Rigi Anzeiger
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Jungbürgerfeiern vom Aussterben bedroht?

Fest zur Volljährigkeit stösst im Rontal auf immer weniger Interesse

Jungbürgerfeiern stossen bei jungen Erwachsenen auf immer weniger Interesse. Die schweizweite Tendenz ist auch im Rontal ersichtlich. Ebikon sagte die für heute Freitag geplante Jungbürgerfeier mangels Resonanz ab.

«Rien ne va plus!» – die kommunalen Jungbürgerfeiern scheinen nicht mehr «in» zu sein. (Archivbild der Jungbürgerfeier Ebikon 2012)

«Rien ne va plus!» – die kommunalen Jungbürgerfeiern scheinen nicht mehr «in» zu sein. (Archivbild der Jungbürgerfeier Ebikon 2012)

Mitte Juni dieses Jahres teilte die Gemeinde Adligenswil mit, dass sie bis auf Weiteres auf eine Jungbürgerfeier verzichtet, nachdem 2012 nur noch wenige Jungbürgerinnen und Jungbürger daran teilnahmen. Udligenswil reorganisiert seine Jungbürgerfeier und lädt künftig alle zwei Jahre junge Menschen, die volljährig geworden sind, zu einer gemeinsamen Feier ein. Ebikon musste die für heute Freitag, 22. August, geplante Jungbürgerfeier absagen. 150 Einladungen wurden versandt. Nur fünfzehn junge Erwachsene hatten sich angemeldet. «Uns liegt fern, den Jugendlichen einen Vorwurf zu machen», äusserte Gemeindepräsident Daniel Gasser. Er sieht einige Faktoren, die die geringe Zahl an Anmeldungen begründen: Ungünstiger Termin (zu kurz nach den Sommerferien), einige männliche Jungbürger sind in der RS, Jungwacht und Blauring-Jubiläum am Samstag, aber auch gesellschaftliche Veränderungen. «Die Jungen verabreden sich heute kurzfristiger, möchten sich nicht mehr zu früh auf Termine festlegen», meinte Daniel Gasser. Nun werde die Jungbürgerfeier neu überdacht. Eine Idee des Ebikoner Gemeindepräsidenten wäre, das Alter anzuheben bzw. die 20jährigen zur Jungbürgerfeier einzuladen, in der Hoffnung, dass dann mehr junge Frauen und Männer teilnehmen.
Die Gemeinden Root, Dierikon und Gisikon führten im Juni 2012 zuletzt eine gemeinsame Jungbürgerfeier durch. Alleine Root lud 102 Personen ein, 33 meldeten sich an. Infolge geringem Interesse und aus Spargründen verzichtete Root auf weitere Feiern. Gisikon organisierte daraufhin selber eine Jungbürgerfeier am 13. Juni 2014 und lud die Jahrgänge 1995 und 1996 ein. Rund ein Drittel erschien zum Anlass mit Bowling samt Preisvergabe, Apéro, kurzer Vorstellungsrunde, Essen und Dessert. Sicher ist, so Gemeindeschreiber Beat Amrein: «Der Gemeinderat wird an der Jungbürgerfeier in Gisikon alle zwei Jahre weiterhin festhalten.» Dierikon räumte sich genügend Zeit ein, um sich Gedanken zu einer Jungbürgerfeier eventuell im 2015 zu machen. «Ein Alleingang kommt für eher uns nicht in Frage», sagte jedoch Gemeinderat Max Hess.

Buchrain und Inwil als Erfolgsmodelle?
56 junge Erwachsene zweier Jahrgänge nahmen im November 2013 an der Jungbürgerfeier in Buchrain teil. 150 Einladungen wurden zuvor versandt. In Sachen Gestaltung der Feier liess sich der Gemeinderat etwas Neues einfallen. Dazu Gemeindepräsidentin Käthy Ruckli: «Wir haben die Strecke Bueri-Perlen in fünf Posten aufgeteilt. Jeder Posten war durch einen Gemeinderat ‹betreut›, so konnte er mit den jungen Frauen und Männern locker ins Gespräch kommen.» Unterwegs haben die Jungbürger in Gruppen einen Fragebogen zu Bueri (geographisch, kulturell, witzig) ausgefüllt. Im Hinterleisibach gabs Glühwein und Brötli. Beim Abendessen folgte die Kürung der Siegergruppe.
In einem kurzen Spiel – dazu erbettelte Ruckli bei den Eltern vorgängig Fotos von den Jungbürgern im Alter von 1–2 Jahren – hatten die Jungen zu erraten, wer hinter den Babyfotos steckt. «Dieses Spiel kam sehr gut an.» Ruckli liess auch wissen, dass den jungen Erwachsenen viel Raum für Gespräche untereinander gelassen wurde. «Das wurde unserer Meinung nach sehr geschätzt», fügte sie an. An einer Jungbürgerfeier im Zweijahres-Rhythmus will Buchrain weiterhin festhalten. «In den Schulklassen sind die Jahrgänge auch gemischt und über eine Bandbreite von mindestens zwei Jahrgängen», erklärte Käthy Ruckli.
Inwil führt seine Jungbürgerfeier jedes Jahr durch. 2013 hat die Gemeinde gemäss Gemeindeschreiber Daniel Hermann 31 Einladungen versandt und 22 nahmen an der Jungbürgerfeier teil. Für die Feier wird ein OK aus den Jungbürgern bestimmt, das den Anlass beispielsweise mit Bowling oder Dart ergänzt. Daniel Hermann: «Der Anlass findet immer in einem gemütlichen Rahmen statt mit dem Ziel einerseits die Jugendlichen auf ihre neuen Rechte und Pflichten aufmerksam zu machen und andererseits zu zeigen, dass die Gemeinderäte auch nur Menschen sind und man sich bei Problemen/Anfragen/Anregungen etc. melden soll/kann/darf.» Ob die Jungbürgerfeier in Inwil weiterhin so durchgeführt oder ob allenfalls das Rahmenprogram reduziert oder weggelassen wird, hängt von der künftigen Finanzlage ab. «Das wird sich erst im Rahmen der jeweiligen Budgetprozesse zeigen», merkte Hermann an.