Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Heute wären das politische Karikaturen»

Adligenswil: Kulturgut aus der Zentralschweiz für eine breite Öffentlichkeit erschliessen, diese Philosophie vertritt der Adligenswiler Autor und Journalist Stefan Ragaz. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist sein jüngstes Werk «Luzern im Spiegel der Diebold-Schilling-Chronik 1513–2013».

Es war im fernen Anno Domini 1380 als sich die Männer von Weggis weigerten, den Treueeid gegenüber der Stadt Luzern zu leisten ...

Es war im fernen Anno Domini 1380 als sich die Männer von Weggis weigerten, den Treueeid gegenüber der Stadt Luzern zu leisten …

mo. Es war im fernen Anno Domini 1380 als sich die Männer von Weggis weigerten, den Treueeid gegenüber der Stadt Luzern zu leisten. Dieses unbotmässige Verhalten wurde von der damaligen Obrigkeit am Ausfluss der Reuss dazu benützt, die Weggiser in einem Nauen abzuführen und in Luzern einzusperren. Daraus ist ersichtlich, dass der Chronist Diebold Schilling die bäuerliche Landschaft als Untertanengebiet der Stadt Luzern verstand. Zurück blieben die wehklagenden Frauen. Erst nach der Vermittlung durch Uri, Schwyz und Unterwalden wurden die «Kilchgenossen» freigelassen.

Diese lokalhistorische Episode stammt aus dem Buch «Luzern im Spiegel der Diebold-Schilling-Chronik 1513-2013» von Stefan Ragaz. Der ehemalige Journalist und Redaktor betreibt heute in Adligenswil sein eigenes Unternehmen und ist als Hochschuldozent, Medienberater und Buchautor tätig. Wir haben uns mit ihm über sein neues Werk unterhalten.

Was motivierte Sie, dieses neue und umfangreiche Werk über Diebold Schilling und seine Chronik zu editieren?
Letztmals wurde die Chronik vor mehr als dreissig Jahren editiert – von Wissenschaftlern für ein exklusives Publikum. Die damalige Faksimile-Ausgabe kostete 3000 Franken. Mein Anliegen war es, dieses einmalige Kulturgut der Luzerner Geschichte für eine breite Öffentlichkeit zu erschliessen – in einer wissenschaftlich fundierten, gleichzeitig allgemein verständlichen Form. Zumal es mit der heutigen Drucktechnik möglich ist, die faszinierenden Bildtafeln in Originalgrösse und in exzellenter Qualität zu reproduzieren.

Welche besonderen Eigenschaften weist der damalige Chronist und Gelehrte auf?
Diebold Schilling ist einer der wichtigsten Zeugen der spätmittelalterlichen Geschichte – nicht nur für Luzern, sondern für die gesamte frühe Eidgenossenschaft. Besonders für Luzern sind seine Bilder von herausragendem Wert. Seine Darstellungen gehören zu den frühesten und zu den besten Bildquellen, die von der Stadt Luzern und ihrem Umland existieren. Sie dienten als Vorlage für die Kapellbrückenbilder und prägen unser Bild des mittelalterlichen Luzerns noch heute, auch der überlieferten Legenden wie etwa der Mordnacht. Schilling selber war kein Kind von Traurigkeit. Er war zwar Priester und deshalb sprachgewandt, doch er verdiente selber am Söldnerhandel und war immer wieder in Raufhändel und Frauengeschichten verwickelt.

Wie können die besonderen Erkenntnisse definiert werden, die Sie nach Ihrer intensiven Quellenforschung gewonnen haben?
Schilling war Teil der habsburgischen Propagandamaschinerie. Mit grossem Geschick und einer feinen Feder agitierte er gegen die Franzosen, die damals in Luzern das Sagen hatten. Was er uns hinterliess, würden wir heute als politische Karikaturen bezeichnen – subtil, raffiniert, hochpolitisch. Schilling ist für seine Bildtafeln bekannt, für seine aussagekräftigen, eingängigen, fast naiv anmutenden Veduten. Was verkannt wird und was auch ich erst spät in meinen Recherchen so richtig entdeckte, ist der Text. Für das ausgehende Mittelalter sind die Geschichten, die er erzählt, und nicht nur die politischen Geschichten, von unschätzbarem Wert. Ich zitiere deshalb in meinem Buch ausführlich aus dem Quellentext. Und man staunt: Das mittelalterliche Deutsch ist gar nicht so schwierig zu verstehen, wie es auf den ersten Blick aussieht. Wenn man die Texte laut liest, ist man nicht weit von der heutigen Mundart entfernt.

 

Stafan Ragaz
3 aufhänger Stefan Ragaz

Geboren 1958, aufgewachsen in Dietikon/ZH; Studium in Allgemeiner Geschichte, Politologie und Schweizergeschichte, Universität Zürich. Sportreporter, Lokaljournalist, Chefredaktor einer Lokalzeitung, US-Korrespondent und Chefredaktor-Stellvertreter der LNN und der Neuen Luzerner Zeitung, seit 2012 selbständig (Ragaz Medien GmbH): Dozent für Journalismus und Medien, Medienberatung, Buchautor, Geschäftsführer des Verlags Pro Libro Luzern.

 

Stefan Ragaz «Luzern im Spiegel der Diebold-Schilling-Chronik 1513–2013». 314 Seiten, illustriert, 89 Franken)

 

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