Rigi Anzeiger
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Isoliertes Leben am Tatort

Tötungsdelikt in Root beschäftigt Nachbarn auch noch nach fünf Jahren

Wie ein hässliches Mahnmal steht ein unverputztes Haus mitten in einer Einfamilienhaussiedlung. Es ist Ursache und Schauplatz eines Tötungsdeliktes. Der Täter wohnt weiterhin drin – wie lange noch, ist ungewiss. Sein Fall muss neu beurteilt werden. Der Freispruch durchs Luzerner Obergericht wurde vom Bundesgericht abgewiesen.

Das Haus ist eine Bauruine – mitten in einer gepflegten Eigenheim-Siedlung in Root. Sein Zustand ist seit mehr als fünf Jahren ein Ärgernis. Leitungen und Schläuche führen aus dem Mauerwerk, an den Fenstern fehlen die Rollläden. Über dem Eingang liegen auf zwei mit verrotteten Planen umwickelten Trägern behelfsmässig zwei Glasplatten, beschwert mit Backsteinen. Die Umgebung des Hauses sieht ebenso verwahrlost und unvollendet aus wie das Haus selbst. Im Haus wohnt ein Mann, der seinen Mitmenschen notorisch Pfuscharbeit vorwirft. Damit provozierte er ein Drama, das einem Familienvater das Leben kostete. Seine desolate Behausung, und der Ärger der Nachbarn stören Fatmir Hoti nicht.

Belastend für die Nachbarn
Hoti kam vor über 20 Jahren aus Serbien in die Schweiz. Bis 2001 arbeitete er als Krankenpfleger. Wegen verschiedener Verletzungen wurde er arbeitsunfähig. Vor Kriminalgericht erklärte er, seither habe er «von meiner Familie, Bekannten und Freunden» gelebt. Trotzdem kaufte sich Fatmir Hoti zusammen mit seiner Schweizer Partnerin 2006 ein Reiheneinfamilienhaus in Root zum Preis von 650000 Franken. Während der Bauarbeiten fiel er Handwerkern und dem Generalunternehmer mit seinen notorischen Nörgeleien auf. Er fand immer Gründe, weshalb ihre Arbeit so schlecht war, dass sie wiederholt oder nicht bezahlt werden musste. Ein Jahr nach dem Kauf, als das Haus noch immer im Rohbau war, kam es zum tödlichen Drama (siehe Kasten).

Seit seiner Rückkehr aus der dreimonatigen U-Haft lebt Hoti am Tatort, als sei nichts geschehen. Zwar ist das Haus auch nach dem Tötungsdelikt erneut verputzt, dann aber wieder freigelegt worden. «Es wurde mindestens dreimal verputzt», erinnert sich ein genervter Nachbar. Und jedes Mal liess Hoti den Verputz wieder entfernen. «Für mich existiert dieser Mensch nicht. Er hat einen Familienvater getötet. Wenn ich ihm begegne, ignoriere ich ihn», sagt eine Nachbarin. Seine Anwesenheit sei eine echte Belastung. «Dass dieser Mann weiterhin im Haus wohnt, in dem er einen Menschen getötet hat, zeugt von einer grossen Gefühlskälte», meint ein Nachbar.

Diese unmögliche Situation gibt auch den Richtern zu denken. «Ist es für Sie nicht problematisch, weiterhin am Tatort zu wohnen?», fragte einer von ihnen. Hoti antwortete achselzuckend: «Am Anfang schon. Aber mit Hilfe der Familie ist es dann doch gegangen».

Auch der chronische Rohbau ärgert in Root. Weshalb sorgt hier die Gemeinde nicht dafür, dass wenigstens optisch Ordnung und Sauberkeit herrscht? «Wir wurden von der Gemeinde nie über die Umstände rund um das unverputzte Haus informiert. Wir können uns nur darüber wundern, dass so etwas in der Schweiz geduldet wird», sagen die Nachbarn. Der für das Bauwesen zuständige Gemeinderat Peter Ineichen schweigt sich über die Gründe der unschweizerischen Toleranz aus. Die Angelegenheit sei noch nicht abgeschlossen, meint er. Gemäss Medienberichten will nun die LUKB, welche das Haus finanziert hat, ihr Geld zurück. Da der Bauherr zahlungsunfähig sei, will dessen Anwalt die Forderung der Bank an den Baumeister weiterleiten. Für den Bauunternehmer, der dem Serben und dessen Partnerin zu gleichen Teilen das Haus verkauft hat, ist die Sache jedoch erledigt. «Nachdem es nicht möglich war, ihn zufrieden zu stellen, haben wir einen sehr grosszügigen Preisnachlass gewährt und den Verkauf abgeschlossen.» Der Preisnachlass sei so gross gewesen, dass man mit der Einsparung gleich zweimal das Haus hätte verputzen lassen können. Der Bauunternehmer wollte mit der Sache einfach nichts mehr zu tun haben.

Hoti reichte das nicht – er wollte nun für sein unfertiges Haus zwei Millionen haben. Sowohl er, als auch seine Partnerin haben das Bauunternehmen vor rund einem Jahr mit je einer Million Franken und mehr betrieben. «Zwei Millionen Franken, für ein Haus, das 650000 Franken gekostet hat. Aber seit dem Eingang dieser gegenstandslosen Betreibungen haben wir nichts mehr von ihm gehört», schildert der Bauunternehmer.

Und wie begründet Fatmir Hoti den Zustand seines Hauses und die Zwei-Millionen-Forderung? Gar nicht. Auf die schriftliche Einladung zu einer Kontaktaufnahme mit dem Rigi Anzeiger reagierte er nicht. Wohl oder übel reagieren müssen wird er auf die bevorstehende Vorladung des Luzerner Obergerichtes. «In den nächsten Monaten muss der Fall noch einmal beurteilt werden», sagt der zuständige Staatsanwalt.

Wie ein Mahnmal steht das unverputzte Haus seit mehr als fuenf Jahren im Eigenheim-Quartier.

Wie ein Mahnmal steht das unverputzte Haus seit mehr als fünf Jahren im Eigenheim-Quartier.

Der Fall
Am 24. September 2007 kam es auf der Baustelle von Hauskäufer Fatmir Hoti zu einem Streit zwischen ihm und dem mit Ausbesserungsarbeiten beauftragten Gipsermeister. Im Verlauf der handfesten Auseinandersetzung verletzte Hoti den Handwerker mit Messerstichen tödlich. Hoti behauptete, er sei vom Gipsermeister und seinen beiden Arbeitern angegriffen und schwer verletzt worden. Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte Hoti im September wegen eventual-vorsätzlicher Tötung, begangen im Notwehrexzess zu vier Jahren Freiheitsentzug. Das Obergericht sprach Hoti im Juni 2011 gestützt auf die Notwehrsituation frei. Das Bundesgericht gab im September 2012 dem Einspruch von Staatsanwalt und Privatkläger recht und wies den Fall zur Neubeurteilung ans Luzerner Obergericht zurück.

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