Rigi Anzeiger
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«Irgendwann schliesst sich der Kreis»

Menschen im Gespräch, mit Alois Heggli, Kernkraftwerkstechniker und Feuerwehrkommandant, Meierskappel.

«Ein Bild in einem Schulbuch in der Gewerbeschule zeigte den Kommandoraum eines Kernkraftwerks», erinnert sich der 47-jährige bei unserem Gespräch. Und er habe sich gefragt, was er tun müsse, um einmal dort zu arbeiten. Erst galt es für den im Rotkreuzer Dorfteil Ibikon Aufgewachsenen seine Lehre als Elektromonteur zu beenden. Lehrmeister Thomas Knüsel gab seinem Lehrling viel Verantwortung und schenkte ihm das Vertrauen. «Das hat mich sicher geprägt, mir viel Selbstbewusstsein vermittelt», sagt Heggli. Schon im zweiten Lehrjahr fuhr er mit Töffli und Anhänger auf die Baustellen und zu den Kunden – im dritten Lehrjahr bereits mit Geschäftswagen und Unterstift.

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Schrecksekunde beim Lehrabschluss
Mit der Traumnote von Note 5,7 schloss er seine Lehre ab. Eine Schrecksekunde hatte ihm die bestens gelungene Abschlussarbeit trotzdem beschert. Als er sie an der darauf folgenden Woche aus der Prüfungshalle entfernen wollte stand dort der Vermerk «Stehen lassen!». Heiss und kalt war dem jungen Berufsmann und er fragte sich «bin ich so schlecht, dass die Experten mir die Fehler aufzeigen wollen?». Das Gegenteil war der Fall, die Montagewand wurde damals an der Zuger Herbstmesse den Besuchern als Paradebeispiel für eine gelungene handwerkliche Ausbildung präsentiert.

Die Anerkennung motivierte: «Soll ich studieren oder die Meisterprüfung machen?», sinnierte Alois Heggli seinerzeit. So sehr das Studium reizte, hat er sich für das Handwerk entschieden. Denn arbeiten und werken war und ist ihm im Blut. Als Bub half er – zusammen mit seinem Bruder und seinen drei Schwestern – dem Vater im Getränkehandel. «Im Keller und rund ums Haus standen Harassen!» Die Geschwister sortierten die Flaschen, entfernten die damals begehrten Silvapunkte aus den Flaschenetiketten und sammelten sie in einer Heliomaltbüchse. «Mutter kaufte mit den Punkten die fehlenden Bildchen für ihre Silva-Bücher und um uns zu motivieren, bezahlte sie uns ca. 10 Rappen für 100 Punkte»
Noch in bester Erinnerung ist Alois Heggli auch das Ausliefern der Getränke zusammen mit dem Vater: «Damals kannte ich fast jeden in Rotkreuz und auch deren Keller», sagt er lachend. Was heute mit der grossen Entwicklung des Dorfes nicht mehr möglich ist. Aber einige seiner ehemaligen Weggefährten treffe er heute wieder, auch jene aus seiner Zeit als Feuerwehroffizier. Rotkreuz ist inzwischen wieder zu seinem Arbeitsort geworden, der eine Kreis hat sich geschlossen.

Jugendtraum und Schildkrötenrettung
Zurück zur Frage: «Wie weiter?» Der inzwischen 22-Jährige fand die grosse Liebe in Monika Abegg aus Goldau. 1995 folgte der Umzug von Ibikon nach Meierskappel, wo sein Vater 1984 ein Mehrfamilienhaus erstellt hatte. 1997 – in Ausbildung zur Meisterprüfung und inzwischen bei Elektro Maréchaux in Luzern angestellt – heirateten Alois und Monika. Ein Stelleninserat in der «Neuen Luzerner Zeitung» erregte im Spätherbst des Folgejahres die Aufmerksamkeit des angehenden Meisters. Gesucht wurde ein Anlagenoperateur im aargauischen Kernkraft Beznau.
Wozu die ganzen Ausbildungen, um nun wieder von vorne anzufangen, fragten ihn Freunde und Familie. «Als Optimist, offener und neugieriger Mensch» bewarb sich der Elektromeister und pendelte während 11 Jahren täglich von Meierskappel nach Beznau. Vorerst (noch) nicht in den Kontrollraum. Rundgänge, Ventile auf- und zudrehen und vor allem die Kontrolle der Kühlwasserfassungen aus der Aare zählten zum Aufgabengebiet. Aus den Sieben mussten Schlamm, Äste und Dreck entfernt werden. Auch eine Schildkröte strandete eines Nachts dort. «Ich nahm sie mit nach Hause, steckte sie – müde von der Nachtschicht – einfach in den Hasenstall.» Erst danach habe er festgestellt, dass Rotwangenschildkröten im Wasser leben. Behelfsmässig musste sie mit dem Kinderpool vorlieb nehmen, bis sich ein Platz für das «Findeltier» aufzeigte.

Zurück in der Zentralschweiz
Intern ausgebildet wurde er in Beznau, Mühleberg, Gösgen und Leibstadt. Aber beispielsweise auch im Paul-Scherer-Institut in Würenlingen und im Simulator von Westinghouse in Pittsburgh: «Dort kommt man sich vor wie in «Flash Gordon» (Science-Fiction-Film aus dem Jahre 1980). Ausgebildet zum Anlagenoperateur und dann zum Reaktoroperateur erreichte er den als Gewerbeschüler erträumten Arbeitsplatz im Kommandoraum des Kernkraftwerks. Nach 11 Jahren: Einem ersten «Ja» zum Aufstieg als Schichtführer Stellvertreter folgte das «Nein» und der Wechsel zur CKW in die Netzleitstelle in Rathausen. «Die Arbeit war sehr spannend, aber nicht auf Dauer», sagt Heggli rückblickend.
«Meine Ausbildung in Elektrotechnik und Anlagenbetrieb zahlte sich dann aus, als mich Roche Diagnostics in Rotkreuz als Betriebstechniker engagierte». Hier Ist der heutige «Teamleader Site Engineering» mit seinem Team zuständig für den Betrieb und die Medienversorgung der Gebäude beispielsweise Strom, Wasser, Heizung und Lüftung. Ohne Schichtarbeit kann das Familienleben wieder intensiver gepflegt werden. Sohn Nico (14) und Tochter Tanja (17) schätzen es, wenn sie zu Viert Ferien im Ausland erleben dürfen und Alois und Monika geniessen die verlängerten Wochenend-Ausflüge mit ihrem Wohnmobil. Und ja, inzwischen zum Feuerwehrkommandanten in Meierskappel geworden, findet der Vielbeschäftigte auch noch Zeit, um mit ein paar Bekannten aus seiner Rotkreuzer-Jugendzeit dem Motorradfahren zu frönen: «Wenn möglich gehören zwei mehrtägige Touren zum Jahresprogramm». Einmal mehr hat sich der Kreis geschlossen.  Marlis Jungo
Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch von Alois Heggli, Kernkraftwerkstechniker und Feuerwehrkommandant aus Meierskappel der Dirigent, Musikschulleiter und Posaunist Manuel Imhof aus Root.