Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Herr Brunner, mir wurde meine Brosche gestohlen.»

Solche oder ähnliche Konfrontationen gehören in einem Seniorenzentrum oder Altersheim, um beim volksüblichen Jargon zu bleiben, zum Alltag eines Heimleiters.

Die Dame steht nun da und wartet auf eine Antwort. Ungeduldig und mit der klaren Erwartung, dass ich die vermisste Brosche nun einfach aus meiner Jackentasche zaubern kann. «Ja, Herr Brunner?» Ich wurde schon öfters gefragt, wie man den Beruf des Heimleiters erlernen kann. So einfach kann man das nicht. Die Anforderungen sind vielfältig. Es gibt nicht viele Berufe, welche so viele Eigenschaften und Erwartungen von einem «Chef» fordern, wie bei einem Heimleiter. Im Sunneziel sind es 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in fünf Bereichen. Alle Bereichsleiter können ihre Aufgabe viel besser als der Chef. Die Kunst besteht darin, die Einzelteile zu einem Ganzen zusammenzufügen oder zu halten – je nach dem. «Wenn sie nichts unternehmen Herr Brunner, rufe ich die Polizei!» droht nun die Dame und gibt ihrem Anliegen mehr Druck. «Die Brosche stammt von meiner Mutter», auch Emotionen dürfen nicht fehlen. Nachdem wir das Zimmer schon zwei Mal durchforstet haben, ist die Brosche immer noch nicht auffindbar. Doch zurück zum Beruf Heimleiter. Eine betriebswirtschaftliche Ausbildung auf Stufe Fachhochschule ist sicher eine gute Voraussetzung. Ich selber habe daneben noch die Hotelfachschule in Luzern und das Seminar als Hotelier SHV mit Diplom abgeschlossen. Zu guter Letzt war es hilfreich, das Diplom der Heimleiterschule im Sack zu haben. Doch was nutzen einem all die Ausbildungen, wenn die Dame, die nun schon wieder vor mir steht, auf ihr Anliegen mit Nachdruck aufmerksam macht? Die Sache nimmt ein gutes Ende. Nach Abklärungen durch Polizei und Versicherung wurde der Stecknadelschmuck im Safe der Tochter aufgefunden. «Ich habe ja schon immer gesagt, Herr Brunner, die Brosche ist nicht bei mir!»

Urs Brunner, Leiter Sunneziel, Meggen. Er verlässt nach sechs Jahren das Sunneziel auf Ende Mai 2014.

Urs Brunner,
Leiter Sunneziel, Meggen. Er verlässt
nach sechs Jahren das Sunneziel auf Ende Mai 2014.