Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Ich lache auch über mich selbst»

Bestseller-Autorin Federica de Cesco liest im Sunneziel Meggen

Sie gilt als meistgelesene zeitgenössische Jugendbuchautorin im deutschen Sprachraum und das seit Jahrzehnten: Federica de Cesco feiert demnächst ihren 75. Geburtstag. «Eigentlich bin ich immer noch die rebellische, freche Schülerin», sagt sie im Gespräch.

1953 ist ihr erstes Buch erschienen. 60 Jahre und rund 90 Bücher später sind Sie noch immer eine erfolgreiche Autorin. Macht das stolz?
Federica de Cesco:
Stolz? Ja, auch. Aber noch viel mehr ist da ein Gefühl von «ätsch – denen habe ichs gezeigt», den Lehrern, die fanden, dass nie etwas aus mir wird und den Kritikern, die mich immer wieder versuchten zu verharmlosen oder zu schubladisieren. Das ist zwar vielleicht nicht sehr weise, was ich da sage, aber eine gesunde Reaktion.

Sie feiern nächstens ihren 75. Geburtstag. Was hält sie jung?
Meine Unbefangenheit. Dass ich noch immer auf eine Art und Weise reagiere, die nicht erwachsen ist. Eigentlich bin ich immer noch die rebellische, freche Schülerin.

Dann halte ich mich körperlich fit: Jeden Tag schwimme ich morgens 50 Minuten und abends nochmals 30, ich bin viel zu Fuss unterwegs, reise gerne … Und natürlich halte ich mich auch im Kopf fit: Ich schreibe, lese, mein Mann und ich gehen viel ins Kino, in Konzerte, ins Ballet, besuchen Ausstellungen und Galerien. Und bleiben neugierig …

Ihre Mutter ist 102. Wie geht es ihr?
Sie hört nichts mehr, sie sieht nichts mehr, aber es geht ihr gut. Sie lebt in einer Alterseinrichtung am Genfersee und fühlt sich da sehr wohl. Und mit einem Glas Rotwein wird sie quietschlebendig.

Möchten sie auch so alt werden?
Ja, warum nicht? Wenn der Kopf mitmacht und klar bleibt. Weniger schwierig als meine Mutter möchte ich allerdings schon sein …

Wie ist ihr Verhältnis zu heutigen jungen Menschen?
Technisch kann ich da nicht mehr mithalten. Aber über Gefühle kriege ich sie alle.

Auch die coolen Jungs aus dem Balkan?
Die sind ja gar nicht so cool wie sie sich geben. Natürlich demonstrieren sie bei meinen Lesungen in Schulen ihre Coolness. Aber wenn man bei diesen Machos auf ihre Kultur zu reden kommt, sind sie plötzlich interessiert und wach. Das gilt natürlich auch für Jugendliche aus andern Kulturen. Ich habe kürzlich ein Riesenkompliment bekommen: «Sie sind wirklich ein cooles Grosi».

Sind Jugendliche heute anders?
Sie sind eben cooler. Aber wenn es um Gefühle geht, sind sie seit Generationen gleich. Sie suchen alle nach Liebe und möchten soviel über sie wissen. Und selbstverständlich gilt das auch für Erwachsene, für die ich ja auch schreibe.

Wie stehen sie zur heutigen technisierten Welt?
Ich selber nutze das Internet, habe Mail-Kontakte und brauche die Textverarbeitung auf dem Computer. Ich bin aber nicht bei Facebook oder auf Twitter – denn das finde ich zweischneidig. Kinder und Jugendliche sollten aufgeklärt werden, dass alles was sie von sich preisgeben, auch die ganze Welt lesen kann. Und was passiert eigentlich, wenn das ganze Netz einmal total zusammenbricht?

Sind sie ein glücklicher Mensch?
Ja, ich glaube schon, ich lache gerne – auch über mich selbst. Das Schöne am Älterwerden ist doch, dass man gerade heraus sagen kann, was stört und ärgert. Mein Mann unterstützt mich immer sehr in dieser Haltung.

Was ärgert sie?
Wenn man versucht, mich in eine Schublade zu stecken, z.B. dass ich nur für Mädchen und Frauen schreibe, meine Bücher immer ein Happy End hätten. Mich ärgert schlechte Kinderstube, Desinteresse…

Was fürchten sie?
Den Verlust der Autonomie, z.B. durch einen Unfall. Ich fürchte die Blödheit der Menschheit und sinnlose Gewalt.

Ist der Tod für sie ein Thema, oder ignorieren sie ihn?
Ich mache mir nicht zu viele Gedanken über ihn. Aber er macht mich neugierig, nicht ängstlich – es könnte eine hochinteressante Sache werden. Ich werds ja dann sehen…

Wie möchten sie sterben?
Schnell und friedlich

 

Lesung von Federica de Cesco: Mittwoch, 13. März, 15Uhr, Seniorenzentrum Sunneziel, Moosmattstrasse 5, Meggen, Eintritt frei

 

Federica de Cesco
1-2013-lebensart cescowurde am 23. März 1938 in der Nähe von Venedig geboren. Sie wuchs als Tochter eines italienischen Ingenieurs und einer deutschen Mutter mehrsprachig an verschiedenen Orten in Italien, Äthiopien, Deutschland und Belgien auf. Im Alter von fünfzehn Jahren schrieb sie mit «Der rote Seidenschal» ihr erstes Jugendbuch, ein Best- und Longseller. Nach einem Sprach- und Psychologiestudium an der Universität Lüttich (Belgien) zog sie 1962 in die Schweiz. Heute lebt sie mit ihrem Mann, dem japanischen Fotografen Kazuyuki Kitamura, in Luzern. Sie gilt als meistgelesene zeitgenössische Jugendbuchautorin im deutschen Sprachraum. Fremde Kulturen und der Lebensweg starker, aussergewöhnlicher Mädchen und Frauen sind die zentralen Themen in ihrem Werk.