Gast von René Stettler nach Luzern eingeladen.

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René Stettler: «Ich bezweifle, dass der Einsprecher des Heimatschutzes die Mini-Anlage jemals gesehen hat. Ein ‹Fanal› ist eine völlig unangemessene Aussage.»

 

Eine gute Idee wird zerzaust

Weniger Freude hat Stettler an gewissen Behörden in Luzern und vor allem in Weggis. Sein amtlich bewilligtes Solarpanel auf dem Dach eckt an. Wobei Stettler der einzige ist, der das Solarpanel je zu sehen bekommt, denn das Haus ist auf der Nord-, West- und Ostseite von hohen Tannen umgeben. Von öffentlichen Wegen aus ist es nicht einsehbar. Um eine möglichst hohe Energieeffizienz auf 1415 m. ü. M. zu erzielen, wurde das Panel im Winkel von 45° mit Ausrichtung nach Süden aufs Dach gestellt. «Flach auf dem Dach liegend würde eine geringe Sonnenenergieausbeute die Investitionskosten von 16000 Franken nicht lohnen», zitiert Stettler eine Aussage der Erstellerfirma. Auch sie hat vor Baubeginn im Jahr 2011 von der Gemeinde Weggis die Bewilligung für den Bau erhalten. Als die Solaranlage längst in Betrieb war, verlangte der Gemeinderat von Weggis und sein Bauamt ein nachträgliches Baubewilligungsverfahren und verwies auf das kantonale Amt für Raumentwicklung, Wirtschaftsförderung und Geoinformation (RAWI), das dies veranlasst habe. Darauf wandte sich Stettler schriftlich und ausführlich dokumentiert an den kantonalen Baudirektor Robert Küng. Innert 24 Stunden erhielt Stettler von einem Chefbeamten des RAWI eine E-Mail in der es hiess, man erteile – aufgrund der Ausnahmesituation – Zustimmung zu dieser Anlage. Man wolle nicht päpstlicher als der Papst sein, hiess es weiter.

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Man muss mit der Luftseilbahn fahren um das Panel zu Gesicht zu bekommen. Sonst kann man es von nirgends her sehen.

 

Weggiser Baubehörde blockt

Das gefiel nun der Weggiser Baubehörde nicht. Hier schaltete man auf stur. Sie pochte vehement auf das Baubewilligungsverfahren. Stettler reichte schliesslich das Baugesuch ein, begleitet von mehreren Plänen und Beschreibungen. Kaum war dieses veröffentlicht, meldete sich der Innerschweizer Heimatschutz (IHS) mit einer Einsprache bei der Gemeinde Weggis, die Baubewilligung sei zu verweigern. «Die Anlage ist ein Fanal für die Rigi», hiess es darin beispielsweise. Dazu Stettler: «Ich bezweifle, dass der Einsprecher des IHS die Mini-Anlage jemals gesehen hat. Ein Fanal – also ein weithin sichtbares, deutliches Zeichen – ist eine völlig unangemessene Aussage.»

Vom RAWI erhielt nun Stettler die schriftlich abgefasste Empfehlung, «das Solarpanel ins Dach zu integrieren, auf der Westseite, und die Schatten werfenden Bäume zurück zu schneiden». Die Tannen sind allerdings etwa dreissig Meter hoch, das Haus höchstens sieben Meter. «Ich kann diese Beamtenlogik nicht verstehen, denn sie entbehrt jeglicher rationaler Argumentation», sagt Stettler, der sich nun einen Anwalt genommen hat. In einem «offenen Brief» an den Weggiser Gemeinderat schrieb Stettler als Schlusswort: «Ich erlaube mir (…) abschliessend die Hoffnung zu äussern, dass die Gemeinde Weggis (…) zur Energiewende mehr beizutragen hat, als auf nichts weiter zu bestehen als auf ihrem Recht.» Ein Freund Stettlers auf Kaltbad sagte es noch deutlicher: «Das ist sinnlose Paragraphen-Reiterei die wirklich niemandem etwas bringt.» Stettler klärt derzeit ab inwiefern Schadenersatzforderungen für die exorbitanten Kosten, die ihm entstanden sind, gestellt werden können.