Rigi Anzeiger

Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 36 185, mit 40 000 Leserinnen und Lesern, und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Ich sage dem Büseli Katze»

Menschen im Gespräch, mit Hans Borner, Besitzer der Righi Licht AG in Immensee.

«Ich bin Logiker und Bewahrer – kein Macher», sagt Hans Borner seit 15 Jahren Besitzer der Righi Licht AG in Immensee. Wir treffen den Verwaltungsratspräsidenten der klein-feinen Firma zusammen mit seiner Tochter Christina keinen Steinwurf entfernt von der geschichtsträchtigen Hohlen Gasse. Geschichten könnte der rüstige Unternehmer viele schreiben. Heute konzentrieren wir uns auf jene des Lichts. Oder vielmehr die der letzten und einzigen Glühlampenfabrik Europas. Das geht aber nicht ohne bevor eine grosse Schleife zum Werdegang des rührigen Unternehmers zu drehen.

Hans Borner, VRP der Righi Licht AG mit seiner Tochter und Geschäftsführerin Christina Taiana-Borner.

Hans Borner, VRP der Righi Licht AG mit seiner Tochter und Geschäftsführerin Christina Taiana-Borner.

Zahlenmensch mit Ideen
«Ich liebe Zahlen und kann zu jeder Bilanz eine Geschichte erzählen», sagte der Bücherexperte zum Einstieg ins Gespräch. Zahlen prägten so seinen beruflichen Werdegang. Mit der Gründung der Visura (heute BDO)-Niederlassung Luzern eröffnete sich ihm ein attraktives Betätigungsfeld im Bereich von KMU, dem ein Wechsel in die Industrie folgte. Knall auf Fall als Finanzchef bei Lindt & Sprüngli «verabschiedet» suchte Borner weitere Herausforderungen mit dem Engagement in der Treuhandanstalt Berlin. Wo er DDR-Firmen im Lebensmittelbereich «das war das Filetstück» in die Privatisierung half.

Spagat Deutschland–Schweiz
Eine Woche in Berlin und eine Woche in der Schweiz, so sei damals sein Arbeitsrhythmus gewesen, erzählt der «KMU-Sanierer» aus seinem weiteren Berufsleben. Denn 1991 gründete er seine eigene Firma – ohne Mitarbeiter, aber mit Netzwerk. Mit zahlreichen Mandaten sei er in der Bankenwelt «bekannt gewesen wie ein bunter Hund». Schwergewichtig tätig bei der Sanierung aber auch bei der Auflösung von Unternehmen im Textilbereich – wie Webereien und Spinnereien – machte sich der rührige Zahlenmensch einen guten Namen. Weil er die Dinge beim Namen nannte «Ich sage dem Büseli Katze», keine unrealistischen Ziele anvisierte und zudem Versprechen einhielt.

Herzblut für Glühbirnen
Wir sind am – lückenhaften – Ende der Schleife angelangt und wenden uns wieder der Lichtgeschichte zu. Mit der damals in Goldau ansässigen Luxram Licht AG wartete ein weiterer Sanierungsfall auf eine gute Lösung. «Die hatten vor etwa 17 Jahren Probleme» und «Man kann doch in einem ehemaligen Hotel keine Glühlampen produzieren», so der kurze Einstieg von Borner zur Firmengeschichte, die auf 1923 zurückreicht. Die Schwierigkeiten begründeten zum einen in familiären Verhältnissen der Inhaber und zum anderen bei der Geschäftsführung.
«Wir haben geradburgert» und Borner als von den Erben beauftragter Coach und Liquidator suchte eine einvernehmliche Lösung. Erst durch Unterstützung der Geschäftsleitung, später dann mit Splitten in die Produktion an die neu gegründete Righi Licht AG am Standort in Immensee und dem Verbleib des Vertriebs in der Luxram Licht AG. Das Ende der Vertriebsgesellschaft Luxram war aber nicht aufzuhalten: sie machte nach einen halben Jahr Konkurs. Borner übernahm nun auch den Verkauf. Verzeichnete 5 Mio. Umsatz bei 1 Mio. produzierten Glühlampen. «Mich hat die Erfindung von Edison immer sehr fasziniert – ich hätte auch Feinmechaniker werden können», sagt der VRP von Righi Licht AG rückblickend.

Vater-Tochter-Gespann
Ein Happy End schien nahe für die viel Herzblut betriebene Lampenfabrik, nun in Immensee. Wäre nicht 2012 das Verbot für den Verkauf von traditionellen Glühlampen verhängt worden. «Kerzen und Öllampen wurden auch nicht verboten», meint kopfschüttelnd ein kämpferischer Manufakteur. Unterstützt nun seit drei Jahren durch seine Tochter Christina als Geschäftsführerin. Der Einstieg erfolgte «Borner-like»: «Chumm und schwümm», so die Aufforderung von Vater Hans an die Tochter. Und sie kam nach 18 Jahren als Familienfrau. «Eine gute Idee bevor man auf andere Gedanken kommen kann nachdem die Kinder flügge sind», sagt die 49-Jährige lachend. Sie habe sich nach ihrer kaufmännischen Ausbildung immer «updated»: «Wenn die Eltern bei ‹word & co› Probleme hatten, konnte ich so helfen.» Nun pflegen Vater und Tochter den «zivilen Ungehorsam».

Lichtquelle ist nicht Lichtquelle
Denn produziert werden dürfen Glühlampen nach wie vor, nur nicht in den Handel gebracht. Obwohl viele Menschen nicht auf diese speziellen Lichtquellen verzichten können oder möchten. Das kürzlich ausgestrahlte Radiointerview hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die beiden Kämpfer freut es wenn sich beispielsweise der Betreiber einer Kaverne mit ihnen solidarisiert, rückmeldet, dass er weiter auf Glühlampen setze und einen grösseren Auftrag ordert. Berührend die Geschichte einer – der Stimme am Telefon nach – älteren Dame, die 20 Stück von Globe (grosse runde Glühlampe) bestellte: «Damit ich genug habe bis an mein Lebensende.» Ein Geigenbauer kommt mit den modernen Beleuchtungsmitteln nicht zu Gang: «Ich kann das neue Licht nicht brauchen wegen dem Schattenwurf». Zu guter Letzt der Bergbauer, der beanstandet, dass die neuen Lampen «in der Stube nicht warm geben». Wie lange die 18 Personen beschäftigende Manufaktur nahe der Hohlen Gasse in Immensee noch gegen die Wogen der Bürokratie siegt, das wird sich weisen. Es ist zu hoffen, dass die Geschichte ein ähnlich versöhnliches Ende finden wird, wie jene von Wilhelm Tell, der seinerzeit auf dem Urnersee den Wellen trotzte.
Marlis Jungo

Als nächsten Gast in der Rubrik «Menschen» wird die Rooter Fasnachtsfigur, der «Schteigröbu» aus seinem Leben erzählen.

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