Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Holzenergie Schweiz widerspricht der glp

Der Fachverband reagiert auf den offenen Brief der Grünliberalen Partei (glp) Habsburg

Das beim Sägewerk Schilliger in Haltikon, Küssnacht geplante Holzheizkraftwerk heizt jetzt schon ein. Bei der glp Habsburg und den Feuerholz-Anhängern.

In einem offenen Brief – beschrieben im Rigianzeiger vom 20. März – stellt die glp Habsburg zwar nicht das geplante Holzheizkraftwerk an sich, aber seine Dimensionen und seinen Standort in Frage. Die glp argwöhnt, dass im neuen Werk wegen Mangel an reinem Restholz auch beschichtetes und behandeltes Holz verfeuert werden könnte. Und befürchtet einen ausufernden Lastwagenverkehr. Der Verein «Holzenergie Schweiz» mit Sitz in Zürich und rund 600 Mitgliedern, zu denen Gemeinden, Planer und Unternehmen mit Interesse an der Energiegewinnung aus Holz zählen, nimmt zum Inhalt dieses Schreibens wie folgt öffentlich Stellung. «Im offenen Brief wird behauptet, dass das Energiezentrum Haltikon zu einer Dreckschleuder zu werden droht und dass in Zukunft ‹alles darüber hinaus irgendwie Brennbare› verfeuert wird», heisst es in der Entgegnung. Diese Aussagen könne Holzenergie Schweiz entkräften. «In Altholz- und Restholzfeuerungen dürfen gemäss Luftreinhalteverordnung (LRV) des Bundes nur Holzbrennstoffe und Altholz verbrannt werden. Brennbarer Abfall muss – wie allgemein bekannt – in Kehrichtverbrennungsanlagen entsorgt und verbrannt werden. Brennstoffmissbrauch ist strafbar.»

Weiter werde im offenen Brief behauptet, die Sägereireste der Firma Schilliger Holz AG würden zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet. Diese Aussage stimme so nicht. «Ein Teil des Sägereirestholzes wird bisher mit LKW-Transporten zu einer Pelletproduktionsanlage gefahren. Diese Transporte entfallen durch die neue Anlage vor Ort. Ein weiterer Teil des Sägereirestholzes verbrennt die Sägerei in der eigenen, alten Holzheizung, die ersetzt werden soll», stellte «Holzenergie Schweiz» klar. Dieser Anteil sei für das neue Holzheizkraftwerk vorgesehen, dessen Wärme teilweise zur Trocknung der Sägespäne für die Pelletproduktion verwendet werden soll. Durch die Nutzung von Leerfahrten vom Schilliger-Firmenstandort Perlen könne zudem Altholz nach Haltikon zur Anlage der Agro Energie Rigi geliefert werden. Ein Engpass an verfügbarem Restholz sei damit nicht zu befürchten.

27 Lastwagen täglich

Auf die Standortfrage geht Holzenergie Schweiz nicht ein. Das übernimmt der Ini-tiant des Holzheizkraftwerkes «Agro Energie Rigi», Baptist Reichmuth gegenüber dem RigiAnzeiger. «Der einzige sinnvolle Standort für mein Projekt ist der Standort des grössten Sägewerks der Schweiz – der Schilliger AG in Haltikon. Hier fällt die grösste Menge an verwertbarem Restholz an», sagt er. 200’000 Festmeter Holz (entspricht ebenso vielen Kubikmetern) werden jährlich in Haltikon verarbeitet. «Das Holz kommt aus allen Regionen des Landes», sagt Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident Ernest Schilliger. Ein Lastwagen transportiere im Schnitt 30 Kubikmeter. Das wären dann also jährlich 6667 Lastwagen, pro Arbeitswoche 133 und etwa 27 Lastwagen durchschnittlich pro Tag. Sie rollen via Götzental, Küssnacht und Meierskappel nach Haltikon. «Die grosse Mehrheit davon sind ganz normale Lastwagen, die überall durchfahren können. Die langen Sattelschlepper mit Rundholz darauf sind die Ausnahme. Von denen kommen nur einer bis zwei pro Tag», erklärt Schilliger.

«Von den 200’000 Kubikmeter Holz fällt durch die Verarbeitung rund 100000 Kubikmeter Restholz an. Durch dessen Verbrennung vor Ort kann man jährlich 3600 Lastwagenfahrten einsparen», rechnet Reichmuth vor. Einen Grossteil der Heizleistung würde das Sägewerk gleich selbst für die Holzaustrocknung beziehen. Das 80 Millionen Projekt «Agro Energie Rigi» ist gegenwärtig in der Phase der Einspracheverhandlungen. «Wir sind Ende Jahr baubereit und rechnen mit einer Bauzeit von anderthalb Jahren», sagt Initiant Baptist Reichmuth.

Mit ihren Befürchtungen von zusätzlichem Lastwagenverkehr trifft die Grünliberale Partei (glp) Habsburg den Nerv der Bevölkerung. Am Standort ändert dies nichts. Im Jahre 1861 kaufte ein gewisser Blasius Schilliger das Sägewerk in Haltikon. Rund 100 Jahre später wurde es ein Raub der Flammen. «Damals hat man sich überlegt, das Werk anderswo wieder aufzubauen», berichtet Ernest Schilliger. Man entschied sich für den Wiederaufbau am alten Standort. Inzwischen ist das Sägewerk ernorm gewachsen, aber die Verkehrswege nach Haltikon sind eng und kurvenreich geblieben. Die Schilliger Holz AG hat im Jahre 2000 eine Zweigstelle in Perlen errichtet. Dort werden die ganz dicken Stämme verarbeitet. Das Hauptwerk in Autobahnnähe zu zügeln ist aber kein Thema: «Ausgeschlossen. Dafür sind das Werk und seine Anlagen inzwischen viel zu gross», sagt Geschäftsführer Schilliger.