Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Ich habe mein Lebensziel erreicht»

Ein rundum zufriedener 80-Jähriger erwartet die Journalistin im Ebikoner «Falken»: Es ist Ruedi Schumacher. «Trotz Umwegen habe ich mein Ziel erreicht: Einmal selbstständig eine Zeitung zu führen», sagt der sichtlich stolze langjährige Redaktor und Rontal-Kenner, allseits bekannt als «Schumi».

Ruedi Schumacher, 79 ist einer der besten Kenner der Gemeinde Ebikon und des Rontals. In Ebikon geboren und aufgewachsen, engagierte er sich unter anderem auch im Gewerbeverein Ebikon und Umgebung. Von 1987 bis 2000 war er Chefredaktor der vom Gewerbeverein gegründeten Lokalzeitung Rontaler.

Ruedi Schumacher

Wohin ihn die Umwege führten, erläutert er humorvoll und detailgetreu. «Ich weiss von vielen Ereignissen auch nach Jahren noch jede Facette», sagt «Schumi» und erzählt von seinem ersten grossen Auslandabenteuer.

Französisch-Talent
In Hasle geboren und dort Primarschüler, besuchte er die Sekundarschule in Entlebuch. Als 16-Jähriger führte ihn die erste Reise als Volontär in ein Priesterseminar mit 60 Studenten nach Uriage-les-Bains in der Nähe von Grenoble. «Als reiseunkundiger Bauernbub wurde ich in Bern und Genf jeweils von der Bahnhofbetreuung weitergeleitet, am Ziel holte mich der Rektor mit seinem ‹Gangsterauto› ab. So nannten wir damals die grossen schwarzen Citroën.» Er habe im ersten Halbjahr Geschirr gewaschen bevor man den «Petit Suisse» und seine Fähigkeiten für die Betreuung der sechs Instituts-eigenenen Kühe einsetzte. Dieses Talent brachte er vom heimatlichen Bauernbetrieb mit und schon bald melkte er Rekordmengen von Milch, bestimmt für die 60 Studenten. Es wurde ihm sogar «Panschen» unterstellt. Eine Laboruntersuchung in Grenoble bestätigte aber, dass alles mit rechten Dingen zuging. «Es war eine harte aber bereichernde Zeit». In nur einem halben Jahr habe er dank einer effizienten Griechin perfekt Französisch gelernt, was ihm auf dem weiteren Berufsweg noch sehr zustatten kam.

Entlebucher Träsch nach Westafrika
Als inzwischen gelernter Schriftsetzer, Maschinensetzer, Stereotypeur und mit einer journalistischen Weiterbildung sowie acht Jahren Erfahrung als Gestalter, Reporter und Metteur beim «Vaterland» führte der Berufsweg nach Zug. Während 17 Jahren war Ruedi Schumacher Redaktor und Marketingverantwortlicher beim Schweizerischen Obstverband. Und verantwortlich für die verbandseigene, zweisprachige Fachzeitschrift «Früchte und Gemüse». Das führte zu Einladungen in ferne Länder wie Burkina Faso – mit einem französischen Inlandflieger, der rostige Schrauben hatte –, wo Bohnen herkamen oder nach Ghana zu Ananas-Plantagen. «Für alle Fälle hatte ich immer meine Spezialmedizin mit dabei: Entlebucher Träsch der stärkeren Sorte, aufgepeppt mit Kräutern.» Der ghanaische Gastgeber war nach einem kräftigen Schluck und einer Nacht Bedenkzeit ganz davon angetan und orderte daraufhin ein paar Flaschen von dieser Medizin aus der Schweiz für seinen Stamm. «Was ich selbstverständlich ermöglicht habe», erklärt Schumacher schelmisch.

Vermehrt am Familientisch
Als Familienmensch, mit mittlerweile vier Kindern, vermisste Ruedi Schumacher das regelmässige Zusammensein. So war ein Umzug nach Zug nie ein Thema gewesen. Er fühlte und fühlt sich in Ebikon – vor 54 Jahren ebenso wie heute – und immer noch im gleichen Haus an der Luzernerstrasse 9 zuhause. Aus dieser Sicht kam dem versierten Redaktor und Rontal-Kenner das Angebot für die Herausgabe der Lokalzeitung wie gerufen. «Ich habe diesen Entscheid nie bereut und mich der Herausforderung während dreizehn Jahren gerne gestellt», blickt er zurück. Erst fristete der neu gewählte Zeitungschef sein Dasein in einer tristen Dachkammer. Als Glücksfall entpuppte sich dann das Angebot vom damaligen Gemeindeammann Felix Hardegger, im Dachgeschoss des alten Gemeindehauses dem Rontaler preisgünstige Räumlichkeiten für ein «redaktionsgerechtes» Büro zur Verfügung zu stellen.

Lokalzeitung nie aufgeben
Die technischen Revolutionen von selber entwickelten Bildern (in der Küche!) zur digitalen Fotografie oder den geklebten Zeitungslayouts (Maquette) bis zum ersten Mac meisterte «Mister Rontaler» souverän. Die auf gegenseitigem Vertrauen basierenden Kontakte mit den Gemeindebehörden, Gewerblern und Wirtschafsbossen der Rontaler Gemeinden machten den Rontaler zum gern gelesenen Lokalblatt. «Im Jahr 2000 hörte ich auf – ich habe aber inzwischen mehrmals Hilfestellung gegeben», beschreibt Schumacher den Abschluss seiner beruflichen Laufbahn. Er würde eine Lokalzeitung nie aufgeben, auch weil Firmen wieder vermehrt auf Lokal- und Regionalblätter setzen, so seine Feststellung.

Altersgenosse Bewegung
Nach seinen Hobbys gefragt, outet sich der rüstige 80er als Gern- und Vielreisender. Offen und kontaktfreudig wie er ist, habe er an 50 bis 60 Hochzeiten als Tafelmajor geamtet «und alle Ehen bestehen nach wie vor». Auch das Theaterspielen wie Regie führen gehörte zu seinen Vorlieben. Und natürlich gut essen und trinken und dabei den Kontakt mit Menschen zu pflegen. Aber jetzt stehe im Vordergrund «den Körper in Schwung zu halten ohne ihn zu überfordern». Ein weiser Ratschlag! Marlis Jungo