Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Ins Nirgendwo entsandt

Weniger Chips und Schokolade essen, mich besser auf die Semesterprüfungen vorbereiten oder endlich wieder einmal die Gitarre aus dem Keller holen: In früheren Jahren habe ich für Neujahr stets Vorsätze aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen gefasst.

Weil ich diese hehren Vorhaben sowieso spätestens Mitte Januar wieder über Bord geworfen hatte, gab ich es beim Jahreswechsel 2012 schliesslich auf mit den guten Vorsätzen. Stattdessen lasse ich vor Silvester jeweils das Jahr Revue passieren und mache mir Gedanken darüber, was ich in den vergangenen zwölf Monaten gelernt habe. 2014 waren aufgrund meines Austauschsemesters in Bangkok natürlich insbesondere die letzten vier Monate spannend und lehrreich gewesen, da ich mich zum ersten Mal für längere Zeit in einem fremden Land aufhielt, dessen Sprache ich nicht mächtig war. Weil die thailändische Hauptstadt in Reiseführern ja gerne als Weltstadt bezeichnet wird, hätte ich vor meiner Ankunft nicht damit gerechnet, dass das generelle Englischniveau hier so unterirdisch tief ist. Dass ich aber dringend einige Brocken Thai erwerben musste, wurde mir gleich bei der ersten Taxifahrt zu meiner Wohnung im Stadtteil Salaya bewusst. Der Fahrer sprach kein Wort Englisch, gab sich überhaupt keine Mühe, mich zu verstehen und drehte kurz vor dem Ziel noch eine Zusatzschlaufe, um den Fahrpreis in die Höhe zu treiben. Wenigstens lernte ich so gleich eine Lektion, dass man Taxichauffeuren immer über die Schulter schauen muss, weil die einen als Farang – Westler – sonst über das Ohr zu hauen versuchen. Inzwischen kenne ich mich in Bangkok gut aus und sobald ein Fahrer den Weg unnötig verlängert, weise ich ihn auf Thai darauf hin, dass ich diese Extrakilometer nicht bezahlen werde.
Generell darf man sich in Thailand vielfach nicht auf die Einheimischen verlassen. Bei der Frage nach Wegbeschreibungen wird der Gefragte nur in den seltensten Fällen zugeben, dass er die Antwort nicht kennt, da er ansonsten ja das Gesicht verlieren könnte. Lieber schicken die Inländer einen in die komplett falsche Richtung als einfach zu sagen, sie kennten den Weg auch nicht. Bis anhin hatte ich mich jeweils darauf verlassen, dass mein Gegenüber mir nach bestem Gewissen eine ehrliche Auskunft gibt. Dass dies für die thailändische Kultur nicht gilt, musste ich in meinem ersten Monat in diesem Land bei einem Aufenthalt in der nordöstlichen Provinz Udon Thani auf bittere Weise erfahren. Ich hatte vor, einen Ausflug in den Nationalpark zu machen und mich im Vorfeld im Internet, bei der regionalen Niederlassung des thailändischen Tourismusverbandes und dem lokalen Busunternehmen über mein Ziel informiert. Sowohl die Tourismusexperten der Region als auch der Angestellte am Infoschalter der Busstation versicherten mir, dass zwischen zehn Uhr morgens und sechs Uhr abends alle zwei Stunden ein Bus den Nationalpark verlasse und zurück in die Stadt fahre. Auf dem Hinweg kam ich aber mit ein paar Marktfrauen ins Gespräch, die nach etwa einer Stunde Fahrt alle ausstiegen und behaupteten, an diesem Tag käme man nicht mehr zurück nach Udon Thani. Der Bus fahre nur einmal am Tag in diese Richtung und das sei um acht Uhr morgens, damit die Hausfrauen einkaufen gehen könnten. Der Fahrer bestätigte dies. Nach weiteren zehn Minuten Fahrt würde er sich ins Busdepot begeben. Mitten im Nirgendwo kristallisierte sich also heraus, dass ich wohl weder in den Nationalpark noch zurück in die Stadt gelangen würde. Schliesslich musste ich zehn Kilometer zu Fuss bis zur nächsten Hauptstrasse und von dort aus fuhr mich der Besitzer eines kleinen Gemischtwarenladens mit dem Roller in ein etwas grösseres Dorf, von wo aus ich den letzten Bus in die Stadt erwischte.
Nun verlasse ich mich nur noch auf die Angaben der Einheimischen, wenn sie mir mindestens dreimal bestätigt wurden und sich mit dem decken, was ich in Reiseführer oder Internet gelesen habe. Mit etwas mehr Vorsicht konnte ich in der Zwischenzeit doch noch einen Nationalpark besuchen und viele atemberaubende Orte kennenlernen. Für das neue Jahr freue ich mich auf weitere Abenteuer.

Entgegen der Auskünfte des Tourismusverbandes und des Busunternehmens fährt nur einmal am Tag ein Bus von dieser verlassenen Gegend in der Provinz Udon Thani in die Stadt.

Entgegen der Auskünfte des Tourismusverbandes und des Busunternehmens fährt nur einmal am Tag ein Bus von dieser verlassenen Gegend in der Provinz Udon Thani in die Stadt.

Auf Busfahrpläne ist in Thailand nicht immer Verlass.

Auf Busfahrpläne ist in Thailand nicht immer Verlass.

In dieser verlassenen Gegend in der Provinz Udon Thani musste ich feststellen, dass es keine Möglichkeit mehr gab, zurück in die Stadt zu kommen.

In dieser verlassenen Gegend in der Provinz Udon Thani musste ich feststellen, dass es keine Möglichkeit mehr gab, zurück in die Stadt zu kommen.

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

 

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