Rigi Anzeiger
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In Dierikon geht eine Ära zu Ende

Gemeindeschreiber Karl Mattmann geht nach 33 Amtsjahren in Pension

Mit Karl Mattmann geht nicht «nur» der Gemeindeschreiber von Dierikon in den Ruhestand. Mit ihm verlässt der letzte einer «Dynastie» das Gemeindehaus.

Seit 1858 standen die Mattmanns im Dienst ihrer Gemeinde. Damals übernahm Kaspar Mattmann das Schreiber-Amt in den Gemeinden Ebikon und Dierikon. Karl Mattmann ist sein Urenkel. Zwischen dem Begründer und dem letzten der Schreiber-Dynastie im Rontal liegen 155 Jahre. Vier Generationen Mattmann versahen die Stabsstelle in den Gemeinden Ebikon und Dierikon. Als Dierikon 1891 einen eigenen Gemeindeschreiber erhielt, versah Kaspar Mattmann dieses Amt vorerst weiter, ab 1895 trat Sohn Albert in seine Fussstapfen, ab 1941 war es Vater Albert, und als 1980 die Gemeindeschreiberstelle erstmals als Vollamt ausgeschrieben war, übernahm sein Sohn Karl das Amt.

Genau 33 Amtsjahre werden es sein, wenn Karl Mattmann am 27. September von Rat und Bevölkerung verabschiedet wird. Kaum etwas ist geblieben, wie es damals war. Das Gemeindeschreiber-«Büro» war ein Raum im alten Schulhaus. Das war die Kanzlei. «Da stand auch ein grosser Tisch, an dem fanden die Gemeinderatssitzungen statt», erinnert sich Karl Mattmann, «und die Ziviltrauungen, als Gemeindeschreiber war ich auch Zivilstandsbeamter.» Karl Mattmann war als Gemeindeschreiber ein Einmannunternehmen, Dreh- und Angelpunkt für alle Einwohnerdienste: Steuern, AHV, Zivilstandsamt, Vomundschaftsbehörde. Heute gibts dafür je eigene Dienststellen, und einige Aufgaben sind regionalisiert worden. Damals allerdings zählte Dierikon auch gerade 782 Einwohner. Heute sinds doppelt so viele, und Dierikon ist ein wichtiger Dienstleistungs- und Unternehmensstandort geworden. Und die Ansprüche an eine Gemeindeverwaltung von der Gesetzgebung und der Bürgerschaft erheblich grösser geworden.

 

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Karl Mattmann: «Die Hektik hat zugenommen.»

 

Als Karl Mattmann sein Amt antrat, galt im Kanton Luzern noch das «Sportelsystem». Das heisst: Gebühren für hoheitliche Amtshandlungen waren für den ausführenden Beamten ein Lohnbestandteil. Einen fixen Lohn gabs für den Gemeindeschreiber zwar pro Einwohner, aber das war nicht mehr als ein kleines Fixum. Das Einkommen «erwirtschafteten» die Gemeindeschreiber auf Provisionsbasis: Inkassoprovision auf den Steuereinnahmen, auf amtlichen Ausweisen wie etwa der ID, an Baubewilligungen gemäss kantonaler Gebührenverordnung. «Die Gemeinde hat den Raum zur Verfügung gestellt», erklärt Karl Mattmann das damalige System, «Materialauslagen, Löhne und weitere Auslagen gingen auf meine Kosten.» Das habe einem Gemeindeschreiber durchaus unternehmerische Freiheit gegeben. «Kundenacquisition wie ein richtiger Unternehmer konnte man natürlich nicht betreiben», erinnert sich Karl Mattmann, «aber man war natürlich an der Entwicklung der Gemeinde interessiert.» Das Sportelsystem wurde um 1990 abgeschafft. Seither war Karl Mattmann vollbezahlter Gemeindebeamter mit Stabsfunktion.

Macht das Amt mit seinem breiten Aufgabenbereich den Gemeindeschreiber zum Dorfkönig? «Das ist das, was wir gar nicht gerne hören», wehrt Karl Mattmann energisch ab. Dorfkönig? Nein. «Aber es liegt natürlich in der Natur des Amtes, dass der Gemeindeschreiber gerade in einer kleineren Gemeinde die Gemeinde und die Amtsgeschäfte sehr gut kennt, und wenn man lange im Amt ist weiss man naturgemäss in vielen Dingen sehr gut Bescheid und kennt viele Leute.» Kommt dazu: «Früher gabs in einer Gemeinde klare Autoritätspersonen: Pfarrer, Lehrer, Gemeindepräsident, Gemeindeschreiber. Das hat sich sehr geändert», stellt Karl Mattmann fest.

Das hatte auch Auswirkungen aufs Amt. «Früher war es vielseitiger aber auch einfacher», erklärt Mattmann. So stehe heute fast jeder Entscheid im Risiko, angefochten und weitergezogen zu werden. Und insgesamt: «Die Hektik hat zugenommen», stellt Karl Mattmann nüchtern fest. Das hat auch mit der Entwicklung der technischen Hilfsmittel für Büro und Kommunikation zu tun – ein Preis für die Erleichterungen, die diese Entwicklung am Arbeitsplatz gebracht hat. Auch anonymer sei es auf der Kanzlei geworden: «Früher kannte man sich in der Gemeinde noch persönlich, das ist heute mit den vielen Neuzuzügern gar nicht mehr möglich.» An seinem Verhältnis zur Gemeinde hat das nichts geändert, sagt der Schreiber Karl Mattmann: «Ich war und bin mit Herzblut ein Dieriker. Das wird auch in Zukunft so sein.»

Jetzt freut sich Karl Mattmann «auf ruhigere Zeiten und mehr Zeit für mich». Er gehe «mit 100 Prozent in Pension». Er werde nicht «mit einem Bein» noch im Amt bleiben, dazu gebe es auch gar keinen Grund: «Mein Nachfolger, Gemeindeschreiber Substitut Marcel Herrmann, kennt die Gemeinde und die Aufgaben auf der Kanzlei bestens», weiss Mattmann. Kein Wunder: Marcel Herrmann arbeitet seit 25 Jahren auf der Kanzlei. Karl Mattmann kann nach dem 27. September, seinem letzten Arbeitstag, in Ruhe seine Zeit geniessen – auf dem Rennvelo, auf Skitouren oder beim Bocciaspiel, seinen liebsten Hobbies und mit seiner Familie, die bei einem Vollblut-Gemeindeschreiber wohl ab und zu ein bisschen hintanstehen musste.

 

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