Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Gut simuliert ist halb geflogen

Peter Fischer, Dierikon wartet auf seinen dritten Flugsimulator

In einem unauffälligen Dierikoner Industriegebäude hat der Unternehmer Peter Fischer sein Hobby zum Zweitberuf gemacht: Trainingsflüge in voll ausgerüsteten, bewegungsfähigen Flugsimulatoren mit Originalcockpits. Die Kundschaft kommt aus dem In- und Ausland. Und selbst von den Profis, die auf Simulatoren Swisspiloten ausbilden, gibts Komplimente.

«Bitte einsteigen» – Peter Fischer hat die sechs Computer, die dem Heli-Simulator Flugleben einhauchen, aufgestartet, Wind, Wetter, Standort und einige Parameter mehr eingegeben. Aus dem Cockpit heraus wiedergibt die 180 Grad-Sicht nun die Szenerie des Flugplatzes Grenchen. Die Szenerie stammt aus dem Umfeld des populären, weltweit millionenfach verkauften Microsoft-Simulator für PCs. Es ist die detaillierteste, verfügbare Szenerie und beinhaltet sogar Personen, die auf dem Vorfeld herumstehen. Aber diese Szenerie wird nicht wie üblich auf Bildschirmen dargestellt, sondern von fünf über dem Cockpit angebrachten Projektoren auf die umgebenden Leinwände projiziert. «In HD-Qualität», betont Fischer, dessen Vater Leo Fischer in Luzern einst das erste Schweizer Kabelfernsehen aufgebaut hat. «Am schwierigsten war die Tiefenschärfe bis zum fernen Horizont hinzukriegen» verrät er, während er routiniert den Motor des Helis aufstartet und diverse Betriebsschalter aktiviert. Motorengeräusch erfüllt das Cockpit und es beginnt zu vibrieren. «Das ist der Rotor, der sich zu drehen beginnt.» Über dem Cockpit in dem kleinen Raume dreht sich aber kein Rotor. Alles simuliert. Und als der Heli dann abhebt, sind alle seine Bewegungen in der Luft deutlich fühlbar.

Simulatoren der Königsklasse

Mit dem Bau seines ersten «Full-Motion-Simulators» der Cessna 172, der seit seit drei Jahren in Betrieb ist, hat sich der Luzerner Peter Fischer in die Königsklasse des Flugsimulation gezimmert. Bewegungsfähige Flugsimulatoren werden in der Regel von Luftwaffen, Airlines und ihren Ausbildungspartnern zu Ausbildungs- und Übungszwecken eingesetzt und kosten Millionen. Peter Fischer aber hat es geschafft, auf der Basis einer im freien Handel erhältlichen Computersimulation und für einen Bruchteil dieser Kosten, einen für den allgemeinen Gebrauch voll funktionsfähigen Simulator zu entwickeln, der sogar die Spezialisten der Millionen-Liga beeindruckt. Natürlich stehen die Profi-Kolosse der Airlines auf meterhohen, hydraulisch betriebenen Streben, die die Fliehkräfte fast aller Flugbewegung nahezu perfekt simulieren. Die Bewegungen in Fischers selbstgebauten Simulatoren sind technisch bedingt begrenzter. Dafür muss aber in Dierikon auch nie einer mit einem Beinbruch aus dem Simulator getragen werden.

«Die Impulse für die Bewegungen stammen aus der Microsoft-Software. Man muss sie nur entsprechend verwerten. Und das ist viel Arbeit», verrät Fischer. Mit seinem Resultat ist er zufrieden. «Mir sind keine vergleichbaren Simulatoren in der Schweiz bekannt», erklärt er. Fischer hat Hunderte von Arbeitsstunden in Aufbau und Entwicklung seiner Flugsimulatoren gesteckt. «Damit begonnen habe ich bei mir zu Hause. Als die Sache dann immer grössere Dimensionen annahm, habe ich die Räumlichkeiten in Dierikon gemietet».

Heli-Simulator als Renner

Dort stehen mittlerweile zwei Cockpits auf beweglichen Plattformen: Das einer Cessna 172 und jenes eines Robinsons-Helikopter R22. Gegen Jahresende soll noch das Cockpit des Oldtimer-Klassikers Pipers Super Cup dazukommen. Dafür hat Fischer extra einen Raum dazugemietet. Das kann er sich leisten. Denn immer mehr Flugbegeisterte mit und ohne Fluglinzenz wollen in seinen Simulatoren Platz nehmen. «Ich habe Stammkunden aus dem ganzen Inland und dem angrenzenden Ausland», erklärt er. Die Nachfrage ist mittlerweile so gross, dass sich Fischer bei Bedarf durch seinen freien Mitarbeiter Roman Marti entlasten muss. Viele Kunden finden das absturzsichere Flugerlebnis in Dierikon über die Webseite www.flugsimulation-vfr.ch. Immer mehr aber lassen sich durch Mundpropoganda zum «Simulatorfliegern» animieren. Besonders gefragt ist der Heli-Simulator, den Peter Fischer zusammen mit den beiden aus der Region stammenden preisgekrönten Amateur-Hubschrauberpiloten Jens und Adrian Larsen optimiert und auf reale Reaktionen abgestimmt hat. «Um alles zu verstehen und mit dem Simulator fliegen zu können, habe ich selbst rund 20 Instruktionsflüge auf dem R22 in Beromünster absolviert», berichtet er. Die rund 750 Betriebsstunden in den anderthalb Jahren, in denen der mit dem Cockpit eines ausrangierten R22 aufgebauten Simulator nun schon zur Verfügung steht, dokumentieren das grosse Interesse an diesem Gerät, in dessen Inneren bis zur Türklinke alles originalgetreu ist.

Dasselbe gilt auch für den Cessna-Simulator. Vor vielen Jahren hat sich Fischer in Kägiswil auch das Fliegen mit Flächenflugzeugen beibringen lassen. «Ich habe die Ausbildung aber nie abgeschlossen. Als Unternehmer mit voller Agenda fehlte mir einfach die Zeit, um mich mit der nötigen Sorgfalt der Fliegerei zu widmen», sagt Fischer.

Nein – die Fliegerei mit dem Simulator sei keineswegs ein Ersatz für die verpassten Flugerlebnisse. «Mich reizte ganz einfach die Herausforderung, einen perfekten, voll beweglichen Flugsimulator auf der Basis einer Software für breite Käuferschichten zu entwickeln. Ich liebe es, Aufgaben zu meistern, die andere für unlösbar halten», verrät er. Dass er die Herausforderung gemeistert hat, entnimmt er den Komplimenten ausgewiesener Fachleute, die zu seinen Stammkunden zählen. Darunter ehemalige und aktive Piloten und Spezialisten für die millionenteuren Airliner-Simulatoren.

Und wie geht es weiter? Wird Dierikon zum Zentrum der Flugsimulatoren für die zivile Luftfahrt? Werden die Simulatoren zum Hauptberuf ihres Schöpfers, der eigentlich in einem ganz anderen Bereich unternehmerisch täig ist? Mitnichten. «Es ist und bleibt ein Hobby, dessen Einnahmen die Unkosten unter Ausschluss meiner Arbeit decken. Ein entspannender Ausgleich für meine hauptberuflichen Aktivitäten», erklärt Peter Fischer. Für einen vierten Simulator fehlte ihm auch der auch der Platz im Gewerbehaus an der Luzernerstrasse 7 in Dierikon. Übrigens kommen die meisten Besucher mit einem Geschenkgutschein, den sie als Flugbegeisterte erhalten haben. «Ich erkläre, wie alles funktioniert, auf was sie achten müssen und dann fliegen wir gemeinsam eine attraktive Route durch die Schweiz», schildert Peter Fischer. Und fügt gleich hinzu: «Gamer mag ich nicht. Bei mir steht das ernsthafte Interesse am Fliegen und was so alles dazugehört im Vordergrund».

Peter Fischer 56 betreibt in Dierikon LU drei Flugsimulatoren
Peter Fischer hat allen Grund zum Strahlen. Sein Simulator des Robinson Helikopter R22 begeistert auch aktive Helipiloten.

Peter Fischer 56 betreibt in Dierikon LU drei Flugsimulatoren
So präsentiert sich ein Flug über Biel im Helikopter-Simulator.

 

 

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