Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

In Thailand wird Pretty Woman wahr

Schweigend sitzen sich ein älterer Herr mit kaukasischen Gesichtszügen und eine Thailänderin, die ich auf höchstens 25 Jahre schätze, gegenüber.

Sie stochert lustlos in ihrem Reisgericht herum, er hat seinen Teller bereits geleert und versieht seine Begleitung regelmässig mit einem leicht genervten und zugleich lüsternen Blick. Kaum hat die junge Frau Gabel und Löffel beiseitegelegt, erhebt sich das ungleiche Paar von den Stühlen und entschwindet im Dunkel der späten Abendstunden. Solche Szenen lösen bei mir stets Unbehagen aus, weil ich mir vorstellen kann, dass das Essen in der bis an den Nachbartisch fühlbar angespannten Atmosphäre für die Frau wohl nicht das letzte unangenehme Ereignis der Nacht war.

Zahlreiche Mädchen, die in ärmlichen Gegenden Thailands wie derjenigen hier in Bangkok aufwachsen, enden in der Prostitution (Symbolbild).

Zahlreiche Mädchen, die in ärmlichen Gegenden Thailands wie derjenigen hier in Bangkok aufwachsen, enden in der Prostitution (Symbolbild).

Thailand wird in der westlichen Welt vielfach mit Prostitution und Sextourismus verbunden. Das war vor meiner Abreise selbstverständlich auch mir bewusst gewesen, hört und liest man doch öfters von den Sexabenteuern von in ihren Heimatländern als nicht besonders attraktiv und beliebt geltenden Männern. „Für umgerechnet nur 30 bis 40 Franken bleibt eine Nutte die ganze Nacht bei mir“, berichtete beispielsweise ein bei Schweizerinnen nicht sehr gut ankommender Zürcher Endzwanziger. Respektlose und teilweise auch despektierliche Äusserungen wie diese sowie die Lektüre von zahlreichen Büchern und Zeitungsartikeln zum Thema Prostitution in Thailand hatten in mir das Bild eines riesigen Bordellviertels in Bangkok heraufbeschworen. Ich hatte mir vor meiner Ankunft vorgestellt, dass sich inmitten der thailändischen Hauptstadt ein an Paris oder Amsterdam erinnerndes Rotlichtmilieu befinden würde, das in Bezug auf seine flächenmässige Abdeckung und der Anzahl involvierter Personen aber die meisten Sexviertel in der Welt übertreffen würde.

Dem ist nicht so. Natürlich existieren in Bangkok mehrere Massagesalons, bei denen bereits von aussen ersichtlich ist, dass in diesen Häusern nicht Rücken oder Schultern durchgeknetet werden, sondern andere Körperteile im Fokus stehen. Auch einschlägige Bars sind mir in der Hauptstadt, Chiang Mai und auf Koh Samui relativ viele bekannt, doch am Strassenrand warten kaum weniger Dirnen auf Kundschaft als früher am Zürcher Sihlquai anzutreffen waren. Nach Phuket und Pattaya hat es mich noch nie verschlagen und anhand von Erzählungen oder Reiseberichten kann ich mir gut vorstellen, dass meine nachfolgenden Beobachtungen nicht auf diese beiden Orte zutreffen werden.

Der einzige Ausweg aus der Armut ist für viele junge Thailänderinnen die Heirat mit einem reichen Ausländer (Symbolbild).

Der einzige Ausweg aus der Armut ist für viele junge Thailänderinnen die Heirat mit einem reichen Ausländer (Symbolbild).

Das Sexbusiness in Thailand ist diskreter als in Europa und wie mir eine Gruppe Prostituierter in nicht mehr ganz nüchternem Zustand in einem Nachtclub in Bangkok anvertraut haben, kennen die Eltern und Geschwistern der jungen Frauen deren wahren Beruf meist nicht – obwohl die Familie bei allen vier Damen einen hohen Stellenwert hat. Eine hat zu Hause gesagt, sie arbeite als Kellnerin, die anderen drei sind in ihren Heimatdörfern als Kindermädchen, Barangestellte oder Friseurin bekannt. Soweit kann ich das gut nachvollziehen, was ich jedoch ungewöhnlich finde, ist, dass die Prostituierten offenbar nicht selten von einem finanziell besonders gut dastehenden Freier geheiratet werden. Bei einheimischen Männern sind Thailänderinnen, die sich mit sogenannten Farangs – Westlern – eingelassen haben, verpönt und Ausbildung haben diese Damen abgesehen von den wenigen obligatorischen Schuljahren meistens keine. Ein einfacher Ausweg aus dem Sexmilieu ist also, eine Ehe mit einem gut betuchten Kunden einzugehen und diesen schliesslich in sein Heimatland zu begleiten.

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

 

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