Rigi Anzeiger
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Handbremse der Gedankenmaschine lösen

Slam Poetry Schweizermeisterin Hazel Brugger am Gymnasium Immensee

Slam Poetry-Schweizermeisterin Hazel Brugger gab einer Schülergruppe der sechsten Gymnasialklasse aus Immensee Tipps, wie man aus Texten Ereignisse macht. Ein besonderer Workshop innerhalb der Projektwoche.


Kaum jemand im Raum wusste, was Slam Poetry ist. Das hat definitiv damit zu tun, dass dieser Raum im ländlichen Immensee liegt. Denn in Zürich oder Bern, da hätte man niemandem erklären müssen, was Slam Poeten machen: Knackige, meist philosophische Kurztexte schreiben und diese auf der Bühne vorlesen – vor einem meist jungen Publikum, das Punkte verteilt und über Top oder Flop entscheidet.

Da ist zum Beispiel die Geschichte von der toten Katze, die der Vater ins Haus bringt und in das schönste Küchentuch eingewickelt auf den Boden schmeisst. Verbrennen sollte man es und aus der Kohle einen Diamanten machen, den die Mutter schon lange verdient hätte. Oder nein, einbalsamieren und so der Nachwelt erhalten. «Alles schwul», sagt der kleine Bruder, «nehmt endlich das Tier aus meinem schönsten Küchentuch heraus», die Mutter. Alles andere – wie die zwanzigjährige Hazel Brugger vorliest, wie sie die Zuhörenden mit pfeilgeraden Sätzen, treffenden Bildern und sitzenden Pointen in ihren Bann zieht – muss man selbst erlebt haben. Bis die Katze (oder war es ein Kaninchen?) – als Kleintier bis 5 Kilo für acht Franken fünfzig – in der Kadaversammelstelle landet.

Aber darum geht es nicht an diesem Mittwochmorgen. Es geht um einen Workshop innerhalb der Plan-Schreibwerkstatt innerhalb der Projektwoche des Gymnasiums Immensee. Rund ein Dutzend Sechstklässlerinnen und –Sechstklässler haben ihre eigenen Kurzgeschichten niedergeschrieben, die sie nun vorlesen. Und da geht es um die Frage nach dem selbstbestimmten Sterben, um den Weg zum persönlichen Glück, oder um Abdullah, der es ok findet, im Namen Gottes zu töten, und schliesslich dieser Einstellung selbst zum Opfer fällt. Oder um Herrn Schmitt, den kleinen Hund, der es zu nichts gebracht hat und der trotzdem sein Herrchen glücklich macht. «Entzauberung» heisst das Zauberwort von Hazel Brugger. Das heisst auch Abstraktion bis zum Absurden. Der kleine Hund wird zum «Verlierer der Evolution», der Katzenaschediamant zum Sinnbild des ganz normalen Wahnsinns.

Wieso wird denn Hazel Brugger nicht wahnsinnig auf ihrem Seiltanz zwischen ihrer «Begeisterung des Dahinterschauens» und – wie sie selbst sagt – ihrer «aggressiven Melancholie»? Vielleicht ist es die Ruhe, die auch Teil ihres Wesens ist, die Hazel Brugger hilft, die enorme Spannung auszuhalten. Nur auf der Bühne, da bricht diese Spannung hervor, und auch in ihren Texten. In den Textbesprechungen mit den Gymnasiasten ist zwar die Rede von Schreibtechniken, vom «Umzingeln des Themas», von Kohärenz, dem Vorteil des Präsens oder davon, dass ein Polizist nicht einfach vorbeiläuft und zu erzählen beginnt. Aber die eigentliche Botschaft verkörpert sie wortlos: Sei wachsam, beobachte genau, lege deine Scheu vor der Sprache ab und löse die Handbremse deiner Gedankenmaschine!

Hazel Brugger in Zusammenarbeit mit Schülern der sechsten Gymnasialklasse.

Hazel Brugger in Zusammenarbeit mit Schülern der sechsten Gymnasialklasse.

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