Rigi Anzeiger
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Ins Leben geschubst

Maturafeier Gymi Immensee

Sechzig junge Männer und Frauen bestanden dieses Jahr am Gymnasium Immensee die Matura. Darauf ausruhen wird sich niemand können.

Alle Maturandinnen und Maturanden des Gymnasium Immensee.

Alle Maturandinnen und Maturanden des Gymnasium Immensee.

Viel war an der würdigen Maturafeier in der Kapelle des Gymi Immensee vom Leben «drinnen» und «draussen» die Rede. «Drinnen», das heisst: sich im Schoss des Gymi Immensee tummeln, mit sicherer, wenn auch befristeter Beschäftigungsperspektive im geschützten Rahmen und mit vielen individuellen Weiterentwicklungsmöglichkeiten. «Draussen», das heisst: sich behaupten im realen Leben, einen Weg finden im Dschungel der tertiären Bildung, sich etablieren in einem Bereich, der den eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen entspricht. Diese Erwartung formulierte nicht nur der Gastredner und Immenseer Alt-Rektor Aldo Magno, sondern auch die beiden Redner aus der Schülerschaft. Der Staat will schliesslich – so rechnete der jetzige Dienststellenleiter für die Luzerner Gymnasien vor – nicht umsonst rund 27000 Franken jährlich pro Schüler/in investiert haben.

Rektor Christoph Schmitt: «Sie haben den Geist geschärft, ohne die Fantasie mit der Realität zu vermischen und sich etwas vorzumachen.»

Rektor Christoph Schmitt: «Sie haben den Geist geschärft, ohne die Fantasie mit der Realität zu vermischen und sich etwas vorzumachen.»

Für diejenigen, die das nicht geschafft haben, gibt es, das lernte man auch an dieser Maturafeier, einen Namen: «Drop outs», Herausgefallene. Es wird sie auch unter den Maturanden des Gymi Immensee geben: Frühverheiratete mit Kind statt Studium; Studienabbrecher, die sich vielleicht sogar als Lehrling wiederfinden; Selfmademenschen, die sich einen ganz eigenen Weg durchs Leben bahnen. Allein: ob jemand ein «Drop out» wird oder nicht, lässt sich erst nach einiger Zeit sagen. Mit anderen Worten: Jede und jeder, der das Maturazeugnis entgegennehmen darf, ist vorerst mal ein «Drop out». Herausgefallen aus der Schule, hineingeschubst ins Leben «draussen».

Alt-Rektor Aldo Magno: «Bleibt jugendlich und vor allem: Spielt mit dem Feuer. Werdet nicht zu Langweilern.»

Alt-Rektor Aldo Magno: «Bleibt jugendlich und vor allem: Spielt mit dem Feuer. Werdet nicht zu Langweilern.»

Drop out – drop in
Allein, die Maturandinnen und Maturanden selbst mögen sich nicht als Küken fühlen, die aus dem Nest gefallen sind. Sie sehen sich eher als «Drop ins», als Menschen, die jetzt ins Leben hineinfallen, vielleicht sogar übers Leben herfallen dürfen. Darauf haben sie sich am Gymi Immensee in vorbildlicher Art vorbereiten können. Sie haben sich kritisch mit sich selbst und der Welt auseinandergesetzt, sie haben gelernt zu denken und zu fragen, sie haben, so Rektor Christoph Schmitt, «den Geist geschärft, ohne die Fantasie mit der Realität zu vermischen und sich etwas vorzumachen». Vor allem aber haben sie ein ganz eigenes Profil entwickelt, das sie jetzt ausleben wollen. «Bleibt jugendlich», rät ihnen Festredner Aldo Magno, «und vor allem: Spielt mit dem Feuer». Damit meint er: Mit Neugierde das eigene innere Feuer entdecken und sogar den Mut haben, sich auch mal die Finger zu verbrennen. «Werdet nicht zu Langweilern», ruft er ihnen zu, so genannte Pragmatiker gebe es genug. «Keine Angst», ist man geneigt zu sagen, wenn man die Maturandinnen und Maturanden beobachtet. Rundherum sieht man gerade Rücken, selbstbewusste Gesichter, ein stolzer Gang.

Zuerst RS dann Uni

Für viele der jungen Männer des Gymnasiums Immensee geht’s zuerst in die Rekrutenschule. «Danach möchte ich studieren, weiss aber noch nicht was», sagte Colin Iten aus Immensee. Goran Dubravac aus Küssnacht will nach der RS Wirtschaft studieren. Yves Ducrey ebenfalls aus Küssnacht greift nach den Sommerferien das Jura-Studium auf. Für Nils Anliker aus Hergiswil (NW) steht nach dem Besuch der Rekrutenschule das Betriebswirtschaftsstudium an. Nico Joller aus Adligenswil macht zuerst ein Praktikum bei einer Immobilienfirma, danach studiert er Politik und Wirtschaft. Raphaela Thenen aus Rickenbach (SZ), die mit 5,42 die Bestnote erzielte, will Physik studieren. Ein Austauschjahr in Irland und Pharmastudium in Basel steht für Elisabeth Scherer aus Udligenswil, die mit Note 5,38 ihre Matura bestand, an. Sonja Betschart, die sich mit der Note 5,26 als Drittbeste klassifizierte muss zuerst die Eignungsprüfung für Veterinärmedizin bestehen, damit sie das entsprechende Studium beginnen kann. Die Forensische Wissenschaft hat es Julia Vaerst aus Luzern angetan. Sie wurde für ihr Engagement mit dem Sozialpreis ausgezeichnet.

Raphaela Thenen, Sonja Betschart, Elisabeth Scherer und Julia Vaerst (v.l.) wissen, was sie studieren wollen.

Raphaela Thenen, Sonja Betschart, Elisabeth Scherer und Julia Vaerst (v.l.) wissen, was sie studieren wollen.

Prüfung bestanden und happy: (v.l.) Colin Iten, Nils Angliker, Nico Joller, Yves Ducrey und Goran Dubravac.

Prüfung bestanden und happy: (v.l.) Colin Iten, Nils Angliker, Nico Joller, Yves Ducrey und Goran Dubravac.