Rigi Anzeiger
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Ist das Postauto ein Opfer einflussreicher Anwohner?

Zufriedener Busbenutzer kontert der IG öV Adligenswil–Würzenbach

Wird die Route des Postautos Nr.73 womöglich nur wegen einflussreicher Anwohner der Dreilindenstrasse aufgehoben? Und weshalb wird die Buslinie 26 trotz bester Anschlüsse nicht besser genutzt? Mit diesen und weiteren spitzen Fragen kontert der Adligenswiler Dieter Kutschera auf die Ausführungen der IG öV Adligenswil–Würzenbach.

Seit bekannt ist, dass der Verkehrsverbund Luzern den Agglomerationsverkehr zwecks Optimierungen umorganisieren will, gehen die Wogen der Emotionen bei den Bus- und Postautobenutzern hoch. Besonders in Adligenswil, wo sich gleich alles ändern soll. Statt am nördlichen Ortsrand entlang zu brummen, soll das Postauto der Linie 73 künftig vor dem Rössli einen linken Haken schlagen und via Würzenbach nach Luzern fahren. Im Gegenzug soll die heutige Buslinie 26 zwischen Würzenbach und Adligenswil zwischen die Destinationen Adligenswil und Unterlöchli verlegt werden. Die Massnahmen, die bis im Jahre 2014 umgesetzt werden sollen, haben stichhaltige technische und wirtschaftliche Gründe. Die von den Kunden naturgemäss weniger gewichtet werden, als die persönlichen Bedürfnisse.

1704 Personen unterschrieben die Petition gegen eine Verlegung der Postautolinie 73. Darüber staunte selbst Daniel Meier (mitte), Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Luzern, der die Unterschriften im Betriebsrestaurant der Ringier Print Adligenswil AG von Stefan Bühler (links) und Hans Reichlin (rechts) entgegennahm.

Unter dem Titel «Adligenswil ist gefordert» hat sich Felix Handermann, IG öV Adligenswil–Würzenbach im Rigi-Anzeiger zu den Vorzügen der geplanten Änderungen geäussert. Und sich damit einerseits der offiziellen Haltung der Gemeinde Adligenswil – der er Unredlichkeit vorwirft – sowie 1500 Unterzeichnern einer Forderung nach Beibehaltung der heutigen Linienführungen entgegengestellt, und ist anderseits so manchem von Nachteilen bedrohten Zeitgenossen auf die Zehen getreten.

Einer von ihnen, der pass- und pensionierte Adligenswiler Busfahrer Dieter Kutschera, fährt nun eine Retourkutsche gegen Handermann. «Handermann behauptet, dass es gute Gründe gibt für die neue Linienführung, die in der Berichterstattung bislang überhaupt nicht berücksichtigt wurden. Welche Gründe sind das? Im Text sind keine Gründe zu finden, welche nicht schon wiederholt aufgeführt wurden und dadurch inzwischen etwas abgegriffen wirken. Dass unter dem Strich sehr viel mehr Personen von der neuen Linienführung profitieren als durch sie verlieren, ist eine reine Annahme und Behauptung, welche nicht durch konkrete Zahlen belegt werden kann», kontert Kutschera.

Von links: André Iten Gemeindepräsident Meierskappel, Guido Schacher Gemeinderat Adligenswil, und Thomas Rebsamen Gemeindepräsident Udligenswil wollen für ihre Gemeinden die Beibehaltung der Postautolinie 73.

Dass 60 bis 80 Prozent mehr Einwohner von der neuen Linienführung profitieren können, sei reine Theorie, kommentiert Kutschera. «Entscheidend wäre konkret abzuklären, wieviele dieser Einwohner das Postauto benutzen würden», findet er. Und fragt sich, ob die erwähnten 60 bis 80 Prozent mehr Einwohner nur aus dem Gemeindegebiet Adligenswil oder auch aus der angrenzenden Stadtgemeinde stammen.

«Warum wird die heutige Linie 26, welche mindestens im 15-Minutentakt unterwegs ist, mit besten Anschlüssen an die Linien 6 und 8, nicht besser genutzt? Glaubt man ernsthaft, dass diese Einwohner zukünftig das bereits heute in den Stosszeiten ab Adligenswil praktisch voll besetzte Postauto benützen werden, statt wie bisher offenbar selbst in die Stadt zu fahren? Und wie viele dieser potenziellen Benutzer müssen zum Bahnhof?», fragt er sich. Weil das Postauto ab Brüelstrasse sinnvollerweise als Expresskurs zum Bahnhof geführt würde, reduziere sich die Anzahl potenzieller Benutzer aus diesen 60 bis 80 Prozent nochmals erheblich, weil ja nicht alle zum Bahnhof fahren wollen, schlussfolgert Kutschera.

Eine ganzheitliche Analyse aller heutigen Gegebenheiten und konkreter Fakten lasse unschwer erkennen, dass die im Rahmen der AggloMobil due angestrebte, neue Linienführung für das Postauto Nr. 73 keinen Sinn mache, findet er. Damit stelle sich die Frage nach den wahren Beweggründen und Zielsetzungen einer neuen Linienführung für das Postauto. «Blättert man in dieser Angelegenheit etwas zurück, stösst man bei einer früheren Argumentation der IG öV Adligenswil–Würzenbach auf einen interessanten Punkt. Bei einer Aufzählung der Argumente pro neue Linienführung wird unter den Vorteilen u.a. erwähnt, dass damit die Dreilindenstrasse entlastet werde und dass auch das gefährliche Kreuzen mit dem Postauto entfalle?!», führt Dieter Kutschera aus. Und fragt sich, «woher dieses Argument stammt». «Könnte es sein, dass einige einflussreiche Bewohner des Dreilindenquartiers ihren Einfluss für eine neue Linienführung geltend machen wollen und entsprechend Druck ausüben?», argwöhnt der engagierte Befürworter der Beibehaltung der heutigen Linienführung. Und fügt an: «Das würde nicht erstaunen, wurde doch bereits die 30-er Beschränkung für die Dreilindenstrasse mit fadenscheinigen Argumenten durchgedrückt». Niklaus Wächter

Die Problempunkte heute (oben) und die Vorteile der neuen Linienführung (unten).
Bild Verkehrsbund Luzern