Rigi Anzeiger
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Ist das neue Adliger Bus-Konzept doch ein Misserfolg?

Kritische Fragen zur Erfolgsmeldung des Verkehrsverbundes Luzern (VVL)

Die positive Bilanz der Buslinien-Strategen von vergangener Woche wird nicht von allen Busbenutzern goutiert. Der Anstieg der Passagierzahlen stehe in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zur Steigerung der Anzahl Fahrten ist nur einer von vielen Kritikpunkten.

Bremsen kinderwagenführende Mütter - hier an der Haltstelle Talrain in Adligenswil - die Postautolinie 73  aus?

Bremsen kinderwagenführende Mütter – hier an der Haltstelle Talrain in Adligenswil – die Postautolinie 73 aus?

«30 Prozent mehr Fahrgäste dank neuen Buslinien», titelte der Rigi Anzeiger vergangene Woche die Erfolgsbilanz des Verkehrsverbundes Luzern (VVL).
«Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast», spottet Busbenützer Dieter Kutschera aus Adligenswil dazu. Und fragt: «Nur 20–30% mehr Busbenützer bei 100% Erhöhung der Busfrequenz! Durch die Zusammenlegung der Verkehrsführung für die Buslinien 26 und 73 auf die Luzerner- respektive Schädrütistrasse, wurde die Busfrequenz auf dem Abschnitt Adligenswil–Brüelstrasse und in der Gegenrichtung um rund 100% erhöht! Was war das für eine Rechnung von Herrn Meier, die nun aufgegangen sein soll?»

VVL-Sprecher Christoph Zurflüh präzisiert:
«An einem Werktag fahren 23 zusätzliche Kurse von Adligenswil direkt ins Zentrum von Luzern, was einer Zunahme von rund 40 Prozent entspricht. Am meisten ausgebaut wurde das Angebot während des Tages und am Abend. Auch am Wochenende erweiterten wir den Fahrplan nach Luzern, um dem stetig wachsenden Freizeitverkehr gerecht zu werden». Die Frage, wieviele Busse und Postautos heute konkret im Vergleich zum Vorjahr vom Dorfzentrum Adligenswil wegfahren, beantwortet er wie folgt:
2013 (Werktags)
Abfahrten Linie 73 Richtung Luzern: 55
Abfahrten Linie 26 Richtung Luzern: 72
2014 (Werktags)
Abfahrten Linie 73 Richtung Luzern: 78
Abfahrten Linie 26 Richtung Luzern: 40
Auch Chauffeure unzufrieden
Aber Buskritiker Kutschera stösst sich noch an anderen Begleiterscheinungen der neuen Linienführung. «Ein nicht unwesentlicher Anteil der 20–30% Mehr-Passagiere auf dem Abschnitt Adligenswil–Brüelstrasse, oder in der Gegenrichtung, steigen auf diesem Abschnitt ein und auch wieder aus! Diese «Kurzzonen-Passagiere» sind denn auch für die Postautobenutzer, die in die Stadt wollen oder auf dem Heimweg sind, ein ziemliches Ärgernis», stellt er fest. Für diese Passagiere wäre die neue Linienführung des Postautos nicht nötig gewesen, meint er. Die Erhöhung der Frequenz der Linie 26 hätte den gleichen Effekt gehabt. Das Postauto werde auf dem erwähnten Abschnitt durch die vielen kurz aufeinanderfolgenden Haltestellen zweckentfremdet, also zu einem Lokalbus der VBL degradiert, beanstandet Kutschera weiter. Das sei nicht im Sinne einer Postautolinie und deren Benutzer, welche aus dem Gebiet Adligenswil, Udligenswil, Meierskappel und Rotkreuz unterwegs sind. «Auch die Postauto-Chauffeure beschweren sich über den Umstand der vielen, in kurzen Abständen folgenden Haltestellen, die dazu führen, dass z.B. an der Brüelstrasse Mütter mit überdimensionierten Kinderwagen ins Postauto zwängen nur um bereits an der nächsten Haltestelle (Schlösslihalde) umständlich wieder auszusteigen», berichtet er. Dabei folge dem Postauto in den meisten Fällen kurz darauf ein Bus der Linie 26 mit bedeutend mehr Platz. «Der VVL täte gut daran, die Haltestellen Gämpi, Talrain und Schlösslihalde für die Linie 73 aufzuheben», fordert Kutschera. Offenbar ist er nicht der einzige Kritiker. Laut VVL-Sprecher Zurflüh sind seit der Umstellung im Dezember 2013 bei den VBL und der PostAuto AG je rund 40 und beim VVL rund zehn Reaktionen eingegangen. Diese Anzahl sei vergleichbar mit anderen Umstellungen im öV.. Zudem zeige es sich, dass die Anzahl der Reaktionen im Raum Luzern Ost stark rückläufig seien. «Die Themen waren das Angebot, der Fahrplan, die Linienführung, Verspätungen, Fahrzeuge, Anschlüsse und die Infrastruktur», führt Zurflüh aus.
Kurzfristiger Handlungsbedarf bestehe insbesondere bei den Anzahl Haltestellen in Adligenswil, der Schlaufenfahrt der Postauto-Linie 73 nach Widspüel und dem Fahrplan der vbl-Linie 26, erklärt er. Für die Linie 26 werde eine weitere Verbesserung zur Gewährleistung der Anschlüsse in Brüelstrasse und Unterlöchli angestrebt.