Rigi Anzeiger
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«Ich trat in ein ganz anderes Leben ein»

Meggen: Morgen Samstag, 19. und Sonntag, 20. August feiert Lucie Heskett-Brem ihr 25-jähriges Jubiläum als Goldschmiedin und Künstlerin mit einer Fest-Veranstaltung im Garten der Orangerie der St. Charles Hall. Freunde und Interessierte sind herzlich eingeladen.

Lucie Heskett-Brem mit dem 3-D-Objekt «Pyramide». Bild Peter Fischli

Lucie Heskett-Brem mit dem 3-D-Objekt «Pyramide». Bild Peter Fischli

jp. Wer das Atelier der Goldschmiedin und Künstlerin Lucie Heskett-Brem betreten darf, tritt ein in ein verwinkeltes Reich der Vielfalt: der Werktisch belegt mit Edelmetallen und Präzisionswerkzeugen, alle Wände dekoriert mit Plakaten, Affichen und Schmuckstücken, beleuchtete Vitrinen mit Unikaten in Gold und Silber, hier ein Regal mit feinsten Kettenelementen, dort ein Gestell mit den unterschiedlichsten Goldketten und ganze Stapel von Flyern und Werbeprospekten. Ein Chaos? Nein, wenn Lucie Heskett-Brem im Gespräch etwas ganz Bestimmtes anspricht, geht sie sehr zielbewusst auf ein Regal zu und findet mit wenigen Griffen den gesuchten Gegenstand. Und die Künstlerin weiss Geschichten zu erzählen. Jedes Schmuckstück hat seine Geschichte. Manchmal eine sehr lange. Denn es sind alles Unikate. Alle sind reine Handarbeit.

Am kommenden Wochenende feiert die international bekannte Künstlerin Lucie Heskett-Brem in Meggen ihr 25-jähriges Jubiläum als Goldschmiedin im Garten der Orangerie der St. Charles Hall. Zu diesem Anlass haben wir ein Gespräch zu ihrem Lebenslauf und ihrem beruflichen Werdegang geführt. Obwohl Lucie in einem sehr kreativen Milieu aufgewachsen ist – ihr Vater Rolf Brem war Bildhauer – nahm ihre schulische und berufliche Ausbildung vorerst einen ganz anderen Weg. «Mein Vater war sehr darauf erpicht, dass weder mein Bruder noch ich etwas mit Kunst machten. Er hat gewusst, wie schwierig es ist, als Künstler zu bestehen. Er unterstützte uns in eine andere Richtung. Mein Bruder machte eine Mechanikerlehre und ich eine Sekretärinnenausbildung. Mein Vater vertrat wohl die Philosophie, Kinder müssten vorerst ‹einen richtigen Beruf› lernen. Wenn sie Kunst machen wollen, müssen sie mit Widerstand umgehen können, wie eine Pflanze, die sich durch harten Boden einen Weg suchen muss, damit sie gross und kräftig wird. Nach einigen anregenden Bürojahren trat ich als Dreissigjährige eine Goldschmiedelehre an. Ich arbeite gerne mit den Händen. Mit ganz kleinen Sachen. Ich trat in ein ganz anderes Leben ein. Die Lehre bildete die Basis, gab mir die Voraussetzungen für meine handwerkliche Tätigkeit. Sie war eine wunderbare Chance für meine weiteren Handarbeiten, für mein kreativ-künstlerisches Schaffen. Meine Leidenschaft wurde das Kreieren und Herstellen von Ketten. Meine Ringe sind kurze Ketten, Arm- und Halsbänder sowieso. Auch meine 3-D-Installationen bestehen aus Ketten. Alle Kreationen sind handgefertigt.»

Auf die Frage, von welchen Motiven sie sich beim Kreieren des Schmuckes in Gold und Silber inspirieren lasse, zählte Lucie Heskett-Brem Muster und Vorlagen auf, die sie in Museen und Antiquariaten oder Antikmärkten vorfand. «Manchmal regte mich bei einem Beispiel die Machart zu eigenem Ausprobieren an, andere Modelle führten zu neuen, eigenen Ideen. Aus einer solchen Anregung heraus ist auch der Megger Stern entstanden, den ich zum 950-Jahr-Jubiläum der Gemeinde gestaltete.» Und schon erhob sich Lucie von ihrem Stuhl, um zielstrebig eine Schachtel mit den Megger Sternen zu präsentieren. «Da siehst du eine einzelne Blume. Und hier eine ganze Kette mit diesen Sternen. Oder hier ein Haarband. Ich habe auch Ringe angefertigt. Hier sind beispielsweise farbige Saphire eingefügt. Auch hier gäbe es zu diesen Sternen Geschichten zu erzählen. Sogar ein Patent konnte ich auf die Machart der Sterne mit einem Edelstein anmelden.»

Inzwischen hat sich Lucie Heskett-Brem auch in den Bereich der Objektkunst vorgewagt. Auf das Stichwort «Ausstellungsobjekte» erhebt sich die Künstlerin wieder vom Stuhl und sucht in einem Stapel von Papieren nach einem Flyer. «Hier ist er. Zwar etwas zerknittert. Im Tessin kann ich vom 17. Juni bis 30. September 2017 in der Ausstellung ‹Der schöne Körper› eine Auswahl meiner Werke zeigen.» Im Flyer ist zu lesen: Ketten haben sie ihr Leben lang fasziniert. Von Hand fertigt sie hochkarätige Halsketten, Armbänder, Ringe und Ohrringe an. Ihre Kunstwerke, zarte Spinnennetze und filigrane 3-D-Skulpturen befinden sich in Sammlungen weltweit, so auch im Museum of Arts and Design in New York.

Am Wochenende sind Besuche im Atelier der Künstlerin möglich. Es sind Tage der Rückschau und des Aufbruchs.

«Schlange auf Sand» Bild Louis Brem

«Schlange auf Sand» Bild Louis Brem

Schlangenring aus 20 Karat Gelbgold. Bild Stephen Doyle

Schlangenring aus 20 Karat Gelbgold. Bild Stephen Doyle