Rigi Anzeiger
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Inwil: Wie weiter mit dem Gut Aabach?

Inwil: Nach dem Verzicht von Novartis steht die Zukunft des Gutes in den Sternen

Einigen Politikern und Verbänden war das 100-Millionen-Projekt von Novartis in Risch nicht gut genug. Das könnte ein böses Erwachen geben. Denn der nächste Investor kommt bestimmt. Und wird sich wohl weniger anpassungsbereit zeigen, als die unter Dauerkritik stehende Novartis.

«Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er zerbricht»… In diesem Sinne hat Novartis die Reissleine gezogen und ist abgesprungen. Zu viele Einsprachen und Auflagen haben die Realisation des ehrgeizigen Projektes eines Ausbildungszentrums im Natur-Look verteuert und verzögert. Jene, die auch von Amtes wegen an das Projekt geglaubt haben, zeigen sich überrascht. «Bis jetzt gingen die Signale immer in Richtung Realisierung des Vorhabens», erklärt der Gemeindepräsident Peter Hausherr. Und bezeichnet den Entscheid als «bedauerlich». Auf die Frage ob er ein gewisses Verständnis für den Rückzieher habe, äussert sich Hausherr unverbindlich. «Bei einem Projekt dieser Grössenordnung muss man sich immer vor Augen halten, dass es auch einen anderen Verlauf nehmen kann als vorgesehen», erklärt er. Gehen der Gemeinde nun künftige Steuergelder verlustig? «Überhaupt nicht. Denn ein Ausbildungszentrum generiert ja keinen Unternehmensgewinn», wehrt Hausherr ab. Man habe das Projekt nie aus finanziellen Überlegungen unterstützt. Sondern als Chance wahrgenommen, Standort eines ökologisch nachhaltigen Vorzeigeprojektes mit grosser Ausstrahlung zu werden. «Das Zentrum wäre ein doppeltes Bekenntnis von Novartis zu unserer Gemeinde gewesen, in der sie ja bereits eine Niederlassung hat», erklärt er. «Zudem wären mit dem Zentrum rund 40 Arbeitsplätze geschaffen worden und es hätte zweifellos auch Impulse für das regionale Gewerbe ausgelöst», sagt er.

 

Gut Aabach bei Risch ZG

Warten auf die neuen Besitzverhältnisse

Wie es nun weitergehen könnte auf dem Gut Aabach in Risch ist derzeit völlig offen. «Im Januar wird ein Meeting mit den kantonalen Behörden stattfinden», verrät Peter Hausherr. Dabei soll eine Auslegeordnung einen Überblick darüber verschaffen, wie mit den hängigen politischen und rechtlichen Verfahrens-prozessen umgegangen werden soll. Richtungsweisend für Entscheidungen in der Sache wird dabei zwangsläufig die Antwort auf die Frage sein, was nach Novartis kommt. Und diese Fragen kann derzeit niemand beantworten. Für den jetzt eingetroffenen Fall, dass das Ausbildungszentrum nicht realisiert wird, hat Daniel Vasella ein Vorkaufsrecht für das Grundstück. Falls er das nicht nutzt, könnte das 12,4 Hektaren grosse Gut mit der unbewohnten Villa darauf bald einen neuen Besitzer finden. Haben die Gemeindeverantwortlichen bereits Wünsche oder Vorstellungen bezüglich dessen, was anstelle eines Novartis-Ausbildungszentrums auf dem Gut am See entstehen könnte?

«Solange unklar ist, wie sich die Eigentumsverhältnisse entwickeln, machen solche Überlegungen noch keinen Sinn», meint Hausherr. Sobald Klarheit über die neuen Eigentumsverhältnisse und allfälligen Vorhaben auf dem Gut klar seien, werde man sich mit dem Besitzer an einen Tisch setzen. «Sofern Absichten bestehen, das Gut Aabach baulich zu entwickeln, werden wir den Prozess neu aufrollen. Aber ob wir dann alle unsere Ansprüche und Forderungen, auf die Novartis im Verlaufe der vierjährigen Verhandlungen eingegangen ist, ein weiteres Mal durchsetzen könnten, hängt von verschiedenen Faktoren ab», gibt Hausherr zu bedenken. Novartis habe sich immer als kooperativer und kompromissbereiter Partner für Lösungen im ganzheitlichen Sinne gezeigt. «Schade – man hat eine grosse Chance für ein einzigartiges und wegweisendes Projekt verpasst», bedauert der Rischer Gemeindepräsident.

Weniger zurückhaltend äusserte sich gestern der Zuger Baudirektor Heinz Tännler gegenüber den Medien. «Wir haben vier bis fünf Jahre hart verhandelt, aber dieses tolle Projekt, das die Uferlandschaft deutlich aufgewertet hätte, voll unterstützt. Und jetzt wird alles Knall auf Fall sozusagen ins Wasser geworfen. Das tut weh», erklärte er gegenüber Radio DRS. Er wolle niemandem einen Vorwurf machen. Aber die Aufgabe des Projektes sei nach all den Vorarbeiten enttäuschend und frustrierend.

Naturschützer bleiben am Ball

Weniger überrascht vom Rückzieher der Novartis zeigen sich die Einsprecher. «Ich habe während einer Begehung des Landgutes vor drei Wochen im Zusammenhang mit unseren Einsprachen erwähnt, dass Novartis nach dem Ausscheiden und Wegzug von Daniel Vasella das Interesse an diesem Bauplatz verlieren und sich mehr Richtung Basel orientieren könnte», sagt André Guntern, Präsident der Pro Natura, Sektion Zug. Damit, dass seine Überlegungen so schnell Wirklichkeit werden würden, habe er allerdings nicht gerechnet. Mit dem Verzicht von Novartis aber sind Pro Natura und andere Umwelt- und Landschaftsschutzverbände noch längst nicht alle Sorgen um die einzigartige Uferlandschaft am linken Zugerseeufer los. «Die Gemeinde Risch hat ja einer Zonenplanänderung und einem Bebauungsplan für das Ausbildungszentrum zugestimmt. Aufgrund von Einsprachen liegt das Verfahren jetzt bei der Zuger Baudirektion. Wenn die Zonenplanänderung und der Bebauungsplan doch noch bewilligt würden, wären einer Nutzung der Parzelle wie auch immer Tür und Tor geöffnet», gibt Guntern zu bedenken. Pro Natura habe schon immer davor gewarnt, dass man mit dem geänderten Zonenplan im Falle eines Rückziehers von Novartis, andere Bauvorhaben ermöglichen würde. Zum Beispiel Wohnbauten der gehobenen Klasse. Und das würde wohl niemand schätzen ausser jenen, die es sich leisten könnten. Doch welche Art der Landnutzung auf Gut Aabach wäre den Naturschutzverbänden denn nun für die Zukunft genehm? «Diese Frage ist im kantonalen Richtplan schon beantwortet. Dort ist das Gut Aabach als ‹schützenswerte Landschaft mit Villa› eingetragen. Das heisst, die Villa Göhner muss als Hauptgebäude erhalten bleiben. Gegen den Bau von untergeordneten zusätzlichen Gebäuden wäre nichts einzuwenden, sofern diese gut in die Landschaft integriert würden. Dabei könnte es sich um Unterkünfte oder Seminarräume handeln», führt André Guntern aus. Doch so klar ist die Sachlage laut Gemeindepräsident Peter Hausherr auch wieder nicht. «Der Richtplaneintrag eröffnet hinsichtlich Art des Ausbaus auf Gut Aabach einen gewissen Spielraum», gibt er zu bedenken. Dies habe auch das positive Gutachten der Eidg. Natur- und Heimatschutzkommission aufgezeigt.