Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Ich habe die Kurve gut gekriegt!»

Täglich trifft man ihn an seinem ehemaligen Arbeitsort, im Dorf Root. Otto Bucher, 1984 bis 2008 dort Postenchef, ist nicht mehr als Polizist sondern als eifriger Zeitungsleser unterwegs. Erst werden die Luzerner Zeitung und die NZZ zu Hause gelesen. Die Inhalte weiterer Titel wie Bund, der Tages Anzeiger, aber auch Regionalzeitungen wie Rigi Anzeiger, Freier Schweizer, Rontaler und sogar Willisauer Bote führt er sich in Rooter Restaurants und Kaffees zu Gemüte. Ihn interessieren alle Themen: «Das Polizeigeschehen verfolge ich noch aus Distanz», sagt Bucher.

Das ergibt mindestens zwei Stunden Lektüre. «Ich geniesse das Leben nach dem Polizistenberuf», sagt der rüstige 70-Jährige. So halte er den Kontakt zur Bevölkerung aufrecht und nehme am öffentlichen Leben teil. Fast intensiver als während der beruflichen Tätigkeit. Bis zum letzten Arbeitstag am 31. Dezember 2008 zufrieden in seinem Beruf, habe er mit der vorzeitigen Pensionierung den richtigen Entscheid getroffen. Und mit 62 Jahren «die Kurve ganz gut gekriegt».

Polizist statt Lehrer
Der Berufswunsch des in Meierskappel geborenen Otto Bucher ging seinerzeit aber in eine ganz andere Richtung. Er war 5-jährig als er und seine vier Geschwister den Vater verloren. Weder Tierarzt noch Lehrer waren daraufhin eine Option. Bei Gössi in Küssnacht schloss der Bauernbub die Lehre als Sanitärinstallateur ab, arbeitete anschliessend bei den Wasserwerken in Zug.

Mit 25 bewarb er sich bei der Polizei. «Der Lehrerberuf wäre damals mittels ‹Schnellbleiche› zu erlangen gewesen, aber ich wurde doch lieber Polizist.» Die Ausbildung erfolgte in Luzern an der Kasimir-Pfyffer-Strasse, wo die Polizei noch heute stationiert ist. Judith Stamm habe als Polizeioffizierin den Stoff in der Rechtslehre vermittelt, erinnert sich der Pensionär.

1971 trat er in Dagmersellen seine erste Stelle als Polizist an. Dreimal leer schluckte er als er zum ersten Selbstmord gerufen wurde. «Da müssen wir einfach durch», beschied ihm sein Chef. Damals wusste man ja noch wenig von psychologischer Betreuung für Helfer oder gar von einem Care Team.

Der stolze Grossvater Otto Bucher am 31. Dezember 2008, an seinem letzten Arbeitstag als Chef des Polizeipostens Root, mit den Enkeln Sarah (1,5) und Jan (3). Bild zVg.

Der stolze Grossvater Otto Bucher am 31. Dezember 2008, an seinem letzten Arbeitstag als Chef des Polizeipostens Root, mit den Enkeln Sarah (1,5) und Jan (3). Bild zVg.

Baby auf dem Posten
Seiner Zukünftigen, Emmi Niederberger, ebenfalls aus Meierskappel, war von Anfang an klar, dass Polizisten sieben Tage pro Woche und während 24 Stunden im Einsatz sind. Nach der Heirat 1974 half sie aus, wenn Mann (Frau) auf dem Posten gefragt war. Sei es um eine Velonummer herauszugeben oder das «Büro zu hüten». Die drei Monate alte Tochter wurde dann halt einfach dorthin mitgenommen.
Auf eine interne Ausschreibung bewarb sich Bucher anfangs 84 als Postenchef in Root. Durfte sich den Gemeindebehörden, Gemeindeammann Franz Sidler, im April zusammen mit seiner Frau vorstellen und die Dienstwohnung im Oberdorf 2 besichtigen. Gemäss «Dislokationsbefehl», so hiess wohl damals das Einverständnis zum Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel, übernahm der Familienvater mit Frau und den 9-und 6-jährigen Töchtern am 1. September 1984 den Posten in Root.

Kaltstart in Root
Gleich der erste Arbeitstag brachte ihm Publizität im ganzen Dorf und den ers­ten Besuch im «Winkelried». Vor dem Restaurant war ein Einwohner von Root von einem Auto angefahren worden. Die Wirtin leistete erste Hilfe und bekam abends den Antrittsbesuch von Polizist Bucher und dessen Frau. «Emmi ging nicht gerne fort von Dagmersellen und so wollte ich ihr den Einstieg am neuen Ort ein wenig erleichtern.» Mit dem Beitritt zum Männerchor und zur Feuerwehr wurden weitere Kontakte geknüpft.
Insgesamt wurden es 24 Jahre, in denen er als «Sheriff» in seinem Rayon Root, Gisikon, Honau und einem Teil Perlen für Sicherheit und Ordnung sorgte: Ausgenommen ein kurzer Abstecher in die einzige Stadt im Rontal, wo er von 1995 bis 1997 den Polizeiposten Ebikon und Adligenswil leitete. «Ebikon war mir zu städtisch», begründet er als bekennender Dorfmensch seine Rückkehr nach Root.

Freud und Leid
Auf seine eindrücklichsten Erlebnisse angesprochen, fällt es dem Ex-Polizisten nicht leicht eine Auswahl zu treffen. «Bilder, die man nie vergisst» waren schlimme Unglücksfälle, wie den als ein Lastwagen auf dem Bahnübergang im Längenbold von einem Zug gerammt wurde und eine Mutter und ein Kind starben. Oder der tragische Fall als eine Hydraulikbühne versagte und einen Mann zerquetschte. Als eigentlichen Aufsteller bezeichnet Bucher «Die Eröffnung der Autobahn 1986. Ab da musste ich sonntags auf der Kreuzung in Gisikon nicht mehr den Verkehr regeln!» Aber auch die Verlängerung der Buslinie 23 sei eine Freude gewesen: «Wir haben sie mit der Feldmusik und einer Polizeidelegation gefeiert!»  Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch von Otto Bucher, ehemaliger Dorfpolizist Root, Benoît Meny, Chef de Bar im Swiss Chalet, Merlischachen

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